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Wirtschaft Eis am Stiel aus Kiel
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11:46 18.08.2016
Von Anne Holbach
Victor Simonocsky (links) und Claudio Ferraro haben Packeis gegründet und schon viele Eissorten mit Stiel gestaltet. Quelle: Sven Janssen
Kiel

22 Holzstiele stecken aufgereiht auf einem Metallrahmen, auf der Arbeitsplatte steht ein mit sahniger Masse gefüllter Messbecher. Langsam taucht Viktor Simonovsky eine silberne Eisform in blaue Kühlflüssigkeit. Minus 23 Grad zeigt das Display der Maschine an. Hier, in einem kleinen Hinterraum des Eissalons Venezia in Schilksee, stellt der 43-Jährige gemeinsam mit seinem Kollegen Claudio Ferraro (45) handgemachtes Eis am Stiel her.

 Pürierte Früchte und Biomilch stehen auf ihrer Zutatenliste. „Wir benutzen frische Erdbeeren vom Hof nebenan“, sagt Simonovsky. Das Duo von Packeis Kiel will eine Alternative zum industriell gefertigten Stieleis bieten. „Wir verarbeiten vorrangig Produkte aus der Region“, sagt Claudio Ferraro. Nur wenn die Saison vorbei ist, müsse er mal eine Ausnahme machen und zum Beispiel auf tiefgekühlte Erdbeeren aus Polen zurückgreifen.

 In Berlin sind „Popsicles“ oder „Paletas“ schon länger in aller Munde. Das heißt auf Englisch beziehungsweise Spanisch eigentlich nichts anderes als Eis am Stiel, klingt aber natürlich cooler. Anders als die Hauptstädter, die auf exotische Kreationen wie Gurke-Ingwer oder Zitrone-Rosmarin setzen, sind die Kieler bei ihren Sorten bodenständig. „Bei uns schmeckt Schoko nach Schoko und Erdbeer nach Erdbeer. Wir wollen nicht so einen Schnickschnack machen“, sagt Simonovsky. Zwölf Sorten haben die beiden Männer standardmäßig im Angebot, vor allem Klassiker wie Vanille, Stracciatella oder Haselnuss. Hinzu kommen saisonale Sorten wie Rhabarber-Eis. Für Abendveranstaltungen haben sie auch schon alkoholhaltige Schleckereien mit Gin oder Campari hergestellt.

1000 Stück pro Woche

 Angefangen hat vor rund vier Jahren alles mit der Idee, dass das frische Kugeleis aus der Eisdiele an den Stiel gehört. Nach etwas Grübelei bestellten die beiden gelernten Tischler 2013 schließlich eine Kühlmaschine für Stieleis, die sie extra aus Brasilien einfliegen ließen. Monatelang feilten die beiden dann an ihrem Produkt. Wie kriegt man es bei Stracciatella hin, dass die Schokostückchen nicht alle an die Spitze sinken? Was ist das richtige Rezept für die Masse, damit das Eis nicht zu schnell schmilzt? „Im Sommer 2014 sind wir dann auf die Bevölkerung losgegangen“, sagt Simonovsky. Inzwischen stellen die beiden im Schnitt 1000 Stück pro Woche her.

 Am liebsten würden sie das Packeis in einer essbaren oder zumindest biologisch abbaubaren Hülle verpacken, statt es in durchsichtigen Plastiktüten zu verkaufen. „Aber für Tiefkühlware kommt da wenig in Frage. Das meiste, was biologisch gemacht ist, geht in der Kälte kaputt“, sagt Simonovsky. Seine eigentliche Profession kommt zum Vorschein, wenn der Tischler über die Buchenholz-Verarbeitung der Stiele fachsimpelt. „Wir schnitzen die aber nicht selbst“, sagt der 43-Jährige grinsend. Die Stiele kommen vom Stockelsdorfer Unternehmen Knauf, das auch Eis-Riesen wie Langnese beliefert.

 Das Packeis gibt es an der Fischbar an der Kiellinie, bei der Deichperle in Falckenstein, im Mmhio-Café, bei der Kooperativa sowie bei Alexy’s und Topkauf Schröder in Strande. Sogar ein kleines Geschäft in Mannheim beliefern die Kieler schon mit ihrer Ware. Auch Privatleute ordern das Eis als Nachtisch für die Familie oder für größere Feiern, außerdem ist eine Kindertagesstätte in der Nähe ein regelmäßiger Abnehmer. Das Geschäft laufe, sagen die Eismacher. „Wie merken schon eine enorme Steigerung im Vergleich zum letzten Jahr, obwohl wir keinen so heißen Sommer hatten“, sagt Ferraro.

 Am Tag der Deutschen Einheit wird das Packeis-Duo gemeinsam mit der Fischbar und Lillebräu Schleswig-Holstein kulinarisch bei den Feierlichkeiten in Dresden vertreten. Dafür sei der Ministerpräsident persönlich verantwortlich, erzählt Simonovsky. Torsten Albig habe auf einer Veranstaltung das Packeis gekostet: „Dann hat er gesagt: Meine Leute rufen Sie an. Das war wie im Film.“ Jetzt arbeiten Simonovsky und sein Kompagnon für das Event an einer leckeren Schleswig-Holstein-Sorte.

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