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10:30 23.09.2014
Von Niklas Wieczorek
1800 Meter über der Erde: Der Heißluftballon schwebt bei blauem Himmel bis nach Preetz. Quelle: Sommer
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Kiel

„Kann man auch mit Höhenangst eine Ballonfahrt machen?“, fragte Iven Sommer in seinem Artikel, den er für das Zisch-Projekt 2013 bei den Kieler Nachrichten einreichte. Ja, man kann. Und Ivens Text schoss in ungeahnte Höhen. Kurz nachdem der Bericht von seinem Luftfahrt-Abenteuer in der Zeitung erschienen war, erhielt Iven unerwartet Post. „Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen soll“, erinnert er sich stolz.

 http://www.kn-online.de/Schleswig-Holstein/Schule-Studium/Zisch/ZISCH-2014/Zisch-2013-Ueber-den-Wolken

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 Den Brief hatte der pensionierte Studiendirektor, Gert Wilhelm Trube, geschrieben. Der ist zwar kein Ballonfan: „Ich habe nie an einer Ballonfahrt teilgenommen“, sagt er, „aber ich bin immer gerne als Zuschauer dabei.“ Und Trube kam durch den Artikel des Neuntklässlers der Friedrich-Junge-Schule auf eine Idee: Er erinnerte sich an einen Text, den er vor 18 Jahren im Schleswig-Holsteinischen Landesarchiv in Schleswig gelesen hatte.

 Der erste Ballon des Erfinders Montgolfier (ein simpler, natürlicher Mann, der nichts von der Eigenliebe hat, die er Gefahr laufen könnte, durch die übertriebene Lobeserhebung, die man ihm gibt, zu bekommen) glückte nicht. Er erhob sich zwar erst sehr schnell und sicher, aber bald darauf neigte er sich zur Seite, und das Feuer, welches in einem Behältnis unter dem Ballon befestigt ist, um die Luft, welche in demselben ist, zu verdünnen und leichter zu machen als die natürliche, in der er sich erhebt, ergriff den papiernen Ball und senkte ihn in einem Augenblick auf die Erde.“

 Der Studiendirektor hatte die Abschrift eines Tagebuchs des Grafen Friedrich (Fritz) Reventlow in den Händen, das der Adelige 1783 von einer Reise ins französische Lyon in Auszügen in die Heimat schickte. Reventlow wohnte auf Gut Emkendorf zwischen Rendsburg und Kiel, damals Teil Dänemarks, und arbeitete als Botschafter am Königshof Schwedens. Weil er eine sehr reiche Frau geheiratet hatte, konnte sich Reventlow viele Auslandsreisen leisten.

 Auf einer der Reisen hatte Reventlow offenbar einen der Brüder Montgolfier getroffen. Gert Wilhelm Trube war begeistert. Denn die Montgolfiers waren geradezu Stars ihres Jahrhunderts. Schließlich gelten sie bis heute als die Erfinder der Heißluftballonfahrt. Trube schrieb einen Artikel zu seinem Fund als Gedankenstütze. Durch Zisch und den Artikel des Neuntklässlers Iven Sommer wurde er wieder daran erinnert.

 Trube schrieb einen Brief an Iven und ermunterte ihn, sich die Erlebnisse von Reventlow noch einmal genauer anzuschauen. Bis zum heutigen Tag entstand aus dieser Anregung zwar kein weiterer Artikel, doch Iven und Trube tauschten Briefe aus und zeigten damit: Zisch ist ein großartiges Projekt, um jungen Schreibern wie Iven Sommer die Möglichkeit zu geben, ihre Lieblingsthemen einmal in die Zeitung zu bringen.

 „In der Zisch-Ausgabe der Kieler Nachrichten vom 4. Dezember habe ich Deinen Artikel ,Über den Wolken‘ gefunden und mit Interesse und Respekt vor Deiner journalistischen Leistung gelesen. Vielleicht hast Du Lust, in einem weiteren Artikel in Zisch einen Bericht des schleswig-holsteinischen Adeligen Friedrich Reventlow über seine Erlebnisse mit Ballons in Lyon auf seiner Romreise 1783/84 zu verarbeiten?“

 „Ich finde es sehr toll, dass Iven geantwortet hat“, meint Gert Wilhelm Trube begeistert – Ähnliches berichtet Iven: „Meine Lehrerin war auch sehr stolz.“ Über das Projekt Zisch und die Erfahrung als Nachwuchs-Journalist urteilt er daher nur positiv: „Ich fand es toll, dass Schüler auch mal die Möglichkeit haben, andere Seiten von sich kennenzulernen.“

 Und sein Beispiel beweist noch viel mehr: Zisch funktioniert wie Zeitung im Kleinen! Der Austausch zwischen Leser und Redakteur ist für Journalisten alltäglich und macht den Beruf für uns zum Schönsten der Welt. Es lohnt sich für jeden, das auszuprobieren, selbst wenn er bisher noch keinen großen Spaß am Schreiben hat: „Eigentlich wollte ich immer Architekt werden, aber das ändert sich ständig“, sagt auch Iven jetzt. Und in die Zeitung schaut er nach dem Projekt immer öfter.

 Das machen auch die teilnehmenden Zisch-Klassen regelmäßig jeden Morgen. Also findet es doch selbst raus, liebe Schüler! Indem auch ihr ein Thema auswählt, das euch begeistert, und einen Artikel mit passenden Fotos dazu einsendet. Wenn der veröffentlicht wird, erhaltet auch ihr vielleicht Post von einem faszinierten Zisch-Leser. Denn davon gibt es eine ganze Menge.