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Schleswig-Holstein Neue Ärzte braucht das Land
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21:41 24.09.2019
Von Christian Hiersemenzel
Langes, teures Studium: Wer Arzt werden will, studiert durchschnittlich sechseinhalb Jahre. Die Ausbildung zum Facharzt dauert mindestens weitere fünf Jahre. Quelle: Julian Stratenschulte
Kiel

Am Mittwoch steht das Thema im Landtag auf der Tagesordnung. 2017 gab es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung in Schleswig-Holstein knapp 2000 Hausärzte. 32,6 Prozent von ihnen waren 60 Jahre und älter – so dass in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich 650 niedergelassene Mediziner aufhören könnten. Insbesondere im ländlichen Raum hätten aber viele Praxen Probleme, einen Nachfolger zu finden, heißt es im gemeinsamen Antrag von CDU, Grünen und FDP. Engpässe gebe es auch in Krankenhäusern. Außerdem komme erschwerend hinzu, dass „ein nicht unerheblicher Teil“ der Studienabsolventen in andere Bundesländer gehe oder sich für eine Karriere in Wissenschaft und Forschung entscheide. Die Erhöhung der Studienplätze sei deshalb ein wichtiger Baustein zur medizinischen Grundversorgung.

Hausärzte haben hohe Priorität

Eine AOK-Studie kam erst kürzlich zum Ergebnis, dass der Hausarzt in der Nähe zum Wohnort den Schleswig-Holsteinern noch wichtiger ist als Einkaufsmöglichkeiten, digitale Infrastruktur und Schulen. Der CDU-Abgeordnete Hans Hinrich Neve kann das auch persönlich gut nachvollziehen. „Wir müssen dringend aus dem Quark kommen“, forderte er gestern. 48000 Ärzte in Deutschland stammten aus dem Ausland. Nicht nur, dass deren Expertise in ihren Heimatländern fehle. „Wir haben auch für uns selbst eine Verantwortung und müssen stärker ausbilden.“

Grünen hoffen auf Unterstützung aus dem Osten

Die Grünen spekulieren im Bundesrat bereits auf eine Unterstützung der Ost-Bundesländer, wo die ärztliche Versorgung in manchen Landstrichen ähnlich prekär ist. Das reine Studium dauere etwa sechseinhalb Jahre, eine Facharztausbildung weitere fünf. „Wollen wir in zehn Jahren mehr Fachärzte haben, dann müssen wir jetzt mehr ausbilden“, sagte Marret Bohn, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen und selbst Internistin. Bezahlen müsse das aber der Bund. „Die Bundesregierung spielt mit dem Feuer, dieses wichtige Thema auf die Länder abzuschieben.“

Das Medizinstudium kostet den Staat viel Geld

Ein Medizinstudium kostet den Steuerzahler viel Geld. Pro Jahr und Student rechnen Experten mit 30000 Euro. Bundesweit werden Bewerbern derzeit etwa 9600 Plätze angeboten, in Schleswig-Holstein sind es 405: 210 an der Kieler Christian-Albrechts-Uni, 195 an der Lübecker Universität.

Die FDP-Fraktion spricht von einem wichtigen Baustein, um die medizinische Versorgung in der Fläche auch in Zukunft zu gewährleisten. Nach dem Königsteiner Schlüssel würden von 1000 zusätzlichen Plätzen in Schleswig-Holstein 34 entstehen. „Ich gehe davon aus, dass es bei uns mehr sein werden“, sagte Fraktionschef Christopher Vogt. Wichtig sei darüber hinaus, das Berufsbild des Allgemeinmediziners zu stärken. „Hinsichtlich der Anerkennung, aber auch der langen Arbeitszeiten ist der Beruf des Hausarztes bei jungen Leuten einfach nicht mehr en vogue.“

Schleswig-Holsteins öffentliche Schulen können ab sofort Geld aus dem Digitalpakt der Bundesregierung beantragen. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) informierte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung, dass man im Norden insgesamt mehr als 140 Millionen Euro ausschütten werde. Wie die Kreise und Städte profitieren - eine Übersicht.

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