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Schleswig-Holstein Albrecht verteidigt geplanten Abschuss
Nachrichten Schleswig-Holstein Albrecht verteidigt geplanten Abschuss
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17:30 05.02.2019
Jan Philipp Albrecht (Bündnis90/Die Grünen), schleswig-holsteinischer Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung, sitzt im Landeshaus. In einem Interview äußert er sich zum genehmigten Abschuss eines Wolfes und den daraus resultierenden Rücktrittsforderungen an ihn.  Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Die geplante Tötung des Tieres bleibe jedoch eine absolute Ausnahme. "Es wird auch weiterhin Wölfe in Schleswig-Holstein geben."

Der Wolf mit der Kennung "GW 924m" habe gelernt, über als wolfssicher geltende Elektrozäune zu springen und sei für mindestens sechs Risse hinter solchen Zäunungen im Bereich Pinneberg seit Ende vergangenen Jahres verantwortlich, sagte Albrecht. Im Sinne einer Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung sei es deshalb nötig, "dass ein solches Verhalten von dem Tier nicht an andere Wölfe weitergegeben wird".

Erfahrungen aus anderen Regionen Deutschlands zeigten laut Albrecht, dass andere Wölfe nicht über diese Zäune springen würden, sondern durch eine Berührung eines Elektrozauns lernten: "Das mache ich lieber nicht. Ich suche mir mein Futter besser im Wildtierbestand", sagte Albrecht. Bestes Beispiel sei ein weiblicher Wolf, der sich seit nun fast acht Monaten im Landkreis Segeberg aufhält und noch kein einziges Mal Nutztiere erbeutet hat. Das aus Sachsen-Anhalt stammende Tier habe sie offenbar nie als leicht erreichbare Beute kennengelernt.

Zäune werden weiter ausgebaut

Der Umweltminister hält Diskussionen über höhere Zäune für nicht zielführend. "Selbst über zwei Meter hohe Zäune könnte in der Theorie auch mal ein Wolf drüber springen", sagte der Grünen-Politiker. "Wir wollen zudem auch nicht ganz Schleswig-Holstein einzäunen." Die Erfahrungen aus anderen Bereichen, in denen bereits länger wieder Wölfe lebten, zeigten, dass die empfohlenen Zäune den besten Schutz vor Wolfsrissen böten. "Wir wollen diese Zäunung auch weiterhin ausbauen und werden zeitnah eine Weiterentwicklung unserer Maßnahmen im Land vorlegen", kündigte Albrecht an.

Der Umweltminister wehrte sich gegen die heftige Kritik des Vereins Wolfsschutz-Deutschland an den Genehmigungen für den Abschuss von Problemwölfen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Der Verein hatte in einem offenen Brief an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella aufgerufen, die beiden verantwortlichen Minister Albrecht und Olaf Lies (Niedersachsen/SPD) zu rügen und mit Strafen zu belegen, sollten die Abschussverfügungen nicht kassiert werden.

Albrecht betonte: "Wir werden an dem strengen Schutz des Wolfs nicht rütteln." Der Wolf könne in Schleswig-Holstein auch künftig nicht einfach bejagt werden. Als Minister trage er aber zudem Sorge um die Nutztierhalter in der Region des Problemwolfs. Für viele von ihnen sei ein Wolf, der es gelernt hat, wolfssichere Zäune zu überwinden, eine existenzielle Bedrohung.

Albrecht: Halter in der Pflicht

Kritik an der Untersuchung der aufgestellten Zäune wies Albrecht zurück. "Wir haben nach allen Rissen im Raum Pinneberg sogar durch zwei Gutachter prüfen lassen, ob die Zäune dort ordnungsgemäß aufgebaut waren", sagte er. "Und sie waren überall astrein installiert und hatten auch die erforderliche Höhe." In Lauenburg beispielsweise hätten die Präventionsmaßnahmen bei dem dort lebenden Wolf geholfen. Wo gezäunt wurde, habe es keine Risse mehr gegeben.

"Insofern stimmt die Argumentation derer, die den Wolf loswerden wollen, dass die Tiere in Schleswig-Holstein keinen Lebensraum finden in Koexistenz mit Nutztieren, schlicht nicht", sagte Albrecht. Stattdessen müssten die Halter ihrer Verantwortung stärker gerecht werden, vom Land finanzierte Zäune aufzustellen.

Klagen sind laut Umweltministerium noch nicht gegen die in der vergangenen Woche vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) erteilte Genehmigung eingegangen. Albrecht zeigte sich überzeugt, dass diese vor Gericht Bestand hielten. "Da bin ich mir absolut sicher, weil die Sachlage in dem hier vorliegenden Fall einfach eindeutig war."

Übersicht: Wolfssichtungen in Schleswig-Holstein

Von dpa

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