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Schleswig-Holstein Über den Wolken
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17:01 22.09.2014
Der Blick aus dem Korb ist wunderschön Quelle: Sommer
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Preetz

Das Wetter ist gut, es ist warm, die Sonne scheint, nur wenige Wolken sind am Himmel. Die meisten meiner Freunde sind bestimmt am Strand, doch ich will heute hoch hinaus.

 Während ich den vereinbarten Treffpunkt ansteuere, kann ich schon einige Passagiere und den Piloten Thomas Oeding (49) erblicken, der schon seit 22 Jahren Ballonfahrer ist. Gemeinsam fahren wir zum Startpunkt der Fahrt, einem Feld. Dort angekommen helfen wir, den Ballon aufzuhalten, damit mit einem Aufrüstgebläse, das sehr laut ist und wie ein riesiger Ventilator aussieht, Luft in den Ballon strömen kann. Erst danach wird der Gasbrenner entfacht, der dem Ballon seine endgültige Größe gibt, die schon fast Angst einflößend ist. Später wird der Brenner auch für den Auftrieb sorgen.

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 Erst dann können die Gäste in den Korb steigen, sie müssen aber dem Piloten Vortritt lassen. Denn er muss während des Einsteigens der Passagiere den Ballon kontrollieren können. Wir starten langsam und steigen in eine Höhe von über 1800 Metern. Merkwürdigerweise verspüre ich trotz der gewaltigen Höhe keine Angst. Obwohl die Temperatur fast um 10 Grad gefallen ist, kann man nicht von Kälte sprechen, weil der Gasbrenner viel Wärme ausstrahlt. Außer dem Rauschen des Brenners und den Stimmen der Mitreisenden, kann man keine Geräusche wahrnehmen. Die Aussicht ist atemberaubend. Es ist möglich, über 30 Kilometer weit zu blicken. Aus dieser Perspektive kann man nicht zwischen Hügel und Tal unterscheiden.

 Unser Pilot erklärt mir, warum es so schwierig ist, einen Platz als Passagier zu ergattern. Ein Grund dafür sei das jährlich schlechter werdende Wetter. Ein anderer, dass man in der regulären Ballonsaison von Mai bis Oktober nur bis zu zwei Stunden nach Sonnenaufgang beziehungsweise frühestens zwei Stunden vor Sonnenuntergang fahren sollte, da die Winde sonst zu böig sind. Wenn das Wetter mitspielen würde, hätte er die Möglichkeit über 300 Mal mit dem Ballon zu starten, doch die Realität sieht anders aus. Ungefähr 50 Mal im Jahr kann er aufgrund des Wetters abheben. Im Winter sehen die Aussichten im Bezug auf die Unberechenbarkeit des Wetters schon ganz anders aus. Doch zu dieser Zeit wollen nur wenige eine Fahrt machen, so lohnt es sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht den Ballon steigen zu lassen. Außerhalb der Saison hat Thomas Oeding aber trotzdem alle Hände voll zu tun. Die Planung von der Balloon Sail, die schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Kieler Woche ist, sowie das Organisieren von Fahrten der nächsten Saison gehören in dieser Zeit zu seiner Tagesordnung.

 Wir nähern uns unserem Zielort, der bei Preetz liegt, den wir nach zwei Stunden Fahrt langsam aber sicher erreichen sollten. Für die Landung, welche im Normalfall auf einem Feld erfolgt, benötigt man keine Genehmigung. Denn es ist unmöglich, exakt zu berechnen, wo die Landung stattfinden wird. Doch eine Sache ist nur im Notfall erlaubt: Auf Feldern zu landen, die gerade bepflanzt sind. Von oben sehen die Felder wie ein winziger Teil eines Schachbrettes aus. Die Landung erfolgt um einiges schneller als der Start. Beim Sinken des Heißluftballons entsteht ein wenig Druck auf meinen Ohren. Als ich den Ballon verlasse, realisiere ich, dass ich vor wenigen Minuten noch mehrere hundert Meter in der Luft gewesen bin, doch währenddessen hat es sich nicht so angefühlt, als hätte ich nur für eine Sekunde den Erdboden verlassen.

 Nachdem wir den Ballon wieder mit vereinten Kräften verstaut haben, folgt nun die Ballonfahrertaufe. Diese gehört zu jeder Ballonfahrt aus traditionellen Gründen dazu. Da nur dem Adel vorbehalten ist, mit einem Ballon zu fahren, müssen nun alle Passagiere, die zum ersten Mal in einem Ballon mitgefahren sind, getauft und in den „Stand des Adels“ erhoben werden. Außerdem müssen wir einen Eid darauf leisten, nie wieder vom Ballonfliegen, sondern Ballonfahren zu sprechen.

 Nachdem alle den Eid abgelegt haben, bekommen wir eine Urkunde. Auf dieser ist der neue Name mit unseren Adelstiteln aufgeführt. Frisch getauft, geht es mit dem Auto wieder zum Ort zurück, wo unsere Reise den Anfang gefunden hat.