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Wirtschaft Kaum eine Waffel ohne Walter
Nachrichten Wirtschaft Kaum eine Waffel ohne Walter
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07:00 13.07.2014
Von Jörn Genoux
Die Waffeln sind gebacken, geformt und abgekühlt. Vor dem Verpacken werden sie noch automatisch in die Papiertüten gesteckt. Mehr als 18000 Stück schafft diese Maschine pro Stunde. Quelle: pn: patrick nawe
Kiel

Wenn auf ein Unternehmen der Begriff „hidden champion“ (versteckter oder unbekannter Champion) zutrifft, dann wohl auf das Walterwerk in Kiel. Das Unternehmen ist in seinem Segment Weltmarktführer und liegt sehr versteckt am Rande des Projensdorfer Gehölzes. Wer sich ein Eis in der Waffel kauft, sei es ein Cornetto von Unilever (Langnese) oder ein Nucki von Nestlé, der kann ziemlich sicher sein: Die Waffel wurde auf einem Automaten aus Kiel gebacken, auf Backstraßen, die bis zu 18000 Süßwaffeln pro Stunde backen und formen können.

 Das 1935 gegründete Unternehmen stieg erst nach dem Krieg in die Produktion von Waffelbackmaschinen an. Gründer Prof. Hellmuth Walter hatte ein neues Antriebsverfahren für U-Boote und Flugzeuge entwickelt. Doch nach dem Krieg musste sich das Unternehmen ein ziviles Geschäftsfeld suchen, und mit den Waffelbackmaschinen wurde ganz offensichtlich das richtige ausgewählt. Denn mit der stetig wachsenden Nachfrage nach Eis und anderen Waffelprodukten stiegen auch die Bestellungen in Kiel. Besonders stark nahm das Geschäft ab Anfang der 70er Jahre zu, berichtet Andreas A. Eule, geschäftsführender Gesellschafter.

 Die Kunden kommen aus aller Welt, neben Europa beispielsweise aus Australien, China, Japan, Russland oder den USA. In mehr als 70 Ländern stehen die Backanlagen inzwischen. Und die Maschinen machen es möglich, die jeweils unterschiedlichen nationalen Vorlieben zu berücksichtigen: Die Waffeln sind gerollt, gewickelt, tiefgezogen, gestanzt, geglättet, gesägt oder gefalzt; es gibt herzhafte und süße Waffeln, Snackwaffeln, Röllchen, Eistüten, Becher und Miniwaffeln, die mit den Automaten aus Kiel gefertigt werden können. Die Mitarbeiter des Walterwerks fertigen nicht nur die Maschinen, sie kennen sich auch mit den Produkten aus, die darauf hergestellt werden sollen. Denn Kunden wollen auch wissen, was eine perfekte Teigmischung ausmacht und was bei der Auswahl der Zutaten zu beachten ist. Auch bei der Planung von Backfabriken unterstützen die Kieler Fachleute bei Bedarf.

 Mit steigendem Wohlstand in der Welt wächst auch der Bedarf an Waffelprodukten. Die Nachfrage nach den Maschinen made in Kiel steigt, und die Maschinen wurden immer größer. Daher stieß das Unternehmen vor rund vier Jahren an eine Grenze: „Die Maschinenfabrik platzte aus allen Nähten. Weiteres Wachstum war nicht mehr realisierbar“, berichtet Andreas A. Eule. Er und seine Mitgesellschafter seien keine Verfechter des absoluten Wachstums nur um des Wachstums wegen. Aber: „Wir haben den Anspruch, langjährige Kunden auch zu beliefern. Und wir wollen lukrative Aufträge nicht wegen räumlicher Kapazitätsprobleme verlieren.“

 Und so wurde damit begonnen, das neue Werk 2 zu planen; hinter dem Stammwerk, direkt am Nord-Ostsee-Kanal gelegen. Die Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi) und die Stadt halfen dabei; Anwohner wurden informiert, ein B-Plan aufgestellt und die Stadt verkaufte das Grundstück an das Walterwerk. Der Bau begann vor rund einem Jahr. Seit kurzem wird nun in dem neuen Werk gearbeitet. Es hat eine Nutzfläche von 2800 Quadratmeter, davon entfallen 2000 auf die Produktionshalle. „Wir konnten damit die Fläche für die Endmontage verdreifachen“, sagt Geschäftsführer Uwe S. Schröder. Zusätzlich stehen neben neuen Büros jetzt auch repräsentative Schulungsräume zur Verfügung. Die sind wichtig, denn Mitarbeiter von Kunden sind manchmal mehrere Tage im Walterwerk zur Schulung. Das Werk 1 steht nun komplett als Entwicklungszentrum zur Verfügung, so Eule. Man habe so bessere Voraussetzungen für neue, innovative Produkte – und damit für eine Fortsetzung des Wachstumskurses.