Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Auto-Comeback des Jahres: Der Kult-Käfer ist zurück – und zwar elektrisch
Nachrichten Wirtschaft Auto-Comeback des Jahres: Der Kult-Käfer ist zurück – und zwar elektrisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:38 05.09.2019
Der Kult-Käfer ist zurück – als e-Mobil.

Bei Volkswagen kommen sie langsam in die heiße Phase. Nächste Woche beginnt auf der IAA in Frankfurt das große Schaulaufen in Sachen Elektromobilität. Angeblich, so ist zu hören, werden die Wolfsburger auf ihrem Stand ausschließlich Fahrzeuge mit elektrifizierten Antrieben zeigen. Ein Highlight wird dabei ein Käfer aus dem Jahr 1976 sein: Liebevoll bis ins Detail restauriert, fährt die Ikone rein elektrisch vor. Das Auto ist eine seriennahe Studie eines historischen Käfers, der nicht von einer Fremdfirma aufgebaut wurde, sondern von VW für eine nachträgliche Elektrifizierung grünes Licht bekommen hat. Wir sind mit dem Fahrzeug bereits im Umland von Braunschweig unterwegs gewesen.

Innen beinah unverändert: Der e-Käfer.

Gut sieht es aus, das alte Schätzchen, das da auf dem Gelände des VW-Werks in Braunschweig steht und über ein Kabel an einer Ladesäule hängt. Ein Käfer wie aus dem Bilderbuch. Nur etwas ist anders: Die auffällig dicken Seitenschweller fallen ins Auge. Kein Wunder, hinter ihnen verbirgt sich im Fahrzeugboden das Batteriepaket. Es stammt zusammen mit der gesamten Antriebseinheit aus dem e-Up und wurde für den Käfer modifiziert. Zumindest von außen ist sonst alles so geblieben, wie es schon im Entstehungsjahr des Autos war: die Drehfensterchen in den Türen, die Außenspiegel, die mit der Hand eingestellt werden müssen.

Im Innenraum ist (fast) alles beim Alten

Volkswagen hat die Verantwortung bei der Realisierung des e-Käfers in die Hände der Volkswagen Group Components gelegt, die einen Großteil der originalen VW-Technik beisteuert. Das Gesamtfahrzeug entsteht bei der Firma eClassic in Renningen bei Stuttgart, die sich auf die Elektrifizierung historischer Fahrzeuge spezialisiert hat. Geschäftsführer Martin Acevedo: „Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit geben, ihren alten Käfer fit für die Zukunft zu machen.“

Doch auch im Innenraum erinnert zuerst einmal vieles an damals: die Enge auf den Sitzen, das große Lenkrad, die Handkurbeln für die Seitenfenster. Nur das alte Kombiinstrument wurde durch ein neues ersetzt, bei dem ganz im Gegensatz zu den aktuellen digitalen Trends das Display mit wichtigen Fahrzeugdaten wie Ladezustand der Batterie oder noch verbleibender Reichweite in ein winziges Fensterchen gepresst wird. Und neu ist natürlich auch der Wahlhebel für das Einganggetriebe.

Das alte Kombiinstrument wurde durch ein neues ersetzt.

Wenn man sich auf dem Sitz sortiert hat und den Zündschlüssel dreht, passiert erst einmal – gar nichts. Die Systeme müssen hochfahren, bevor sich der Käfer, der laut VW-Pressesprecher Enrico Beltz „die E-Mobilität emotionaler machen soll“, mit dem typischen E-Auto-Surren in Bewegung setzt. Zuerst zaghaft, denn plötzlich sind all die Erinnerungen an den eigenen Käfer vor nunmehr 40 Jahren wieder da: die fehlende Servolenkung, das mitunter hakelige Getriebe, das Anbremsen, das jedes Mal Kraft kostete. Die Schweißausbrüche, wenn es mit 34 PS über die Kasseler Berge ging. Und natürlich die schlechte Lüftung, die im Winter jedes Mal für beschlagene Scheiben sorgte. „Das Problem haben wir momentan auch noch“, räumt Acevedo ein.

Ein kurzes Stoßgebet, dann steht der Käfer

Doch ansonsten gibt es fast keine Probleme mehr. Die Lüftung brauchen wir heute nicht, der e-Käfer ist ein Cabriolet, und die Außentemperatur beträgt 34 Grad. Also runter mit dem Stoffverdeck. Und schon haben wir drinnen auch 34 Grad. Eine Klimaanlage wäre jetzt ganz schön, doch die gibt’s leider nicht. So ein Hauch von Nostalgie soll ja sein. Denn alles andere ist jetzt modernste Gegenwart: Ein Spurt von unter vier Sekunden aus dem Stand auf Tempo 50 und jede Menge Reserven beim Überholen, denn dank des E-Antriebs stehen dem Fahrer dieses Käfers 82 PS zur Verfügung. Wann hat es die damals schon gegeben? Die Batteriekapazität reicht für mehr als 200 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Datenblatt 150 km/h. Ein toller Käfer!

Zwar ist das Gewicht gegenüber dem Original von 920 Kilo auf jetzt 1280 Kilo gestiegen, doch das meiste davon befindet sich im Fahrzeugboden und sorgt für eine nahezu ideale Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse und einen tiefen Schwerpunkt. Der wiederum macht sich in der enormen Laufruhe des Autos bemerkbar, das auch dank der elektromechanischen Lenkung selbst in zügig gefahrenen Kurven nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Und auch Acevedo pflichtet hier bei: „Der fällt nicht um.“

Gut versteckt: Geladen wird der e-Käfer über einen Stecker unter der rechten Rückleuchte. Quelle: Kai-Uwe Knoth/VW

Beim ersten Anbremsen gibt’s eine kurze Schrecksekunde: Zwar stammen die Bremsen vom Porsche 924, doch für einen Bremskraftverstärker fehlt bislang der Platz. Also auf die Bremse nach alter Väter Sitte und ein kurzes Stoßgebet, dann steht der Käfer. Auch das Klackern des Relais beim Blinken ist verstummt. Doch das sind Kleinigkeiten, an denen noch gefeilt wird.

Laut Acevedo besteht das Geschäftsmodell darin, dass Kunden ihren alten Käfer bringen und ein restauriertes Fahrzeug zurückbekommen, das von nun an mit der Antriebseinheit des e-Up durch die Lande stromert. Jedes Auto wird nach den Wünschen des Kunden zurechtgemacht und ist ein Unikat. Der Spaß ist allerdings ein exklusives Vergnügen, das mindestens 49 000 Euro kostet. Wer einen kompletten e-Käfer neu erwerben will, darf dann satte 99 000 Euro hinblättern. Damit wird das Schätzchen zum Schatz. Und wem das alles am Ende gar nicht mehr gefallen will, für den hat Martin Acevedo noch eine Botschaft: „Alles kann auch wieder zurückgebaut werden.“

Von Gerd Piper/RND

Kriminelle Mitarbeiter oder Vertraute im Umfeld von Unternehmen haben einer Analyse zufolge im vergangenen Jahr mit Wirtschaftsstraftaten einen Versicherungsschaden von 225 Millionen Euro verursacht. Doch die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

25.10.2019

Ob Cum-Ex-Deals oder Dieselskandal – gleich zweimal haben sich Behörden mit scheinbar komplizierten Tricks narren lassen. Eigentlich hätte man beide Maschen früher durchschauen müssen, meint unser Autor trotzdem.

04.09.2019

Der Andrang war groß, die Erwartungen sind es auch: Mit dem Taycan hat Porsche sein erstes reines E-Auto vorgestellt. Mit dem Modell geht der Sportwagenhersteller ein großes Risiko ein.

04.09.2019