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Schleswig-Holstein Immer wieder Unfälle auf Bahnübergängen
Nachrichten Schleswig-Holstein Immer wieder Unfälle auf Bahnübergängen
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06:41 09.05.2019
Von Jördis Merle Früchtenicht
An einem Bahnübergang in Alt Duvenstedt bei Rendsburg sind am frühen Mittwochmorgen ein Lkw und ein Zug zusammengestoßen. Solche Unfälle gibt es immer wieder. Quelle: Hans-Jürgen Jensen
Alt Duvenstedt/ Kiel

Nach Polizeiangaben wurden bei dem Unfall zwölf Menschen verletzt, zwei davon schwer. Die Bahnstrecke wird voraussichtlich erst kommende Woche wieder freigegeben.

Meist liegt der Fehler bei den Straßenverkehrsteilnehmern

Über 95 Prozent aller Unfälle seien auf Fehler von Straßenverkehrsteilnehmern zurückzuführen, heißt es von Seiten der Deutschen Bahn. Das zeigen auch die Zahlen des Unternehmens für das Jahr 2016: Von bundesweit 144 Unfällen wurde bei fünf ein Prozessfehler bei der Bahnübergangssicherung als Ursache ausgemacht, in den anderen Fällen lag der Fehler bei den Straßenverkehrsteilnehmern.

Zahl der Unfälle in den vergangenen Jahren gesunken

Die Anzahl der Unfälle ist wie die Zahl der Bahnübergängen im Laufe der Jahre gesunken: 2002 gab es bundesweit 24.044 Übergängen, es kam zu 294 Unfällen. Seit 2012 liegt die Zahl der Unfälle pro Jahr bei unter 200. 2017 gab es bundesweit 16.541 Bahnübergänge, 879 davon in Schleswig-Holstein.

Verkehrsminister von Sicherheit der Bahnübergänge überzeugt

„Ich bin von der Sicherheit von Bahnübergängen insgesamt überzeugt“, so Verkehrsminister Bernd Buchholz. Eine kontinuierliche Aufklärung von Verkehrsteilnehmern über das richtige Verhalten sei wichtig, ergänzt sein Sprecher Harald Haase. „Gerade bei ungesicherten Bahnübergängen reagieren viele Verkehrsteilnehmer unsicher. Hier müssen wir stetig in der Verkehrssicherheitsarbeit und in den Ausbildungen in Fahrschulen das Kreuzen von Schienenwegen üben.“

Glücklicherweise würden Unfälle an Übergängen selten passieren. „Wenn sie aber passieren, sind die Folgen für die Beteiligten hoch“, so Haase.

59 Prozent der Bahnübergänge haben eine sogenannte technische Sicherung

Der Bahnübergang in Alt Duvenstedt ist mit Halbschranken gesichert und hat damit wie rund 59 Prozent der Bahnübergänge in Schleswig-Holstein eine sogenannte technische Sicherung. Bei dieser Sicherungsart kann es sich neben Schranken auch um Blinklichter, Lichtzeichen oder Kombinationen aus den genannten Sicherungen handeln. An rund 41 Prozent der Übergänge gibt es nicht technische Sicherungen, darunter fallen etwa Barken und Andreaskreuze. 

Radarüberwachung warnt bei Autos auf den Schienen

„An Bahnübergängen, an denen es einen Vollabschluss gibt, Autos also keine Möglichkeit haben, bei geschlossenen Schranken wegzufahren, gibt es eine Radarüberwachung“, so die Bahnsprecherin. Befinde sich etwas auf den Schienen, werde der zuständige Fahrdienstleiter gewarnt.

„Bei anderen Schranken gibt es Ein- und Ausschaltkontakte“, erläutert die Bahnsprecherin. Hier gebe es ein Signal, ob sich die Schranken geschlossen haben. Wie ein Bahnübergang gesichert ist, hängt unter anderem von der Zuggeschwindigkeit und der Verkehrsstärke auf der kreuzenden Straße ab.

Züge fahren an Bahnübergängen bis zu 160 km/h

Auf der Strecke in Alt Duvenstedt dürfen maximal 130 Kilometer pro Stunde gefahren werden. „Wie schnell der Zug tatsächlich war, können nur die ermittelnden Behörden sagen“, so die Bahnsprecherin. Generell dürften Züge an Bahnübergängen nicht über 160 Kilometer pro Stunde fahren. „An jedem Bahnübergang langsamer zu fahren macht keinen Sinn. Dann kann man den Fahrplan nicht mehr einhalten.“

Pro Bahn sieht Verantwortung beim Straßenverkehr

Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, sieht die Verantwortung vor allem bei den Teilnehmern im Straßenverkehr: „Es muss drastischere Strafen geben, wenn jemand bei Rot über die Schienen geht oder fährt. Das passiert häufig, es kommt nur nicht immer zu einem Unfall.“ Da die Unfallursache in den meisten Fällen Fehler der Straßenverkehrsteilnehmer seien, müsse eine mögliche zusätzliche Sicherung von Bahnübergängen etwa mit Radarüberwachung über Mittel für den Straßenbau bezahlt werden, fordert Naumann.

Dieser Vorschlag überzeugt im Verkehrsministerium nicht. „Im Eisenbahnkreuzungsgesetz ist die Kostenverteilung ausführlich und klar geregelt“, so Sprecher Harald Haase. „Wir sehen keinen Regelungsbedarf über das Bestehende hinaus.“

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