Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Familien müssen um ihr Zuhause bangen
Nachrichten Schleswig-Holstein Familien müssen um ihr Zuhause bangen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:34 23.07.2019
Von Heike Stüben
Eines der betroffenen Häuser in der Gemeinde Noer. Quelle: Ulf Dahl
Anzeige
Kiel/Noer

Der Kreis will die Dauernutzung unterbinden und hat jetzt verfügt, dass der erste Eigentümer binnen sechs Monaten ausziehen muss. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen ums Dauerwohnen in Wochenendhausgebieten – mit unterschiedlichem Ausgang.

Wochenendhäuser: Juristisch ist das Thema sehr komplex

Wie viele der bundesweit 224.000 Wochenendhäuser in Schleswig-Holstein stehen und wie viele davon dauerhaft bewohnt werden, ist unklar. Allein der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat 19 Wochendhaussiedlungen. Eine landesweite Übersicht gebe es nicht, erklärt Tim Radtke vom Landes-Innenministerium und verweist auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 2013: Danach sei „das alltägliche Dauerwohnen nicht mit dem zeitweiligen Erholungswohnen vereinbar“.

Anzeige

Wochenendhäuser unterscheiden sich von Ferienhäusern dadurch, dass sie zu Freizeitzwecken für eine begrenzte Zeit von einem bestimmten, nicht wechselnden Personenkreis genutzt werden dürfen. Diese Beschränkungen wurden bereits bei der Erschließung und Infrastruktur berücksichtigt. Das zeitweilige Wohnen im Erholungsraum eines Wochenendhausgebietes darf nicht in eine Ferienhausnutzung wechseln.

Doch gilt das auch, wenn wie in Noer das Dauerwohnen seit Jahrzehnten geduldet wird und einzeln Häuser sogar als Wohnhaus genehmigt wurden? „Juristisch ist das Thema sehr komplex, weil sich jeder Fall im Detail anders verhält“, sagt Rechtsanwalt Christian Becker von der Kieler Kanzlei Brock, Müller, Ziegenbein, der Betroffene vertritt. Der Anfang der Probleme liege in der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Baugesetzbuch gab es noch nicht. Für viele Orte wurden Aufbaupläne erstellt – später, in Zeiten des Wirtschaftswunders, auch für Wochenendhausgebiete.

Lesen Sie auch: Leben im Wochenendhaus in Lindhöft - Anwalt sieht passiven Bestandsschutz

Schleswig-Holstein: In Dahme musste die Dauernutzung legalisiert werden

„Nach diesen Plänen wurden Genehmigungen erteilt. Viel später stellte sich jedoch häufig heraus, dass die Aufbaupläne nichtig waren. Daraus resultieren viele der heutigen Streitfälle“, sagt Becker. Denn oft habe es ordnungsgemäße B-Pläne gar nicht oder erst Jahre später gegeben. Diese Lücke sei eine Chance, dass damalige Dauernutzer auch weiterhin in einem Wochenendhausgebiet wohnen bleiben können. Das hat der Anwalt bereits in Dahme (Kreis Ostholstein) durchgesetzt: Dort musste die Dauernutzung legalisiert werden.

Kommentar zum Thema: Heike Stüben zu Wochenend-Häusern

In Brekendorf in den Hüttener Bergen hat die Gemeinde selbst den B-Plan geändert. Das Gebiet Kammberg nutzen heute sowohl Dauerbewohner wie Wochenendhäusler. In Borgwedel bei Schleswig scheiterte dagegen die Umwandlung des Wochenendgebiets in ein „Sondergebiet Wohnen und Erholung“, weil zu wenige Eigentümer die Folgekosten tragen wollten. Eine generelle Lösung gebe es nicht, sagt Radtke. Zuständig sei die Untere Bauaufsicht beim Kreis. Sie müsse „eine verhältnismäßige Entscheidung im konkreten Fall“ treffen.

Weitere Nachrichten aus Schleswig-Holstein lesen Sie hier.

Heike Stüben 23.07.2019
Heike Stüben 22.07.2019