Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Lärm wird anders berechnet
Nachrichten Schleswig-Holstein Lärm wird anders berechnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:37 13.06.2018
Von Heike Stüben
Foto: Eine neue Berechnungsmethode soll die Lärmbelastung nun in Schleswig-Holstein besser als bisher prognostizieren.
Eine neue Berechnungsmethode soll die Lärmbelastung nun in Schleswig-Holstein besser als bisher prognostizieren. Quelle: Frank Peter
Anzeige
Flintbek

Auslöser für das neue „Interims-Prognoseverfahren“ war eine Studie des Landes Nordrhein-Westfalen. Demnach sind die Immissionswerte von großen Windrädern im Betrieb systematisch höher als zuvor berechnet. In Schleswig-Holstein hat das Land dies überprüft, weil bei jeder Anlage die Geräuschbelastung noch einmal im Echtbetrieb gemessen wird. Die Ergebnisse bestätigen die Studie. Viele der 8100 Windkraftanlagen in Land mussten deshalb bereits nachgebessert und nachts gedrosselt werden.

Höhere Lärmwerte

Das neue Berechnungsverfahren berücksichtigt die Größe heutiger Anlagen und prognostiziert durchgängig eine Lärmbelastung, die bis zu zwei Dezibel höher ist als nach der bisherigen Methode. Das hört sich wenig an, ist aber in vielen Fällen entscheidend. Denn weil die Anlagen den größtmöglichen Ertrag bringen sollen, nähert man sich beim Nachtbetrieb so weit wie möglich an die Richtwerte der Technischen Anleitung Lärm an.

Nachts zu hohe Belastung

Danach sind von 22 bis 6 Uhr in Mischgebieten höchstens 45 db(A) und in Wohngebieten maximal 40 db(A) erlaubt. So wurde nach der alten Methode bei einem Windrad nahe eines Wohngebietes 39,2 db(A) erwartet. Später ergab die Messung aber über 40 db(A).

Folgen der neuen Methode

Um künftig schon bei der Planung realistische Werte zu haben, hat das Land Schleswig-Holstein in diesem Jahr verbindlich ein neues Prognoseverfahren eingeführt. Axel Sachse von der Zertifizierungs- und Ingenieurdienstleistungsgesellschaft DNV GL zeigte sich in Flintbek überzeugt, dass dies nicht dazu führen wird, dass die Betreiber ihre Anlagen kleiner bauen oder die Leistung reduzieren werden. „Sie werden eher die Abstände zur Wohnbebauung vergrößern. Denn nur mit der Nennleistung können sie den Ertrag erzielen, der die Anlage wirtschaftlich macht.“