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Schleswig-Holstein Streit zwischen Land und Gewerkschaften
Nachrichten Schleswig-Holstein Streit zwischen Land und Gewerkschaften
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09:00 24.01.2019
Von Bastian Modrow
Kontroverse um die Polizeischule Eutin: Die Polizeigewerkschaften beklagen eine hohe Arbeitsbelastung der Ausbilder. Es gebe massiven Unterrichtsausfall. Das Ministerium widerspricht. Quelle: Dirk Schneider
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Kiel/Eutin.

Im Fokus des Konflikts stehen die Qualität der Ausbildung und die Arbeitsbelastung der Fachlehrer. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hatte beklagt, dass an der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung (PDAFB) in Eutin zu viel Unterricht ausfalle. Es mangele an Lehrkräften. Der Grund dafür sei, dass zwar die Zahl der Polizeianwärter erhöht wurde, aber nicht die der Ausbilder.

Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) parierte prompt: So seien 21 zusätzliche Ausbilder eingestellt worden. Auch der Aussage der DPolG, dass bis zu 30 Prozent der Unterrichtsstunden ausfielen, widersprach Grote. Bei den beiden aktuellen Ausbildungsgruppen seien bislang 95 Prozent der Planstunden erteilt worden. Laut Ministerium stünden den 488 Auszubildenden 157 Lehrkräfte gegenüber.

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DPolG: "Unpräzise und irreführend"

Aussagen, die die DPolG nicht hinnehmen will. Landes-Vize Thomas Nommensen wirft dem Ministerium vor, mit „unpräzisen und irreführenden Zahlen“ zu argumentieren. „Die 157 Lehrkräfte sind nicht nur für die 488 Auszubildenden des ersten Jahres zuständig, sondern insgesamt für mehr als doppelt so viele“, rechnet der Gewerkschafter vor. Die 21 zusätzlichen Ausbilder-Stellen seien bereits seit 2016 geschaffen worden und würden weit hinter dem tatsächlichen und selbst von der damaligen PDAFB-Führung errechneten Bedarf zurückbleiben. Es komme zu „Überforderungen und Erkrankungen.“ Die DPolG fordert, eine externe Analyse der Arbeitsbelastung und der personellen Erfordernisse in Auftrag zu geben.

Die Probleme, die die Gewerkschaft aufgezeigt habe, seien von Ausbildern geschildert worden, die sich der DPolG anvertraut hätten. Die Gewerkschaft nehme zur Kenntnis, „dass das Innenministerium auch unter Minister Grote Kritik allenfalls in homöopathischen Dosen verträgt, ansonsten aber in altbewährte Reaktionsmuster verfällt.“ Auf Seiten der Mitarbeiterschaft in der PDAFB verursache das Bestreiten offenkundiger Mängel durch das Ministerium und Landespolizeiamt hingegen große Frustration, so Nommensen.

GdP beklagt ebenfalls Unterrichtsausfälle

Rückendeckung erhält die DPolG von der konkurrierenden Gewerkschaft der Polizei (GdP): Häufig müsse Ausbildungspersonal bei sogenannten geschlossenen Einsätzen aushelfen. Das hat laut Thomas Mertin, Regionalgruppen-Chef in der PDAFB, weitreichende Folgen: „Wer in den Einsatz fährt, fehlt zwei Tage im Unterricht, obwohl diese Kollegen dringend im Fort- und Ausbildungsbetrieb gebraucht werden.“ Hinzu komme, dass gerade in der Eutiner Polizeischule zurzeit eine Reihe von Dienstposten unbesetzt sei – und das teilweise bereits seit Monaten. „Das verschärft die Situation noch dramatisch, in der Folge kommt es zu  Unterrichtsausfällen“, sagt Mertin. An der Ausbildung dürfe nicht gespart werden. Die GdP kritisiert überdies, dass aufgrund der hohen Ausbildungserfordernisse die Fortbildung von Beamten innerhalb der Landespolizei auf ein Minimum reduziert worden sei. „Organisationsänderungen in der PDAFB allein helfen nicht“, urteilt Mertin.

KN-online (Kieler Nachrichten) 24.01.2019
Christian Hiersemenzel 23.01.2019