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Schleswig-Holstein Neue Bäume braucht das Land
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10:15 03.08.2019
Von Christin Jahns
Forstexperte Christian Schadendorf zeigt, wie die Bäume in Schleswig-Holstein unter Hitze und Trockenheit leiden. Quelle: Ulf Dahl
Bad Bramdstedt

Alles scheint schön grün zu blühen: Wenn man an der Autobahnabfahrt Bad Bramstedt einen Blick auf die Bäume am Straßenrand wirft, sieht erst einmal alles in Ordnung aus. Doch schon ein paar hundert Meter weiter, am Pendlerparkplatz an der B206, wandelt sich das Bild: In einer Reihe von Tannen stehen neben einer braunen, gerippehaft wirkenden Fichte zwei vertrocknete Lerchen.

Bäume sind durch die Trockenheit geschwächt

Die leiden extrem unter der Trockenheit“, erklärt Christian Schadendorf, Leiter der Forstabteilung bei der Landwirtschaftskammer. Bei der Fichte kommt noch ein weiteres Problem hinzu: „Die Harzbeulen und die dunklen Stellen an der Rinde zeigen, dass sich hier der Borkenkäfer eingebohrt hat“, sagt Schadendorf. „Ein gesunder Baum würde einfach so viel Harz produzieren, dass die Käfer darin ersaufen. Nach der Hitze und Trockenheit der vergangenen zwei Jahre hat ein Großteil der Fichten dafür aber nicht mehr die Kraft.“

Buchen, Eichen und dazwischen immer wieder ein paar traurig aussehende Fichten. Auf dem Weg ins Innere des rund 200 Hektar großen Gebiets bekommt man einen Eindruck von den Problemen des schleswig-holsteinischen Waldes. Während es nördlich des Nord-Ostsee-Kanals aufgrund der niedrigeren Temperaturen kaum Schäden gibt, ist die Lage in den südlichen Landesteilen und auf der Geest umso dramatischer. Höhere Temperaturen und sandige Böden sorgen dafür, dass die Bäume hier extrem unter Stress stehen.

Schädlingen möglichst wenig Nahrung bieten

Große Flächen voller vertrockneter Bäume sieht man in Bad Bramstedt trotzdem nicht. „Wir achten darauf, die toten Bäume möglichst schnell zu entfernen und sofort zu mulchen, damit sich die Schädlinge nicht weiter ausbreiten“, erklärt der Forstexperte, während er auf eine gesund aussehende Fichte mit grünen Nadeln zusteuert. „Hier ist überall Bohrmehl ausgetreten“, erklärt Schadendorf und streicht mit den Fingern am Fuße des Baumstamms entlang. „Das sind Zombie-Bäume, lebende Tote. Sie sehen noch grün aus, aber sind tot und müssen weg.“

Während die Wälder unter Hitze und Trockenheit leiden und mit dem rasant voranschreitenden Klimawandel nicht mithalten können, kommt dieser Borkenkäfer und anderen Schädlingen sogar entgegen. „Wir hatten in Schleswig-Holstein erstmals vier Borkenkäfergenerationen in einem Jahr“, erzählt Schadendorf, der zuvor mehrere Jahre ein Waldgebiet in Kanada bewirtschaftet hat.

Wald muss an klimatische Bedingungen angepasst werden

Um die Entwicklung der Borkenkäfer zu überwachen, sind an mehreren Stellen im Wald Fallen aufgestellt, die die kleinen Käfer mit Hilfe von Sexualduftstoffen anlocken. „Aufhalten kann man sie damit nicht“, erklärt der 59-Jährige, während er eine kleine dunkle Plastikbox herauszieht, in der sich dunkelbraune Käfer in zwei verschiedenen Größen tummeln. „Mit den Fallen können wir nur kontrollieren, wie viele Käfer unterwegs sind.“

Um den Wald besser an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen, wurde in Bad Bramstedt schon vor einigen Jahren wärmeresistenter Baumhasel aus der Türkei angepflanzt. Auf der anderen Seite des Weges wachsen neben Fichten, Douglasien, Buchen und Eichen. „Wir versuchen inzwischen schon seit 30 Jahren, die nach dem Krieg gepflanzten Fichtenwälder zu widerstandsfähigeren Mischwäldern umzubauen, aber bis so eine Baumgeneration hiebsreif ist, kann es schon mal 80 bis 100 Jahre dauern.“

Wenn es regnet, regeneriren viele Bäume sich von selbst

Für die Anpassung an den voranschreitenden Klimawandel ist das zu lang. “Im Vergleich zu anderen Regionen ist der Anteil von Mischwald mit zwei Dritteln der bewaldeten Fläche in Schleswig-Holstein aber schon relativ groß und die Bäume aufgrund der niedrigeren Temperaturen auch noch relativ gesund“, sagt Schadendorf. “Uns würde es deshalb schon helfen, wenn es mal wieder richtig nass wird. Dann regenerieren sich viele der gestressten Bäume relativ schnell von selbst.“

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