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Wirtschaft Arcandor-Insolvenz: Kieler Belegschaft ist schockiert
Nachrichten Wirtschaft Arcandor-Insolvenz: Kieler Belegschaft ist schockiert
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08:04 10.06.2009
Essen/Kiel

Der Schock sitzt tief. Exakt um 14.02 Uhr erreicht die Hiobsbotschaft Marion Herholz: „Ich konnte es nicht fassen. Wir haben doch alles gegeben“, sagt die Betriebsratsvorsitzende von Karstadt Kiel. Am frühen Abend schließen die drei Häuser in der Innenstadt: Betriebsversammlung für die rund 450 Mitarbeiter. Viele Kunden übersehen das Info-Schild und rütteln vergeblich an den Eingangstüren. Drinnen ist es menschenleer und dunkel, sinnlos laufen die Rolltreppen weiter. „Ich wollte meine Uhr reparieren lassen“, sagt eine ältere Dame. Dass es Karstadt irgendwann nicht mehr geben könnte, kann sie sich nicht vorstellen. Oft kauft sie hier nicht ein, aber doch immer mal wieder, meist Bekleidung oder Kleinigkeiten. Und wenn man kein Auto hat, dann ist so ein Kaufhaus schon eine wichtige Einrichtung.Währenddessen versammelt sich ein großer Teil der Belegschaft im Restaurant des Hauses am Sophienblatt, um von der Geschäftsführung über das weitere Vorgehen informiert zu werden. Es gibt etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Die Botschaft: Mittwoch soll der Geschäftsbetrieb „normal“ weitergehen. Doch statt Normalität herrscht in den Köpfen der meisten Mitarbeiterinnen (rund 80 Prozent der Belegschaft sind Frauen) blanke Existenzangst. Viele arbeiten schon lange bei Karstadt, viele sind alleinerziehend. Und viele haben sich vor kurzem nicht ansatzweise vorstellen können, den Namen ihres großen Unternehmens in den Nachrichten zusammen mit dem Schreckenswort „Insolvenz“ zu hören. „Bedrückt, wütend, traurig und enttäuscht“ - so beschreibt Marion Herholz die Stimmung. „Karstadt ist nicht schuld an dieser Lage, sondern Arcandor.“ Seit 1971 arbeitet die Betriebsrätin bei Karstadt. Die Solidarität in der Bevölkerung hat Marion Herholz immer wieder aufgerichtet, ihr und den Kollegen Hoffnung gemacht. Und wie sieht sie jetzt die Perspektive? „Ich weiß es nicht, dazu ist alles noch zu frisch.“100 Tage lang hat Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick verbissen gekämpft. Schon bei der Übernahme des Amtes Anfang März war ihm die „schwere Lage“ des Handelskonzerns bewusst. Doch die Zeit, sich Gedanken über die Wünsche der Kunden oder die Zusammenstellung des Sortiments zu machen, hatte er nicht. Schon im April machte der frühere Telekom-Finanzvorstand öffentlich klar, dass Arcandor Geld braucht - mehrere hundert Millionen Euro. Schnell beantragte Eick Staatshilfe - im Wahlkampfjahr und mitten in der Diskussion um die staatliche Unterstützung für Opel naheliegend.Doch bei der Union und - nach anfänglicher Sympathie - auch bei der SPD biss Arcandor damit auf Granit. Immer wieder mahnten Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dann auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ein Vorleistung der Eigentümer und Gläubiger an. Die vornehme Privatbank Sal. Oppenheim, die schwerreiche Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und die Gläubigerbanken aber mochten sich nicht in die Pflicht nehmen lassen.Anders als im Fall Opel bot sich bei Arcandor die von der Politik so gewünschte „privatwirtschaftliche Lösung“ auf dem Silbertablett an: Metro-Chef Eckhard Cordes nutzte seine Chance und schlug die schon lange diskutierte Fusion der Karstadt-Filialen mit denen seiner Kaufhaus-Tochter Kaufhof vor. Nach der Insolvenz hat sich seine Verhandlungsposition deutlich verbessert.

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