Wulff Textil-Service bietet in Corona-Zeit Behelfsmasken zum Mieten an
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Schleswig-Holstein Kieler Unternehmen vermietet Masken
Nachrichten Schleswig-Holstein Kieler Unternehmen vermietet Masken
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15:37 16.05.2020
Von Clemens Behr
Die Wulff Textil-Service GmbH vermietet in der Corona-Krise selbst entworfene Schutzmasken an Unternehmen und reinigt sie. Hier haben die Geschäftsführer Christian und Sebastian Böge (von links) eine Lieferung mit Neuware bekommen.
Die Wulff Textil-Service GmbH vermietet in der Corona-Krise selbst entworfene Schutzmasken an Unternehmen und reinigt sie. Hier haben die Geschäftsführer Christian und Sebastian Böge (von links) eine Lieferung mit Neuware bekommen. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Das Unternehmen vermietet sonst vor allem Berufsbekleidung, Bettwäsche oder Handtücher an gewerbliche Kunden. Rund 100 Tonnen Wäsche werden am Firmensitz in Wellsee pro Woche gereinigt. Aktuell ist ein Großteil der blauen Wäschesäcke jedoch leer. Die Förderschienen an der Decke und die Waschanlagen stehen still.

„So wenig ist hier sonst nicht einmal zu absoluten Nebensaison los“, sagt Sebastian Böge, der den Familienbetrieb zusammen mit seinem Bruder Christian Böge in der fünften Generation leitet. Die Schließung der Hotellerie und Gastronomie sowie Einschränkungen in anderen Branchen haben bei dem Unternehmen zu einem Auftragseinbruch von mehr als 90 Prozent geführt.

Barcode zur Wiedererkennung

„Wir sind früh das Thema Mietmasken angegangen, um im Betrieb wieder ein bisschen zur Normalität zurückzukehren“, sagt Christian Böge. Das Unternehmen machte sich Gedanken über Gewebe, Bänder und Form, ließ von seinen Lieferanten mehrere Muster erstellen und wählte schließlich eine Variante aus. „Die Masken sind leicht, ohne Drahtbügel, es lässt sich gut dadurch atmen und sie sind für den Wiedereinsatz gemacht.“

60 000 dieser Behelfsmasken liefert das Unternehmen wöchentlich aus, holt sie wieder ein und wäscht sie. Die Mund-Nasen-Bedeckungen werden verschweißt angeliefert und von den Kunden in einem Netz zurückgegeben, in dem sie auch gewaschen werden. Das Netz ist mit einem Barcode ausgestattet ist. So erhält jeder Kunde die Masken zurück, die er benutzt hat.

Standards wie bei OP-Wäsche

„Auf dieses System sind wir sehr stolz“, sagt Textilreiniger Oliver Küchler. Der Prozess läuft nach Hygienevorgaben des Robert-Koch-Instituts ab. Die Masken werden als „infektionsverdächtige Wäsche“ behandelt. Heißt: Es gelten die gleichen Standards wie bei der Reinigung von OP-Wäsche. Für Küchler bedeutet das: höchste Sorgfalt beim Waschen. Mit Schutzbrille und Spezialhandschuhen legt er die Netze in die Industriewaschmaschine. Den Kittel streift er direkt danach ab und wäscht ihn mit. Direkter Kontakt mit den getragenen Masken ist ausgeschlossen.

Die Nachfrage nach dem waschbaren Mund-Nasen-Schutz kommt aus den verschiedensten Branchen: „Natürlich aus der Gastronomie, Hotellerie, aber auch aus Kirchen oder aus Arztpraxen, die den Schutz ihren Patienten anbieten“, zählt Sebastian Böge auf.

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Kein Platz mehr

Allein die Masken können die Waschanlagen noch nicht füllen. Bis zu 50 000 könnten in der Waschhalle täglich gereinigt werden. Es ist noch Luft nach oben. Die Lagerkapazitäten sind jedoch ausgeschöpft. Die Halle ist voll mit Frotteehandtüchern, Tisch- und Bettdecken. „Momentan könnten wir ganz Schleswig-Holstein mit Handtüchern beliefern“, sagt Küchler.

Im vergangenen Jahr feierte Wulff Textil-Service sein 150-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat das Unternehmen viele wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Krisen erlebt. Noch sind alle 190 Beschäftigten in Kurzarbeit, doch ein Ende ist in Sicht. „Wir freuen uns alle, wenn es weitergeht“, so die Geschäftsführer. Irgendwann auch gern wieder ohne Masken.

So pflegt man seine Maske zuhause

In der Waschmaschine ist eine Wäsche bei mindestens 60 Grad und mit Vollwaschmittel nötig. „Eine hohe Temperatur und die fettlösenden Substanzen im Waschmittel greifen die Oberfläche der Coronaviren an und machen sie auf diese Weise unschädlich“, erklärt Vivien Rehder von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Auch per Handwäsche können die Behelfsmasken bei entsprechend hoher Temperatur gereinigt werden. Eine schnelle und effektive Reinigung gelingt zudem mit dem Bügeleisen. „Dafür muss der Stoff auf der höchsten Stufe und von beiden Seiten gebügelt werden.“ Bei der Reinigung im Backofen sollten die Stoffteile etwa eine halbe Stunde lang bei knapp 70 bis 80 Grad im Ofen bleiben. Allerdings weist die Verbraucherzentrale auf die erhöhte Brandgefahr hin. Von einer Desinfektion in der Mikrowelle wird indes abgeraten, da nicht belegt ist, dass dies den Stoff vollständig desinfiziert.

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