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Schleswig-Holstein Wo sich Windräder künftig drehen dürfen
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18:12 04.10.2018
Nur auf Vorrangflächen ist Neubau und Modernisierung der Windräder - das sogenannte Repowering - möglich. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)
Kiel

Auf nicht ganz zwei Prozent der Landesfläche will Schleswig-Holstein 2025 rund zehn Gigawatt Windkraftleistung produzieren. Am Dienstag beschloss das Kabinett neue Regionalpläne zum Ausbau der Windkraft. "98 Prozent des Landes werden auch weiterhin von Windenergieanlagen freigehalten", sagte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) bei der Vorstellung der neuen Pläne. Exakt 1,95 Prozent der Landesfläche wollen CDU, Grüne und FDP künftig als Vorranggebiete für Windgebiete ausweisen. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einer "sehr klugen Lösung".

Flächen für Windräder in Schleswig-Holstein

Der zweite Entwurf der Koalition enthält gegenüber der ersten Fassung von Dezember 2016 ein Fünftel neue Vorrangflächen. Im gleichen Umfang wurden ehemals geplante Gebiete gestrichen. "Die 6500 Einwendungen haben zu erheblichen Änderungen geführt", sagte Grote. Die Auswertung umfasse rund 21.000 Seiten. Am 4. September startet im Internet ein neues öffentliches Beteiligungsverfahren.

Modernisierung der alten Windräder nur auf Vorrangflächen möglich

Von den aktuell 3100 Windrädern befinden sich gut 1000 außerhalb der 361 künftigen Vorrangflächen. Sie haben nur noch technischen Bestandsschutz. Nur auf Vorrangflächen ist weiterer Zubau und der Austausch alter durch neue, leistungsstärkere Windräder - das sogenannte Repowering - möglich.

Grote und Habeck rechnen damit, die Regierungsziele bei den erneuerbaren Energien mit den neuen Plänen zu erreichen. Sie hätten mit 3,2 Megawatt einen konservativen Durchschnittswert für neue Windräder berücksichtigt, sagte Habeck. «Schleswig-Holstein hat eine abgewogene Flächenplanung vorgelegt und gleichsam seine akut anstehenden klimapolitischen Hausaufgaben gemacht.»

Grote geht davon aus, dass sich 2025 im Norden 3600 Windräder drehen werden. Die Mindestabstände der Anlagen zu Siedlungen wollen CDU, Grüne und FDP auf mindestens 1000 Meter anheben, in jedem Fall aber so weit wie die fünffache Höhe der Räder. In dünn besiedelten Gebieten müssen Anlagen die dreifache Anlagenhöhe, mindestens aber 400 Meter Abstand zu Wohnhäusern haben.

Naturschutz wird für Windräder gelockert

Im Gegenzug werden Beschränkungen etwa im Naturschutz gelockert. Habeck kann mit den geplanten Einschnitten leben, auch weil der Greifvogelbestand im Norden wächst. "Mir tut nichts weh", sagte der Grünen-Politiker. Beispielsweise werden die Mindestabstände von Windrädern zu Horsten von Rotmilanen und Weißstörchen gesenkt.

Bis Anfang 2019 haben die Schleswig-Holsteiner Zeit, zu den im Internet veröffentlichten neuen Plänen Stellung zu nehmen. Derzeit gilt im Norden grundsätzlich ein Genehmigungsstopp für neue Anlagen. Das Oberverwaltungsgericht in Schleswig hatte vor rund drei Jahren die bis dato geltenden Pläne zum Windkraft-Ausbau gekippt. Die Landesregierung will aber weiter Ausnahmegenehmigungen für Windräder erteilen. "210 Anträge sind bereits in Bearbeitung", sagte Habeck.

Weiterer Ausbau für Firmen wichtig

Wichtig sei, dass in der Zwischenzeit neue Anlagen gebaut werden könnten, sagte Reinhard Christiansen, der Landesvorsitzende des Bundesverbandes Windenergie. "Wir haben ja totalen Stillstand gehabt." Hersteller hätten bereits Mitarbeiter entlassen. In Schleswig-Holstein wurden im 1. Halbjahr 22 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 62,6 Megawatt neu gebaut. Das waren lediglich 3,8 Prozent der bundesweiten Ausbauleistung. Bei der gesamten installierten Windkraft-Leistung fiel das Land auf den dritten Platz zurück hinter Niedersachsen und Brandenburg.

Kritik an den Plänen der Landesregierung gab es von der Opposition. "Robert Habeck und der Rest der Jamaika-Regierung haben es zugelassen, dass ein Jahr damit vergeudet wurde, neue Ausbaupläne zu erstellen, nach denen sich für über 90 Prozent der Menschen ohnehin nichts ändern wird", sagte der SPD-Energiepolitiker Thomas Hölck. Die Änderungen gingen hauptsächlich zulasten des Natur- und Artenschutzes.

Von KN-online

Rund zehn Gigawatt Windkraft-Leistung will Schleswig-Holstein an Land erreichen. Mit größeren Abständen will die Regierung Bürger entlasten, durch Aufweichungen beim Naturschutz knapp zwei Prozent der Fläche freigeben. Dabei soll zu Wohnsiedlungen 1000 Meter Abstand gehalten werden.

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