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Schleswig-Holstein „Mit acht wollte ich Mönch werden“
Nachrichten Schleswig-Holstein „Mit acht wollte ich Mönch werden“
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09:07 06.11.2014
Foto: Interview mit Ulf Kämpfer für Zisch.
Interview mit Ulf Kämpfer für Zisch. Quelle: Zisch
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Kiel

Herr Kämpfer, sind Sie hier in Kiel zur Schule gegangen?

Nein, ich bin in Plön zur Schule gegangen, aber eigentlich komme ich aus einem ganz kleinen Dorf namens Niederkleevez.

Wussten Sie bereits mit zwölf Jahren, dass sie später einmal in die Politik gehen?

Nein, ich glaube nicht. Mit acht Jahren wollte ich unbedingt Mönch werden. Mit 12 war ich zwar schon politisch interessiert, doch so richtig kam das erst im Alter von 14 Jahren. Damals bin ich in eine politische Jugendorganisation eingetreten, und mein Vater war stellvertretender Bürgermeister bei uns in der Gemeinde. Aber rückblickend mache ich es auch an dem Film über den indischen Politiker Mahatma Ghandi fest, welcher 1982 in die Kinos gekommen ist. Der Typ hat mich total beeindruckt. Da hat es mich auch gar nicht gestört, dass ich zum allerersten Mal ohne Freunde und Familie im Kino war. Es hat mich halt interessiert wie Leute versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Und genau das versuche ich jetzt in Kiel.

Was haben sie beruflich vor ihrem Job als Oberbürgermeister gemacht?

Ich bin von Beruf Jurist, war in verschiedenen Ministerien tätig und bin dann Richter geworden. Danach arbeitete ich als Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt. Eigentlich wollte ich da auch noch ein paar Jahre bleiben, denn es hat mir irre Spaß gemacht! Doch dann bin ich Oberbürgermeister geworden – was ich nicht gedacht hätte – und damit hatte sich das erst einmal erledigt.

Wünschen Sie sich manchmal zurück zu Ihrem Beruf als Staatssekretär?

Noch nicht. Aber ich vermute, dass es später so kleine Momente geben wird, wo ich mir denke: ,Ach, wärst du doch Staatssekretär geblieben, dann wäre alles einfacher und bequemer’. Bisher gab es solche Zeiten aber noch nicht.

Wie kam es dazu, dass Sie als Oberbürgermeister kandidiert haben?

Ich bin gefragt worden. Als Frau Gaschke zurückgetreten war, hatten die Parteien eine Kommission gebildet und eine Liste erstellt. Auf der stand halt auch mein Name, und am Ende blieb ich als Einziger übrig.

Gibt es auch Nachteile an Ihrem Beruf?

Ich habe leider kaum noch Zeit, mich mit Freunden zu treffen, und ich werde häufig für Sachen beschimpft, für die ich überhaupt nichts kann.

Was halten Sie davon, dass Sie später einmal als Ölgemälde im Kieler Rathaus hängen werden?

Das finde ich eigentlich ganz gut. Denn es ist schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass ich als kleiner Ulf Kämpfer da auch irgendwann mal hängen werde. Das ist doch eine einmalige Sache.

Entscheiden Sie, wie das Kieler Woche-Plakat aussieht?

Nein. Das macht eine Jury aus Künstlern, Professoren und ein paar Politikern. Viele sagen zu dem neuen Kieler Woche-Plakat zwar, dass dort ein Schiff fehlt – aber ich finde ein Jahr ohne Segelboot, das halten wir alle aus.

Nutzen sie soziale Netzwerke wie Facebook, Whatsapp oder Twitter?

Also Twitter und Whatsapp nutze ich nicht. Auf Facebook habe ich allerdings sogar zwei Seiten – eine von mir privat und eine Kandidatenseite als Politiker.

Wenn Sie ein Buch schreiben würden, wie würde es heißen?

Unverhofft kommt oft – vielleicht. Weil in meinem Leben schon so viele Dinge passiert sind, von denen ich nicht geahnt habe, dass sie passieren werden. Wie zum Beispiel das Oberbürgermeisteramt.

Wenn Sie einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie für Kiel tun?

Eine erste Antwort, die wahrscheinlich eher langweilig ist, wäre Geld: Ich hätte für Kiel gerne so viel Geld, dass wir uns alles besorgen könnten, was wir brauchen. Ein anderer ganz großer Wunsch wäre es, Kieler Kindern zu helfen, denen es schlecht geht. Die beispielsweise nicht in der Schule mitkommen, weil die Eltern sich keinen Nachhilfelehrer leisten können – und so weiter. Wenn man so richtig was dafür tun könnte, dass alle Kinder in der Landeshauptstadt gut aufwachsen, das fände ich toll.

Interview: Ella Schmitt-Hollenberg und Jette Borowski, Klasse 7a, Humboldt-Schule Kiel