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Schleswig-Holstein Ein Kieler kämpft für die Grindwale
Nachrichten Schleswig-Holstein Ein Kieler kämpft für die Grindwale
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10:00 06.11.2014
Foto: Die Organisation Sea Shepherd setzt sich für Wale ein.
 Die Organisation Sea Shepherd setzt sich für Wale ein. Quelle: Zisch/hfr
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Kiel

Sea Shepherd ist keine reine Protestorganisation, sondern greift aktiv in Ereignisse ein und rammt beispielsweise Walfangschiffe. Dabei wurde laut Sea Shepherd jedoch noch nie jemand verletzt. Deswegen bezeichnen sie ihr Eingreifen als „aggressive Gewaltlosigkeit“.

 In Deutschland gibt es Sea Shepherd seit 2010 als eingetragenen Verein mit Büros in Hamburg und Bremen. Auch auf mehreren öffentlichen Veranstaltungen sind sie vertreten – sie haben beispielsweise jedes Jahr auf der Kieler Woche einen Stand, an dem man sich informieren kann. Die eigentliche Arbeit von Sea Shepherd besteht allerdings aus verschiedenen internationalen Kampagnen.

 In der Kampagne „Grindstop“ auf den Färöer Inseln, die zwischen Dänemark und Island liegen, geht es darum, den sogenannten „Grind“ zu stoppen. Dabei werden ganze Herden von Grindwalen (auch bekannt als Pilotwale) mit Hilfe von Schiffen an den Strand getrieben und dort von den Färingern, den Bewohnern der Färöer Inseln, getötet. Das Wasser der Bucht färbt sich dabei blutrot. In diesem Sommer war Sea Shepherd drei Monate vor Ort. Oliver Rasche aus Kiel war mit dabei: „Wir sind in Zweierteams auf der Insel zu Aussichtspunkten gefahren und haben von dort den Hafen und das Meer beobachtet“, so der 44-Jährige. „Wenn wir dann eine Grindwalfamilie gesehen haben oder die Einwohner zum Hafen gegangen sind, weil der sogenannte ,Grind’ ausgerufen wurde, gaben wir das sofort an unsere Schiffe weiter, damit diese versuchen konnten, direkt in das Geschehen einzugreifen.“

 Die Argumentation der Färinger, dass das Abschlachten der Grindwale Tradition oder gar notwendig zum Überleben sei, ist fragwürdig. Der Anteil an Walfleisch in ihrer Ernährung liegt bei höchstens 10 Prozent. Dabei ist dieses Fleisch noch nicht einmal gesund, weil sich unter anderem viele Giftstoffe wie Quecksilber im Tier ansammeln, was schädlich für den Menschen ist. Das allerdings glauben viele Färinger nicht.

 Das Töten der Wale ist Tierquälerei, da die Wale erst nach vier Minuten sterben. Zudem nehmen die Färinger keine Rücksicht auf Jungtiere, alte oder schwangere Tiere. Die Grindwale versuchen nicht zu fliehen, ganz im Gegenteil, sie versuchen ihre Artgenossen zu schützen. Dadurch sterben fast immer alle Tiere, die in die Bucht getrieben worden sind. Aber es gibt natürlich auch einige Färinger, die gegen das Töten von Grindwalen sind. Einige schlossen sich sogar der Sea Shepherd-Crew an.

 Einen Tag nachdem Oliver Rasche Ende August die Färöer Inseln verlassen hatte, kam es erneut zu einem „Grind“-Zwischenfall, bei dem die Sea Sheppard-Mitglieder wieder aktiv wurden. Bei dieser Aktion wurden 33 Wale getötet und die Aktivisten selbst kamen für einige Tage ins Gefängnis. Doch es waren die einzigen Pilotwale, die in diesem Jahr starben. Das ist ein großer Erfolg, da im letzten Jahr über 1000 Tiere ums Leben kamen.

 Von Henri Brügmann, Klasse7a, Humboldt-Schule Kiel