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Wirtschaft Spektakulärer Prozess gegen Falk startet
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11:46 15.08.2019
Von Florian Hanauer
Alexander Falk gab sich in den Verhandlungen stets siegessicher, so wie hier in dem Strafverfahren vor dem Hamburger Landgericht. Doch er wurde verurteilt und musste eine vierjährige Haftstrafe absitzen. Quelle: Angelika Warmuth
Kiel/Frankfurt.

Beim „Sterling Cup“ vor Glücksburg segelte Alexander Falk wieder. Seine Mahagoni-Jacht, die 1939 in Schottland gebaute „Flica II“, war während des ersten Prozesses gegen den frühen Internet-Unternehmer in Kiel beschlagnahmt worden und stand jahrelang in einer Halle. Falk, der im Jahr 2011 aus der Haft entlassen worden war, meldete sich 2016 zurück in der klassischen Regattaszene. Auch 2017 segelte er wieder. Doch im dritten Jahr brach die neue Seglerkarriere jäh ab.

Anfang September 2018 nahm ihn die Polizei in seinem Firmensitz in der Hamburger Palmaille fest. Nach elf Monaten Untersuchungshaft, eine Haftbeschwerde blieb erfolglos, beginnt nun kommende Woche der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt. Der Vorwurf lautet „versuchte Anstiftung zu Mord“, in Tateinheit mit versuchter Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung. Dem Rechtsanwalt Wolfgang J. aus Hessen, der offenbar monatelang terrorisiert worden war, hatte im Februar 2010 ein Unbekannter ins Bein geschossen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Falk dahinter steckt. Denn J. war mit einer Zivilklage gegen Falk betraut.

Ision baute in Kiel für zehn Millionen Euro

Seit der Verhaftung wird gerätselt, ob Falk zu einer solchen Tat fähig gewesen sein könnte. Es ist das dritte Verfahren gegen den Unternehmer, der vor der Jahrtausendwende das Geld aus dem Verkauf des Stadtplan-Verlages seines Vaters investierte und zunächst viel Erfolg hatte; zeitweilig als einer der 100 reichsten Deutschen galt.

In dem ersten strafrechtlichen Prozess ging es um Betrug beim Verkauf seines überbewerteten Internet-Unternehmens Ision – in Kiel bekannt durch das Bürogebäude mit der geschwungenen Glasfront, das Ision für rund zehn Millionen Euro an der Hörn bauen ließ und das sich heute „Hörn Campus“ nennt. Falk wurde 2008 verurteilt, zwei Revisionsanträge blieben erfolglos.

Auch im zweiten Verfahren wurde Falk verurteilt

In dem zweiten, zivilrechtlichen Verfahren ging es um Schadensersatzansprüche des britischen Käufers der Ision, der Energis. Dieses Mandat hatte Anwalt Wolfgang J. übernommen, der es nach dem Anschlag übrigens niederlegte. Falk verlor auch dieses Verfahren und musste über 200 Millionen Euro an Schadensersatzforderungen leisten. Dem fünffachen Familienvater, der in Hamburg lebt, war in mehren brenzligen Situationen der Schwiegervater zur Hilfe gekommen, der die Familie finanziell unterstütze.

Und jetzt der dritte Prozess mit den spektakulärsten Vorwürfen. Am kommenden Mittwoch wird das Verfahren im Saal 10 des Frankfurter Landgerichts beginnen. 18 Verhandlungstage habe man zunächst angesetzt, an denen über 20 Zeugen und mehrere Sachverständige gehört werden sollen, wie der Vorsitzende Richter Werner Gröschel erläutert.

Treffen mit Boxer aus dem Rotlichtmilieu?

Die Anklageschrift liest sich wie ein Krimi: Im Jahr 2009 traf Falk danach einem Hamburger Restaurant, es soll sich um ein Steakhaus in Pöseldorf gehandelt haben, einen Mittelsmann, dem er den Auftrag zur „Tötung des Rechtsanwalts“ erteilt haben soll und einen „Umschlag mit Bargeld“ übergeben haben soll.

Angeblich soll es sich nach den Unterlagen der Staatsanwaltschaft einen Boxer aus dem Rotlichtmillieu gehandelt haben. Es sollen Worte wie „eiskalt machen“ gefallen sein.

Zweifel an möglichen Tonbandaufnahmen

Doch es gibt Zweifel an der Darstellung der Anklage, an dem Motiv, schließlich musste Falk wissen, dass der Tod eines Anwalts ein Verfahren nicht stoppen kann, und auch Zweifel an den Tonbandaufnahmen aus dem Rotlichtmilieu, die bei der Staatsanwaltschaft liegen sollen. Falk wird vor Gericht vertreten von der bekannten Kölner Kanzlei von Rechtsanwalt Björn Gercke.

Ob die Verhandlungstage, die bis Anfang Dezember angesetzt sind, reichen, um in diesem Jahr ein Urteil zu fallen, ist ungewiss. Ob und wann Falk wieder mit der „Flica II“ auf der Ostsee segeln wird, steht in den Sternen.

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