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Wirtschaft Windbranche steckt in der Flaute fest
Nachrichten Wirtschaft Windbranche steckt in der Flaute fest
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08:45 05.09.2019
Von Ulrich Metschies
Von Planung, Produktion und Betrieb bis zur Wartung: Die Windkraft steht in Schleswig-Holstein für rund 12.000 Arbeitsplätze. Quelle: Klaus J. Harm
Kiel

Einen Tag vor dem großen Windgipfel in Berlin veröffentlichte die IG Metall am Mittwoch das Ergebnis ihrer jüngsten Betriebsräte-Umfrage. Danach sind innerhalb von nur sechs Monaten in der heimischen Windbranche bundesweit bis zu 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Auch Schleswig-Holstein ist schwer getroffen

Zahlen, die sich auf einzelne Bundesländer beziehen, gibt die Befragung nicht her. Doch klar ist auch so, dass Schleswig-Holstein schwer getroffen ist: Sechs der insgesamt 31 befragten Betriebe haben hier Standorte, darunter Senvion und Vestas. An der Befragung, die die Agentur für Struktur- und Personalentwicklung im Auftrag der IG Metall durchgeführt hatte, beteiligten sich Betriebsräte von Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet, die insgesamt rund 23.000 Beschäftigte repräsentieren.

Branche steht im Norden für 12.000 Jobs

Mit dem jüngsten Jobabbau setze sich die Entwicklung der Jahre 2016 und 2017 fort, als die Branche bereits etwa 26.000 Arbeitsplätze einbüßte, teilte die Gewerkschaft mit. Zum Vergleich: Den aktuellsten Zahlen zufolge, die derzeit verfügbar sind (Stand: Ende 2015), steht die Windenergie allein in Schleswig-Holstein direkt für rund 12.000 Arbeitsplätze

Betriebsräte sehen die Zukunft düster

Die Arbeitnehmervertreter der wesentlichen Betriebe sehen der Umfrage zufolge die weitere Entwicklung der Branche „sehr negativ“ und erwarteten weitere Entlassungen, hieß es einen Tag vor dem Windenergietreffen bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). „Es ist deprimierend“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken: „Wenn Politik und Unternehmen nicht gegensteuern, dann steigen wir aus der Windindustrie noch früher aus als aus der Kohle.“

"Der Inlandsmarkt ist praktisch tot"

Der Inlandsmarkt sei praktisch tot; Hoffnung machten nur entfernte Märkte wie Asien und Südamerika, teilweise auch einige europäische Länder. Die Branche brauche aber einen funktionierenden Heimatmarkt. Von dem Gipfel, an dem auch die IG Metall teilnimmt, erwarte er ein Bekenntnis zur Windenergie und klare Maßnahmen wie die Aufhebung der Ausbaudeckel für die Windkraft an Land und auf See sowie einen Zusatzbeitrag von zwei Gigawatt der Offshore-Windkraft.

Bundespolitik in der Kritik

Und so steht vor allem die Bundesregierung bei den Betriebsräten massiv in der Kritik. Mehr als 96 Prozent der Betriebe klagen über nicht vorhandene oder eine zu geringe Unterstützung durch die Politik. Groß ist auch die Unzufriedenheit mit den neu eingeführten Ausschreibungen für den Bau neuer Windparks. Sie führten den Angaben zufolge in 89 Prozent der Unternehmen zu keinerlei oder nur geringen positiven Effekten. Vielmehr sehen die Arbeitnehmervertreter im Ausschreibungsmodell vor allem den Grund für einen massiv gestiegenen Kostendruck, der häufig zu Lasten der Beschäftigten gehe.

Nicht nur Küstenländer betroffen

Nach den letzten genaueren Schätzungen der Wirtschaftsforscher vom Berliner DIW arbeiteten 2016 rund 161.000 Beschäftigte in der Herstellung, Montage und Wartung von Windkraftwerken an Land und auf See. Nach den Daten der IG Metall ging seitdem mindestens ein Fünftel der Arbeitsplätze verloren. Betroffen sind nicht nur die Küstenländer. Ein erheblicher Teil der Zulieferbetriebe produziert in anderen Bundesländern, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg.

In Schleswig-Holstein drehen sich aktuell 2959 Windräder. Doch es könnten längst mehr sein. Wie das Umweltministerium auf Anfrage mitteilte, sind derzeit 125 schon genehmigte Windkraftanlagen „noch nicht“ in Betrieb. Die Windkraftbranche rutscht immer tiefer in die Krise.

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