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Schleswig-Holstein Wolfsbetreuer ist sich sicher: Wolf auf A 1 überfahren
Nachrichten Schleswig-Holstein Wolfsbetreuer ist sich sicher: Wolf auf A 1 überfahren
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16:36 24.04.2019
Der auf der A 1 bei Pölitz überfahrene Wolf wird von den Wolfsbetreuern Björn und Petra Schulz sowie Sohn Jannes geborgen. Quelle: Henrik Schulz
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Bad Oldesloe

 Es geschah in der Nacht auf Ostersonntag, als eine Fahrerin eines VW Golf auf der A 1 bei Pölitz kurz vor der Anschlussstelle Bad Oldesloe in Richtung Norden einem Wildtier nicht mehr ausweichen konnte und es überfuhr. Der Fahrerin selbst passierte nichts. Aber das Auto war beschädigt. Die Frau rief die Polizei. Die Beamten der Autobahnpolizei Bad Oldesloe konnten an dem Wagen einen Wildschaden feststellen. Sie entdeckten jedoch in der Nacht kein Tier, das nach Aussage der Golf-Fahrerin ein Wolf oder Hund gewesen sein sollte.

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Deshalb kehrten die Beamten am Ostersonntag bei Tageslicht noch einmal zur Unfallstelle auf der Autobahn zurück. Dort fanden sie das verendete Tier auf dem Grünstreifen. Die Polizisten erkannten einen Wolf und verständigten den zuständigen Wolfsbetreuer des Landes. Und der war sich vor Ort ebenfalls sicher: Ja, es ist ein Wolf. „Für uns hatte sich die Sache damit erledigt,“ sagte Polizeisprecher Holger Meier, „ das ist für uns ein normaler Wildunfall. Für die Halterin gab es eine Bescheinigung für die Versicherung.“

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Untersuchung in Berlin

Noch vor Ort nahm der Wolfsbetreuer Blutproben, machte Fotos und packte den Kadaver in einen Leichensack. Der Bereitschaftsdienst des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume brachte den Wolf anschließend nach Berlin ins Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierkunde, wo genetische Untersuchungen vorgenommen werden.

„Dort kommen alle toten Wölfe aus dem gesamten Bundesgebiet hin“, erklärt Jens Matzen, der Landeskoordinator für alle Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein. Die Untersuchung in Berlin dauert mindestens zehn Tage, bis ein Ergebnis zur Herkunft der jungen Wölfin feststeht. Die genetische Untersuchung könne dann zeigen, ob der Wolf möglicherweise für die Schafsrisse im Lauenburgischen in den vergangenen Tagen verantwortlich ist.

Drei bis fünf Wölfe im Land

Jens Matzen geht davon aus, dass sich derzeit drei bis fünf Wölfe in Schleswig-Holstein aufhalten. Sesshaft ist jedoch keiner bislang geworden, sie ziehen immer weiter, können bis zu 60 Kilometer pro Nacht zurücklegen. Dass hin und wieder ein Wolf überfahren wird, ist laut Matzen gar nicht so ungewöhnlich. „Gerade die A 1 ist sehr gefahrenträchtig, hat an mehreren Stellen gar keinen Wildzaun.“

Alles zu Wölfen in SH finden Sie hier.

TC/MC/RND

24.04.2019
Christin Jahns 24.04.2019