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Wirtschaft Auf der Förde beginnt eine neue Ära
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08:00 21.06.2019
Die Hybrid-Fähre "Gaarden" soll nicht nur ein Modell bleiben. Quelle: Frank Behling
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Kiel.

Bei der Werft Holland Shipyards in den Niederlanden wurde gestern mit der „Gaarden“ die erste Fähre einer neuen Generation für die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK) auf Kiel gelegt. Per Knopfdruck senkte SFK-Geschäftsführer Andreas Schulz in der Schiffsbauhalle die Sektion mit dem zukünftigen Hauptdeck ab.

Holland Shipyards hat Großes vor. Das Unternehmen will die Kieler Fördeschifffahrt erneuern. Die „Gaarden“ wird die erste Plug-in-Hybrid-Fähre an der deutschen Ostseeküste sein. Während die neuen KVG-Busse aus Schweden von Volvo kommen, hat bei der Ausschreibung für den Schiffsauftrag die niederländische Werft das Rennen gemacht. Zusätzlich hat sie die Option auf drei weitere Fähren bis 2026. Das Gesamtvolumen für alle vier Fähren liegt bei 16 Millionen Euro.

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Komplett emissionsfrei geht nicht

„Für uns ist das kein Neuland. Wir haben mit dieser Technologie bereits Erfahrung. Seit 2016 bauen wir ähnliche Fähren für Amsterdam“, sagt Marco Hoogendoorn, der Projektchef und kaufmännische Leiter der Werft. Seit über zehn Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit der Nutzung von Batterietechnik in Schiffen. „Seit 2016 hat die Batterietechnik große Fortschritte gemacht, das kommt jetzt auch bei der Fähre für Kiel zur Anwendung“, sagt Hoogendoorn. Auch ein Schlepper wurde bereits mit Hybridantrieb gebaut.

Die „Gaarden“ bekommt neben den zwei Diesel-Generatoren ein Batteriepack mit einer Kapazität von 273 Kilowattstunden. Damit sollen die beiden Elektromotoren die Fähre auf der Innenförde zwischen Bahnhof und Bellevue antreiben. Auf dem Außenbereich der Förde wird dann der Strom mit Dieselgeneratoren erzeugt. Ein komplett emissionsfreier Elektroantrieb für die aus 150 Tonnen Stahl gebaute Fähre ist mit Batterien, Brennstoffzellen oder Solarenergie angesichts des Fahrplans und der benötigten Leistung derzeit nicht möglich.

Im kommenden Frühjahr soll die „Gaarden“ fertig sein und nach Ostern über die Nordsee und durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel fahren. „Das ist ein sehr schönes Schiff geworden“, freute sich SFK-Geschäftsführer Schulz. Neben viel Platz für Radfahrer hat die „Gaarden“ auch ein geteiltes Außendeck auf dem Vorschiff und am Heck. Diese Struktur hatten zuvor nur die vor dem Krieg gebauten Förde-Fähren.

Der Kapitän ist zufrieden

Das Design hat Willem Stolk von der Firma Marimecs entwickelt. Dafür hat er sich vorher mit den Kieler Fähren lange beschäftigt. Zusammen mit der Werft wurden die Wünsche umgesetzt. Bis hin zu Klappsitzen auf dem vorderen Außendeck. „Wir sind mit der Werft sehr zufrieden“, sagte Ansgar Stalder, Betriebsleiter der SFK. Er griff selbst für die symbolische Naht bei der Kiellegung zum Schweißgerät. Mit dabei war auch Kapitän Julian Burkey. „Für uns Kapitäne ist besonders die Brücke sehr gut“, lobte er. „Sie bietet einen guten Überblick und ist auf ganzer Breite verglast.“

Wer die „Gaarden“ im nächsten Frühjahr nach Kiel fahren darf, steht aber noch nicht fest. Ein Jahr lang soll die „Gaarden“ auf der Förde bei allen Wetterbedingungen eingesetzt werden. „Wenn sich das Schiff bewährt, werden wir auch die nächsten Aufträge vergeben“, so Stalder. Die Namen für die drei nächsten Schiffe gibt es aber schon. Sie sollen „Friedrichsort“, „Wik“ und „Schilksee“ heißen.

Von Behling Frank

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