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Schleswig-Holstein Jugendliche im Sog des Internets
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14:51 31.10.2014
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Oft verbringen Jungendliche zu viel Zeit vor dem PC. Quelle: Jannik Stützer
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Kiel

„Ja, gleich Mama“, ruft Lukas zurück und spielt trotzdem weiter im Internet – irgendein Spiel schon den ganzen Vormittag. „Ich kann jetzt nicht aufhören, sonst komm ich nicht ins nächste Level.“

Eine Situation, die sicherlich viele Eltern kennen und sich die Frage stellen, ob es gut war, dem Kind einen Computer zu kaufen. „Natürlich ist der PC in erster Linie für den Schulgebrauch gedacht“, so Frau Schulze, „aber Lukas übertreibt mal wieder. Manchmal wird er richtig aggressiv, dann muss ich ihm mit Internetverbot drohen.“

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„Dabei bringt es nichts, die Medien einfach zu verbieten, ohne die Freizeit anders zu füllen“, sagt Professor Norbert Neus, Erziehungswissenschaftler. Neus leitet den Studiengang „Bildung und Förderung in der Kindheit“ der Universität Gießen. Er empfiehlt Eltern, mit ihren Kindern feste Zeiten zu vereinbaren, in denen Medien wie Fernsehen, Computer und Internet genutzt werden können. „Am besten sind solche Regeln, wenn sie gemeinsam ausgehandelt werden“, sagt der Pädagoge.

Zu Hause schreit Lukas seine Mutter an: „Du bist ungerecht. Alle dürfen spielen, nur ich nicht!“ Damit meint er seine Freunde Tim, Leon und Ole, die natürlich regelmäßig auch stundenlang das Internet benutzen dürfen.

Viele Eltern wissen gar nicht, wie gesundheitsschädlich es sei, über mehrere Stunden am Bildschirm zu sitzen, warnen Experten. Rote Augen und Reizungen sind bei längerfristiger Bildschirmnutzung nicht selten. Denn Menschen stieren zu sehr in monotoner, anstrengender Haltung auf ihre Monitore – und genau das ist ungesund. „Ich brauch halt den Nervenkitzel, und dann ist schon mal der Vormittag vergangen!“, sagt Lukas.

„Immer mehr Jugendliche verbringen so viele Stunden vor dem Rechner, dass sie sich nach und nach immer weiter aus der realen Welt zurückziehen“, sagt Ralf Thalemann, Kinder- und Jugendpsychotherapeut am sozialpädiatrischen Zentrum der Charité in Berlin. „Die Betroffenen können sich immer schwerer von ihrem Spiel trennen. Man hat es in der Tat mit einer Abhängigkeit zu tun.“ Im Prinzip bezeichnet man solche Kinder, wie Lukas schon als computersüchtig, die regelmäßig zwanghaft ihre Zeit vor dem PC verbringen – sei es um Computerspiele zu spielen, zu chatten oder sonst wie im Internet „unterwegs“ zu sein.

Der Computer und das Internet gehören heute zweifelsohne in die Zeit und sind nicht mehr wegzudenken. Bei Suchtverhalten bis hin zur Schulverweigerung wäre es aber ratsam, Selbsthilfegruppen für Kinder und auch für die Eltern aufzusuchen.

*Namen vom Autor verändert

Von Jannik Stützer, Klasse 8b, Gemeinschaftsschule Neumünster-Brachenfeld