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Wirtschaft Bayer verkauft Kieler Werk an US-Konzern
Nachrichten Wirtschaft Bayer verkauft Kieler Werk an US-Konzern
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17:44 20.08.2019
Von Florian Hanauer
In der Produktion in Kiel, hier bei der Kontrolle der Arzneimittelbeutel: In dem Werk in Projensdorf wird rund um die Uhr gearbeitet. Quelle: fpr: Frank Peter
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Kiel/Leverkusen

Der Verkauf, über den lange spekuliert worden war, ist perfekt; die Mitarbeiter in Kiel wurden auf der Betriebsversammlung informiert. Bayer verkauft seine Tierarzneimittel-Sparte für 7,6 Milliarden US-Dollar (6,85 Milliarden Euro) an den US-Konzern Elanco. Von der Summe sollen 5,3 Milliarden Dollar in bar beglichen werden. Die übrigen 2,3 Milliarden werden in Aktien von Elanco gezahlt.

Kiel: Die Geschäfte von KVP sind profitabel

"Animal Health" ist die kleinste Sparte im Bayer-Konzern, für den rund 3700 Mitarbeiter tätig sind. In Kiel befindet sich mit der KVP Pharma + Veterinär Produkte GmbH ein bedeutender Produktionsstandort des Unternehmens mit rund 800 Mitarbeitern, das als zweitgrößtes Industrieunternehmen in Kiel gilt. Die Tochterfirma hat ihren Sitz in Monheim bei Düsseldorf, ein weiteres Werk befindet sich im US-Standort Shawnee.

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Vorerst keine Kündigungen im Werk in Kiel

Für die Beschäftigten von Bayer gilt auch nach dem Verkauf weiter eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2025 ausschließt. Für die Mitarbeiter der KVP in Kiel, für die es bislang keine solche Vereinbarung gab, wurde eine die Regelung neu vereinbart, wie das Unternehmen erklärt: Für drei Jahre nach dem Volllzug der Transaktion seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen und der Erhalt vergleichbarer Arbeitsbedingungen zugesichert. Das Geschäft könne Mitte kommenden Jahres abgeschlossen werden, abhängig von den regulatorischen Genehmigungen, so ein Sprecher in Leverkusen.

"Wir sind nicht beunruhigt, sondern sehen das als Chance. Wir avancieren zum zweitgrößten Hersteller in diesem Bereich auf der Welt", sagt KVP-Geschäftsführer Patrick Leonhardt. Die Entscheidung für den Verkauf an Elanco sei die positivste unter allen Mitbietenden, weil die Überlappungen im Produktportfolio nur minimal wären. Von daher gehe keine Gefahr für den Standort im Netzwerk aus.

Betriebsrat: Altersversorgung ist gesichert

Überzeugt von der Betriebsvereinbarung zeigt sich auch Olaf Masuch, der Betriebsratsvorsitzende bei KVP. Bislang habe es keine vergleichbare Regelung für den Standort Kiel gegeben. Man verbleibe in der Tarifstruktur und auch die Altersversorgung werde erhalten - Faktoren, die den Käufer viel Geld kosten würden. Dementsprechend sei die Stimmung auf der Betriebsversammlung heute Mittag auch positiv gewesen.

Die Perspektive für den Kieler Standort nennt Leonhardt sehr gut, die Auslastung des Werkes sei hoch. Man wolle an dem Investitionsprogramm festhalten, bei dem konsequent zweistellige Millionenbeträge in den Standort gesteckt werden.

Warum Bayer KVP verkauft

Doch warum wird überhaupt verkauft? "Wir nehmen beträchtliche Portfolioveränderungen vor und wollen uns auf die Bereiche Life Sciences und Ernährung konzentrieren", sagt der Leverkusener Bayer-Sprecher. Klar ist: Mit den Einnahmen aus dem Verkauf will Bayer den Schuldenberg drücken, der durch die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto entstanden war. Unlängst hatte Bayer bereits mit Anteilen an einem Chemieparkbetreiber Kasse gemacht.

Der Firmenteil, der nun verkauft wurde, kam 2018 auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, die Geschäfte waren profitabel. Zum Vergleich: Der Konzernumsatz lag bei knapp 40 Milliarden Euro.

Bayer stellt Floh-, Zecken- und Entwurmungsmittel her

Die Bayer-Sparte verkaufte Floh-, Zecken- und Entwurmungsmittel sowie Halsbänder zur Abwehr von Ungeziefer. Auch in ihrem Geschäftsbericht attestierten die Leverkusener der Sparte positive Perspektiven: Die Weltbevölkerung steige und es gebe höhere Durchschnittseinkommen. "Dies führt zu einem vermehrten Haustierbesitz und im Nutztierbereich zu einem steigenden Fleisch- und Milchkonsum" - dementsprechend steige auch die Nachfrage nach Arzneimitteln für Tiere.

Der neue Besitzer Elanco, das einst dem US-Pharmariesen Eli Lilly gehörte und von diesem an die Börse gebracht wurde, ist mit weltweit bisher 5600 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 3,1 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) eine feste Branchengröße. Die Firma sorgte bereits 2015 für Aufsehen, als sie die Tiergesundheitssparte des Schweizer Konzerns Novartis schluckte.

Verkehrsanbindung von KVP verbessern

Betriebsrat und Geschäftsführung in Kiel sind überzeugt, dass ihr Standort eine gute Zukunft unter dem neuen Eigentümer hat. Allerdings war die Verkehrsanbindung über die Projensdorfer Straße immer wieder ein Thema. "Wir wünschen uns definitv, dass die Zuwegung optimiert wird", sagt Leonhardt. Der Kieler Oberbürgermeister habe die Notwendigkeit dafür aber erkannt. Deshalb ist Leonhardt optimistisch, dass bei diesem Thema etwas geschehen werde.

Kämpfer und Buchholz sind optimistisch

„Es freut mich, dass für die Beschäftigten bei KVP in Kiel nun Klarheit herrscht“, sagt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). "Mit Elanco kommt ein Unternehmen aus der Tierpharma-Branche nach Kiel, das sich auf Wachstumskurs befindet." Er ist, ebenso wie Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), davon überzeugt, dass das Unternehmen mit seinem Umsatz von rund einer Milliarde Euro weiterhin eine gute Perspektive habe.

Für das Land und die Stadt Kiel müsse es nun darum gehen, so Buchholz, den Standort Kiel gegenüber den Erwerbern als attraktiven Produktionsstandort herauszustellen, damit Produktionsstätte und Arbeitsplätze gesichert und weitere Investitionen vorgenommen werden. Der Wirtschaftsminister: „Das lässt auch für die Zeit nach Ablauf der dreijährigen Beschäftigungsgarantie hoffen“ – zumal Bayer erst kürzlich 20 Millionen Euro in den Standort investiert habe.