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Schleswig-Holstein Wie viel Airbnb verträgt Schleswig-Holstein?
Nachrichten Schleswig-Holstein Wie viel Airbnb verträgt Schleswig-Holstein?
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09:53 22.01.2020
Von Steffen Müller
Das Airbnb-Geschäftsmodell ist einfach: Immobilienbesitzer oder Mieter bieten leerstehende Wohnungen online als Ferienunterkünfte an. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Kiel

Hamburg hat es vorgemacht, Lübeck hat nachgezogen. Beide Hansestädte haben 2019 Maßnahmen ergriffen, um die Vermietung von Ferienwohnungen über Airbnb einzudämmen. Hamburger dürfen ihre Bleiben nur noch acht Wochen im Jahr untervermieten. Zusätzlich müssen sie sich beim Amt registrieren lassen. Andernfalls drohen bis zu 500000 Euro Strafe. In Lübeck hat die Stadt Airbnb-Ferienwohnungen auf der Altstadtinsel verboten.

1100 Unterkünfte über Airbnb in Kiel

Auch in Kiel werden Wohnungen touristisch vermarktet, jedoch sind die Zahlen nicht signifikant hoch, wie Wohnungsbau-Dezernent Gerwin Stöcken sagt. Eine Übersicht darüber, wie viele Wohnungen als Ferienwohnungen vermietet werden, gibt es in Kiel nicht. „Ein Wohnraumschutzgesetz in Kiel wäre wünschenswert. Eine Entscheidung darüber obliegt aber dem Land“, sagt Stöcken. Zu einem entsprechenden Beschluss konnte sich die Landesregierung jedoch trotz einiger Vorstöße bislang nicht durchringen.

Laut Unternehmensangaben gab es zum Stichtag 1. Januar 2019 in Kiel 1100 Unterkünfte über Airbnb, davon waren 66 Prozent komplette Wohnungen, 33 Prozent Privatzimmer und ein Prozent geteilte Zimmer. Im Jahr 2018 haben 18000 Gäste eine Airbnb-Unterkunft in Kiel gebucht, mehr als 36000 Gäste reisten aus Kiel in andere Städte.

Eckernförde diskutiert über Umgang mit Airbnb

In Eckernförde arbeitet die Touristik und Marketing GmbH sogar mit Airbnb zusammen. Über die Homepage des städtischen Unternehmens können Airbnb-Ferienunterkünfte gebucht werden. Insgesamt spiele das Online-Portal im Vergleich zu anderen Anbietern aber keine große Rolle, sagt der Touristik- und Marketing-Geschäftsführer Stefan Borgmann.

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Ungeachtet dessen wird in Eckernförde diskutiert, wie in Zukunft mit Airbnb umgegangen wird. „Wir müssen klären, in welchem Maße Wohnen und Ferienwohnungen verträglich sind“, sagt Borgmann. Der Prozess ist bereits gestartet, das Bauamt erarbeitet derzeit Regelungen. Es gehe darum, Urlaub und Bürgerverträglichkeit zu vereinen.

Airbnb in Schleswig-Holstein nicht so verbreitet wie in Großstädten

Dass Airbnb in Schleswig-Holstein nicht so verbreitet ist wie in weltweiten Großstädten, bestätigt auch die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein. „Für viele Regionen in Schleswig-Holstein spielt Airbnb gegenwärtig nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle“, bestätigt Pressesprecherin Manuela Schütze. Das Online-Portal habe sich aber als Vertriebsweg etabliert und spreche vor allem eine jüngere Zielgruppe an.

In Schleswig-Holstein bieten derzeit nach Airbnb-Zahlen 6800 Gastgeber eine Übernachtungsmöglichkeit an, 91 Prozent davon vermieten weniger als 120 Nächte, sechs Prozent 120 bis 180 Nächte und drei Prozent 180 und mehr Nächte im Jahr.

Tourismusbranche in Schleswig-Holstein im Aufwind

Insgesamt verzeichnet die Tourismusbranche in Schleswig-Holstein ein weiteres Wachstum, wie der zuständige Minister Bernd Buchholz  verkündete. Laut Statistikamt Nord konnten im November 2019 in Unterkünften mit zehn und mehr Betten und auf Campingplätzen etwa 400000 Gäste begrüßt und rund 1,4 Millionen Übernachtungen gezählt werden.

Das ist bei den Übernachtungen ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum November 2018, die Gästeankünfte stiegen um 1,9 Prozent. Im Ganzjahresvergleich kamen von Januar bis November 2019 3,8 Prozent mehr Gäste ins Land als zum gleichen Zeitraum 2018. Wie der Dezember des vergangenen Jahres und somit die Tourismusbilanz für 2019 insgesamt ausfällt, steht erst Ende Februar fest.

Auch nach Hamburg kommen immer mehr Touristen. Die Zahl der Übernachtungen von Januar bis November 2019 stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,1 Prozent auf 14258 Millionen. Rund ein Fünftel der Gäste kam aus dem Ausland, die meisten aus Dänemark, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz.

Statement von Airbnb

Das sagt Airbnb zu der Kritik

Das 2008 gegründete Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe, dass durch Airbnb der Wohnungsmarkt negativ beeinflusst werde. Die Firma beruft sich dabei auf eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Empirica, das im August 2019 die Faktoren für steigende Mieten in Berlin, Hamburg, München und Dortmund untersucht hat. Laut der Studie hat Airbnb in den Städten keine Auswirkungen auf die Mietpreise.

Airbnb verweist außerdem darauf, dass das Unternehmen eng mit Behörden und Tourismusorganisationen zusammenarbeitet und dafür sorgt, dass die Gastgeber Beherbergungs- und Tourismusabgaben zahlen. Airbnb hat nach eigenen Angaben bisher weltweit zwei Milliarden US-Dollar an Tourismusabgaben erhoben und an die lokalen zuständigen Institutionen weitergereicht.

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