Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Ansiedlungsbilanz: Weniger Firmen, mehr neue Jobs in SH
Nachrichten Wirtschaft Ansiedlungsbilanz: Weniger Firmen, mehr neue Jobs in SH
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:07 06.02.2020
Von Ulrich Metschies
Logistik als Wachstumsmotor: Amazon ist in Schleswig-Holstein bald an drei Standorten aktiv: In Borgstedt (Foto), Nützen und Bad Oldesloe.  Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Einmal im Jahr melden sich Wirtschaftsförderer von Land und Kommunen zu Wort, um über ihren Erfolg bei der Ansiedlung neuer Unternehmen zu berichten. Nach Jubel war am Donnerstag im Kieler „Haus der Wirtschaft“ keinem Akteur zumute. Selbst Wirtschaftsminister und Berufsoptimist Bernd Buchholz hatte für die Ansiedlungsbilanz 2019 nur das Prädikat „solide“ übrig.

Nur 118 neue Unternehmen

Tatsächlich hat der „echte Norden“ im vergangenen Jahr so wenig neue Unternehmen angelockt wie seit Jahren nicht mehr: Gerade 118 Firmen ließen sich von den Standortvorteilen Schleswig-Holsteins so sehr beeindrucken, dass sie ihren Sitz hierher verlegten, darunter elf ausländische Unternehmen aus acht Ländern. Damit ist die Zahl der Neuansiedlung zum dritten Mal in Folge geschrumpft.

„Solide“ ist die Bilanz aus Sicht von Buchholz vor allem deshalb, weil die neuen Unternehmen immer größer werden. Und größere Unternehmen schaffen in der Regel auch mehr Arbeitsplätze. Mit gut 3400 neuen Jobs – fast 80 Prozent mehr als im Jahr zuvor – war der Beschäftigungszuwachs durch Neuansiedlungen so stark wie seit 2008 nicht mehr. Im Übrigen, so Buchholz, tue es der eher kleinteiligen Wirtschaft im Land durchaus gut, wenn ein paar größere Firmen dazukommen.

Amazon kommt mit drittem Standort

Größe hatte im vergangenen Jahr vor allem einen Namen: Namen: Amazon. Fast beiläufig bestätigte Buchholz, dass der US-Versandriese inzwischen die Errichtung seines dritten Verteilzentrums im Norden unter Dach und Fach gebracht hat. Nach den Standorten Borgstedt bei Rendsburg (in Betrieb) und Nützen im Kreis Segeberg soll noch in diesem Jahr der Standort Bad Oldesloe in Betrieb gehen. Gemunkelt wurde über diese weitere Expansion Richtung Norden eine ganze Weile schon, doch nun sind die Verträge unterschrieben.

Dass der Boom im Online-Handel manchem regionalen Einzelhändler das Wasser abgräbt, sieht zwar auch Buchholz als „große Herausforderung“ für die Branche. Doch als Liberaler käme er nie auf die Idee, dafür Amazon an den Pranger zu stellen. Um sich gegen die wachsende Konkurrenz behaupten können, müsse der stationäre Einzelhandel das Einkaufen noch viel mehr als bislang zu einem Erlebnis machen. Hilfreich wäre da aus seiner Sicht eine deutliche Lockerung der Öffnungszeiten. Nur allzu gerne würde der Minister den Sonntag zum Einkaufen freigeben, allerdings müsse er nun einmal akzeptieren, dass Grundgesetz, Gewerkschaften und Kirchen einer solchen Liberalisierung entgegenstünden.

Industrieansiedlungen sind Mangelware

Mit seinen drei Verteilzentren steht alleine Amazon für mehr als 500 neue Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein, hinzu kommen pro Zentrum mehrere hundert Fahrer. Zweifel an der Hochwertigkeit von Arbeitsplätzen in der Logistik hält der Minister für übertrieben: „Neue Beschäftigungsmöglichkeiten in dieser Branche werden unterschätzt.“ Allerdings räumt Buchholz auch ein, dass er gerne mehr Industrieunternehmen ins Land geholt hätte. Im vergangenen Jahr konnte Schleswig-Holstein gerade einmal 17 Firmen aus dem Bereich Produzierendes Gewerbe anlocken. Absolut beherrscht wird der Branchenmix bei den Neuansiedlungen vom Dienstleistungssektor, auf den 70 Prozent der neuen Unternehmen entfallen. Lediglich 16 Prozent kommen aus dem Handel.

Ein Ende des Logistik-Boomes ist nicht absehbar: „Wir haben bereits in diesem Jahr weitere Anfragen von namhaften internationalen Unternehmen erhalten, die am Standort Schleswig-Holstein aktiv werden wollen“, sagt Bernd Bösche, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WTSH.

Ein Rekordjahr für Ostholstein

Wie mühsam und kleinteilig das Geschäft mit Neuansiedlungen sein kann, zeigt das Ergebnis für den Westen das Landes: Insgesamt haben sich in den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen und Steinburg im vergangenen Jahr gerade einmal zehn Firmen mit zusammen 57 Arbeitsplätzen angesiedelt. Überraschend punkten konnten der Norden und Osten des Landes mit 53 Ansiedlungen und fast 1200 Arbeitsplätzen. Für den Kreis Ostholstein war 2019 sogar ein echtes Rekordjahr. So zog es etwa die Rosenrot Naturkosmetik GmbH aus Baden Württemberg nach Eutin. Auf rund 1,2 Hektar Gewerbefläche entsteht dort ein Produktions- und Verwaltungsgebäude mit 70 Arbeitsplätzen. Das bislang in Heilbronn beheimatete Unternehmen produziert und vertreibt Naturkosmetik in Bioqualität ohne Kunststoffverpackungen.

Weitere Nachrichten aus der Wirtschaft lesen Sie hier.

Osram verdient wieder Geld. Nach der Übernahmeschlacht meldet der Lichtkonzern, dass die internen Sparprogramme ihre Wirkung zeigen. Noch offen ist, welche Folgen das Coronavirus für Osram haben wird.

06.02.2020

Wirksamer Klimaschutz oder nur ein Obolus zur Beruhigung des eigenen Gewissens? Shell-Kunden können künftig ihren CO2-Ausstoß mit einem Aufpreis auf den Spritpreis ausgleichen. Eine “armselige Scheinlösung”, sagen Kritiker.

06.02.2020

Der japanische Autobauer hat Bilanz für die ersten drei Quartale des aktuellen Geschäftsjahres gezogen. Toyota rechnet weiter mit einem schwächeren Yen und hat seine Prognose erhöht.

06.02.2020