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Wirtschaft Azubis sind Mangelware
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12:55 19.10.2018
Von Anne Holbach
Schwere Suche nach Nachwuchs: Im Land sind zum Ausbildungsstart 7100 Lehrstellen frei. Quelle: Markus Scholz
Kiel

Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages erhielten im vergangenen Jahr  17.000 Betriebe auf ihre Lehrstellen keine einzige Bewerbung. In Schleswig-Holstein sieht es nicht anders aus: „Etwa ein Drittel der Betriebe hat bei unserer jährlichen Befragung angegeben, dass sie ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten“, sagt Hans Joachim Beckers, Aus- und Weiterbildungsleiter bei der IHK zu Kiel. Das sei ein besorgniserregender Wert. Die Konjunktur läuft gut, der Personalbedarf sei dementsprechend hoch.

„Bei uns sind aktuell noch 7100 unbesetzte Ausbildungsplätze gemeldet. Ihnen stehen 5200 unversorgte Jugendliche gegenüber“, sagt Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit. Vor allem in der Tourismusbranche sowie im Handel fehle es an Interessenten. Auch in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Lübeck waren zuletzt noch 70 Azubi-Plätze unbesetzt, vor allem Elektroniker und Sanitär- und Heizungsinstallateure werden gesucht.

Zahl der Schulabgänger wird kleiner

Die Gründe für die Entwicklung sind für Beckers vielschichtig. „Die Zahl der Schulabgänger geht insgesamt leicht zurück.“ Laut Statistikamt Nord beendeten 2017 hierzulande 29986 junge Menschen ihre Schullaufbahn – vor zehn Jahren waren es noch gut 4000 mehr. Zudem sei eine Verschiebung hin zu höheren Abschlüssen wahrnehmbar, so Beckers.

Mehr junge Leute entscheiden sich für ein Studium

„Der mittlere Schulabschluss, mit dem früher viele in die Ausbildungsberufe starteten, ist rückläufig. Beim ersten allgemeinbildenden Schulabschluss gehen die Zahlen noch drastischer zurück.“ 2017 verließen 5105 Jugendliche im Land mit dem früheren Hauptschulabschluss die Schule, halb so viele wie noch vor zehn Jahren. Die Mittlere Reife machten 10386 Schüler, sechs Prozent weniger als 2007. Zugleich verdoppelte sich seither die Zahl der Absolventen mit Fachhochschulreife auf 1110. Die Zahl der Abiturienten stieg um 45 Prozent auf rund 11000. „Meist wählen sie danach eher ein Studium, anstatt sich für eine Ausbildung zu entscheiden.“

Wenig qualifizierte Bewerber

Zugleich verschlechtere sich das Niveau der Bewerber. Dabei guckten viele Unternehmen gar nicht unbedingt nur auf die Noten, betont Beckers. Viele hätten ihre Anforderungen bereits nach unten geschraubt. „Die meisten Probleme, die die Betriebe beschreiben, sind fehlende Leistungsbereitschaft, Motivation und Belastbarkeit“, so Beckers. Auch an Umgangsformen und Sozialkompetenzen hapere es oft. Viele Firmen beklagen zudem, dass die Schulabgänger unklare Vorstellungen von Berufen haben.

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