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Schleswig-Holstein Wo ist GW 1430-M?
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09:05 08.02.2020
Von Bastian Modrow
Selbst wenn keine Schafe gerissen werden, beschäftigt der Wolf die Menschen in Schleswig-Holstein. Zurzeit fragen sich auch Experten, wo der junge Wolfsrüde geblieben ist, der Ende 2019 wochenlang Weidetiere an der Westküste getötet hatte. Quelle: Jörn Perske
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Kiel

Die Spur von GW 1430-M verliert sich am 27. Dezember. Bei Wohlde hatte der junge Wolf zum letzten Mal nachweislich ein Schaf gerissen. Ob ein weiterer Fall weiter nördlich in Gotteskrog, wenige Kilometer von der deutsch-dänischen Grenze, ebenfalls auf sein Konto geht, ist noch ungewiss. Das Ergebnis einer DNA-Probe liegt noch nicht vor.

Wildschweinzaun würde Wolf nicht aufhalten

„Sollte es der junge Wolfsrüde gewesen sein, wäre dies ein Indiz dafür, dass er gen Norden gezogen ist“, sagt Jens-Uwe Matzen. Der Wolfsbetreuer des Landes Schleswig-Holstein hält es für möglich, dass sich GW 1430-M trotz des Wildschweinzaunes entlang der Grenze mittlerweile in Dänemark aufhält. „Der Zaun hat Lücken, beispielsweise an Straßen und Wegen“, argumentiert Matzen. Auch die Höhe von 1,5 Metern sei kein Hindernis für einen Wolf. „Da kann er entweder drüberspringen – oder er klettert daran hoch, was problemlos möglich ist, da der Zaun ja keinen Strom führt“, sagt der Experte.

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Marcell Kaminsky von der Bürgerinitiative „Wolfsfreie Dörfer“ in Dithmarschen würde sich „freuen, wenn es so wäre“. Allerdings hat der Schafhalter arge Zweifel: „Ich glaube nicht daran, dass GW 1430-M in Dithmarschen wochenlang seinen Jagdinstinkt voll auslebt und in Dänemark plötzlich gar nicht mehr auffällig geworden ist und sich nun vegetarisch ernährt.“ Tatsächlich hätten weder Behörden, noch befreundete Schafbesitzer aus dem Nachbarland über eine plötzliche Häufung von Rissen seit Jahresfrist berichtet.

Wolfsichtungen seit 2007

Verdächtige Schafrisse in Westjütland

Möglich ist, dass Weidetierbesitzer in Dänemark ihre Herden besser vor Wölfen schützen – oder sich GW 1430-M und seine Artgenossen von Wildtieren ernähren. Vielleicht gibt es aber auch in den kommenden Tagen Gewissheit über den Verbleib des Dithmarscher Wolfes: In Westjütland wurden am vergangenen Wochenende 18 tote Schafe gefunden. DNA-Proben werden zurzeit in Deutschland untersucht, berichten dänische Medien.

Wölfe verschwinden plötzlich

Weder Kaminsky, noch Matzen wollen ausschließen, dass der junge Wolf möglicherweise auch tot ist. „Die plötzliche Ruhe ist merkwürdig“, sagt der Schafzüchter und zieht mögliche Parallelen zum sogenannten Problemwolf GW 924-M, für den es 2019 sogar eine Abschussgenehmigung für mehrere Kreise Schleswig-Holsteins gegeben hatte. „Das Tier war nach Mecklenburg abgewandert, wurde noch einmal durch einen Riss südlich von Schwerin auffällig – und seither scheint der Wolf verschwunden zu sein“, sagt Matzen.

Bundesweit gebe es vergleichbare Fälle verschwundener Wölfe, die Dunkelziffer sei „nicht zu klein“, betont der Landesbeauftragte. Er will nicht ausschließen, dass Wolfsgegner „Selbstjustiz“ betreiben und nach dem Motto „Schießen, Schaufeln, Schweigen“ verfahren könnten.

Welcher Wolf riss 2019 Nutztiere in Schleswig-Holstein?

Jägerschaft glaubt nicht an illegalen Abschuss

Ein Szenario, von dem Marcus Börner, Geschäftsführer des Landesjagdverbands, nichts wissen will. „Abgesehen davon, dass ein Schütze eine Straftat begehen würde, müsste er um seinen Jagdschein fürchten und würde einen gewaltigen Imageschaden für die gesamte Jägerschaft verursachen“, sagt Börner. Er geht eher davon aus, dass das Tier abgewandert ist. Dass der Wolf möglicherweise eines natürlichen Todes gestorben ist, daran glaubt der Jagd-Chef indes nicht.

GW 1430-M ist ein noch junges Tier, das laut Ministerium im Frühsommer 2019 erstmals genetisch nachgewiesen wurde. Laut Bürgerinitiative stammt er aus einem Rudel in der niedersächsischen Göhrde. „Dieses Rudel ist für die Auslöschung der Mufflon-Bestände in der Region verantwortlich – binnen drei Jahren verschwanden dort 300 Wildschafe“, sagt Kaminsky.

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