Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Schleswig-Holstein Was ein Ministerpräsident in Quarantäne macht
Nachrichten Schleswig-Holstein

Wie geht es Ministerpräsident Daniel Günther in Corona-Quarantäne?

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 09.01.2022
Von Niklas Wieczorek
Selfie ohne Alternative: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sitzt derzeit aufgrund eines Corona-Falls im Arbeitsumfeld in Quarantäne.
Selfie ohne Alternative: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sitzt derzeit aufgrund eines Corona-Falls im Arbeitsumfeld in Quarantäne. Quelle: Daniel Günther
Anzeige
Kiel

Ja, er sitze in einem Kieler Hotel, bekräftigt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU): „Meine Frau und ich waren uns einig, dass ich möglichst nicht nach Hause komme.“ Seit Donnerstag führt er als Kontaktperson zu einem Corona-Fall die Amtsgeschäfte nicht aus der Staatskanzlei. Ein Arbeiten und Leben, das ihn zwar nerve, aber bisher gelinge.

Eines vorweg: Täglich, so der Regierungschef, teste sich der 48-Jährige – mit bisher negativen Ergebnissen. Die Quarantäne ist eine Vorsichtsmaßnahme. In der Staatskanzlei halte sein Team alle Corona-Regeln ein, teste sich täglich, und doch sei es zu dem Fall gekommen.

Großteil des Büros in Quarantäne

Nach der Info darüber am Donnerstag wurde der Ablauf zur Herausforderung: Sofort hätten sich alle Mitarbeiter isoliert, so Günther. In einer kurzen Schaltkonferenz sei dann der Ablauf besprochen worden. Plötzlich war der Regierungschef ganz allein gefragt.

„Ich bin selbst mit dem Auto hierhergefahren“, beschreibt er, und dass er einen negativen Test noch erbringen konnte. Stolz klingt durch, dass er nichts Wichtiges im Büro vergessen habe – „nicht einmal Ladegeräte“, so der MP. Dann habe er eine Whatsapp-Nachricht an seine Frau geschrieben, was er von zu Hause benötige. So ging es in den Alltag der Isolation.

Der Regierungschef zahlt den Hotelaufenthalt selbst

„Ich versuche, mir die Tage zu strukturieren“, sagt der Regierungschef. „Man ist so lieb, mir das Frühstück oder Abendessen hier vor die Tür zu stellen“, weiß Günther: „Manche haben auch in der Quarantäne deutlich mehr auszuhalten.“ Er beteuert aber, alles privat zu zahlen.

Das Arbeiten laufe problemlos. Viele Termine liefen derzeit ohnehin per Video, weshalb auch die Absprache mit den Stellvertretungen Monika Heinold (Grüne) und Heiner Garg (FDP) einfach war.

Günther „ohne Administratorenrechte“

An einer Sache sei er aber bisher gescheitert: Der Drucker laufe einfach nicht. „Ich habe keine Administratorenrechte“, sagt Günther lachend. „Daran muss sich ein Ministerpräsident erst einmal gewöhnen.“

Was ihm fehlt? Die Familie, klar. Kontakt halte er zu seiner Frau und den Töchtern (3 und 5 Jahre) per Videoanruf. Vor das Hotel kamen sie am Wochenende: „Die Mädels freuen sich riesig über das Winken am Fenster.“

Und: „Die fehlende Bewegung, der Sport, das fehlt mir echt.“ Von zu Hause habe er zwei Hanteln erhalten, für täglich 15 bis 30 Minuten Fitness. Aber Günther ist nun einmal Läufer. „Das letzte Mal bin ich Dienstag 13 Kilometer auf Amrum gelaufen“, sagt er wehmütig.

Lesen statt Laufen in der Freizeit

Immerhin habe er dort gerade eine schöne Woche mit der Familie verbracht. Jetzt nutze er seine Freizeit, um Bücher zu lesen. Derzeit sei das ein Rosenfeldt-Krimi, ein Adler-Olsen-Krimi liege ebenfalls parat – und seine Frau habe ihm ein „Familienbuch“ empfohlen, so Günther.

Auch für ihn sei die Quarantäne ein psychologischer Kraftakt: „So eine Zeit übersteht man nur mit dem Blick nach vorne“, sagt Günther. „Ich kann nur raten: Nicht die Tage herunterzählen, sondern jeden Tag einzeln angehen.“ Und doch hat er einen klaren Ausblick: Mitte der Woche.

Günther sieht Lockerungen entgegen

Dann sollen die neuen Quarantäne-Lockerungen, die bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag beschlossen wurden, in Schleswig-Holstein umgesetzt werden: „Und wenn die Regeln geändert werden, nehme ich das auch für mich in Anspruch.“

Der Newsletter der Chefredaktion

Montags bis freitags erhalten Sie aktuelle Nachrichten aus Schleswig-Holstein und Einblicke in den Newsroom in Ihr Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Eigentlich, scherzt Günther, hätte er über diesen Punkt ja kaum abstimmen dürfen. Schließlich sei er befangen, weil selbst betroffen gewesen. Klar ist nun einmal: „Die Quarantäne kann jeden treffen, auch den Ministerpräsidenten.“