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Wirtschaft Spritverbrauch: Autokonzerne geben falsche Werte an
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08:41 11.01.2019
Durchschnittlich 400 Euro mehr pro Jahr müssen Autofahrer an der Tankstelle bezahlen, weil die offiziellen Angaben der Hersteller drastisch von der Realität abweichen. Quelle: dpa
Berlin

Der reale Spritverbrauch von Neuwagen liegt deutlich höher als von den Fahrzeugherstellern angegeben. Um durchschnittlich 39 Prozent weichen die tatsächlichen Verbrauchswerte von den Zahlen der Autokonzerne ab.

Die Mehrausgaben für Sprit betragen für einen durchschnittlichen Autofahrer rund 400 Euro pro Jahr. Das geht aus einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Die Daten wurden 2017 erhoben.

Abweichung nahm seit 2001 um mehr als das Vierfache zu

Die Abweichung nahm demnach seit 2001 um mehr als das Vierfache zu. Damals hatte die Differenz zwischen offiziellem und realem Spritverbrauch bei durchschnittlich acht Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Abweichung nur leicht um einen Prozentpunkt.

Zur Grafik: Ein Wert von 0% bedeutet, dass es keine Abweichung gibt. Je höher der Prozentwert, desto weniger stimmt der tatsächliche Verbrauch mit der offiziellen Angabe der Autohersteller überein.

Der neue Bericht des ICCT basiert auf einer statistischen Auswertung der Daten für mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge aus acht europäischen Ländern. Die Untersuchung beruht auf Daten aus 15 unterschiedlichen Quellen.

Mercedes, Audi und BMW zählen zu den größten „Schummlern“

Zu den größten „Schummlern“ gehören laut Studie die deutschen Fabrikate Mercedes, Audi und BMW sowie gewerblich genutzte Fahrzeuge wie Kleintransporter. Japanische Hersteller wie Mazda und Honda machen dagegen deutlich realistischere Angaben.

Laut ICCT täuschen die unrealistischen Verbrauchsangaben der Hersteller einen Rückgang von Emissionen vor, den es tatsächlich nicht gibt. So würden Kraftstoffverbrauch und Kohlendioxid-(CO2)-Emissionen eines Fahrzeugs direkt zusammenhängen. Nur etwa die Hälfte der auf dem Papier erbrachten CO2-Reduktionen sei seit dem Jahr 2001 tatsächlich verwirklicht worden.

Seit September 2018 gelten strengere Testbedingungen

Der Kraftstoffverbrauch von Pkw wird unter einheitlichen Bedingungen in Testlabors ermittelt. Seit September 2018 gilt für alle neuen Fahrzeuge ein verschärftes Testverfahren, der Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure (WLTP). Die ICCT-Forscher vermuten, dass das verstärkte öffentliche Interesse an den realen Emissionen von Fahrzeugen in der Folge des Dieselgate-Skandals die Hersteller zum Umdenken bewegen wird.

Das ICCT hatte 2015 mit eigenen Untersuchungen den Diesel-Skandal aufgedeckt.

Ende Dezember 2018 einigten sich die Europäische Kommission, das EU-Parlament sowie die EU-Mitgliedsstaaten auf verbindliche CO2-Ziele für Neufahrzeuge für die Jahre 2025 und 2030. Als Teil der Vereinbarung müssen die CO2-Emissionen neuer Pkw zwischen 2021 und 2030 um 37,5 Prozent sinken.

„Der Gesetzgeber hat aus früheren Fehlern gelernt“, sagte Peter Mock, Geschäftsführer des ICCT Europa, dem RND. Er verwies auf einen Passus der neuen Regulierung, wonach die Hersteller ab 2021 verpflichtet werden, den realen Kraftstoffverbrauch sowie die realen CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge mittels Verbrauchsmessgeräten zu protokollieren. „Nun ist es wichtig, dass diese Daten des realen Alltagsbetriebs sowohl Verbrauchern als auch Wissenschaftlern transparent zugänglich gemacht werden.“

ICCT fordert von EU Strafen für schummelnde Autokonzerne

Mock forderte die EU-Kommission auf, Strafen gegen Hersteller zu verhängen, die sich durch unrealistisch niedrige Angaben zum Verbrauch einen Vorteil verschaffen wollen. „Nur so kann es gelingen, die Abweichung zwischen offiziellen und realen Werten in den kommenden Jahren endlich wieder deutlich abzusenken.“

Der Leiter der Studie im Interview:
Das sind die Tricks der Autohersteller

Von Jörg Köpke/RND

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