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12:23 17.06.2019
Von Anne Holbach
Debattieren beim Waterkant-Festival über Datenschutz: Cathleen Berger von Mozilla und Organisator Alexander Ohrt. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Rund 1000 Besucher haben sich für das zweitägige Gründerevent auf dem Kieler MFG5-Gelände angekündigt. „Die Daten gehören dem, der sie erhebt. Eigentlich sollten sie aber der Person gehören, über die sie Auskunft geben“, sagte Jonas Dageförde, Chief Digital Officer der Stadt Kiel. Einigkeit herrschte im Workshop darüber, dass der Unmut darüber wächst, dass amerikanische Großkonzerne wie Google, Facebook oder Amazon die Herren über unsere Daten sind und sie zu Geld machen. 

Eine Lösung dagegen ist Dezentralisierung. „Wir brauchen viele kleine Player, die es trotzdem schaffen Plattformen zu bauen, die viele Menschen nutzen können“, sagte Digitalisierungsminister Jan Philip Albrecht (Grüne). Andernfalls sei die Abhängigkeit von Konzernen im Ausland, auf die wir politisch keinen Einfluss haben, zu groß und die Autonomie des Einzelnen gefährdet.

Ein Vorschlag: Soziale Netzwerke verbinden

Das Problem: Der Leidensdruck bei den Nutzern sei bislang zu gering. Nur einzelne kritische Nutzer wenden sich von großen Plattformen ab und wechseln zu kleineren Anbietern, die mit mehr Datenschutz punkten. „Wer weiter an der Community teilhaben will, der bleibt meist bei Facebook und Co., weil bei den Alternativen zu wenige Leute mitmachen“, sagt Dageförde.

Sinnvoll wäre laut Albrecht deswegen ein neues System als Brückentechnologie, das beispielsweise einzelne soziale Netzwerke miteinander verbindet. „So wie ich von meinem Telekom-Handy bei jemand anrufen kann, der O2-Kunde ist, könnte ich dann von Threema zu Whatsapp kommunizieren.“ Dann wäre die Qual zu wechseln geringer.

Eine Idee aus den USA für ein besseres Datenmanagement ist der sogenannte Solid Pod. Ein Benutzer soll dabei seine persönlichen Daten in einer Art Online-Speicher hinterlegen, auf den nur er Zugriff hat und er Anwendungen erlauben kann, Daten anzufordern. Prinzipiell keine schlechte Idee finden einige im Publikum, allerdings müssten Größen wie Facebook und Google sich erst einmal darauf einlassen. Zudem müsste abgesichert sein, dass ein solcher Speicher sicher und nicht zu hacken sei. 

Es sei wichtig, den Fokus auch auf Datenschutz zu setzen, wenn es um Innovationen gehe, sagte Cathleen Berger von Mozilla. Sie machte sich für mehr Open-Source-Lösungen stark. Produktentwicklung funktioniere bei Mozilla immer in enger Rückkoppelung mit der Community, was hohe Standards sicherstelle.

Berger nennt Mozilla und seinen Firefox einen „alten Hippie“ in der Digitalszene, der von Beginn an als gemeinschaftsgetriebenes Projekt gearbeitet habe. "Mozilla setzt sich seit seiner Gründung vor 20 Jahren für Datenschutz und Privatsphäre ein", so Berger. "Heute sehen wir zunehmend wie sich diese Themen im Mainstream verfestigen. Das Nutzerbewusstsein steigt deutlich."

Müll, Gaming, Reha - es gibt viele Themen

Neben Datenschutz widmet sich das Gründer-Festival Themen wie Plastik- und Müllvermeidung oder neuen Arbeitsformen. So wird beispielsweise in einer Ecke aller Müll, der auf dem Festival entsteht, gesammelt, um ihn sichtbar zu machen. Es ist eine Gaming-Area aufgebaut, in der Spieleentwickler aus der Region ihre Arbeit vorstellen. Nebenan steht der Sportverein KMTV mit dem Flugsimulator Icaros: In Bauchlage und mit einer Virtual-Reality-Brille kann hier die Rumpfmuskulatur trainiert werden. Das Gerät wird vor allem zu Reha-Zwecken eingesetzt. 

„Wir wollen den Spirit von Gründern feiern und inspirieren“, sagte Tim Logan vom Waterkant-Organisationsteam. So vermittelte Mitra Kassai bei der Eröffnung mit einem Musik-Bingo eindrucksvoll wie sie mit ihrem Start-up „Oll‘ lnklusiv“ Menschen über 60 Jahre in die Hamburger Clubs und aus ihrer Einsamkeit holt. Laut spielte sie Musiktitel ein, die erkannt und auf dem Kärtchen angekreuzt werden mussten. Ist eine Reihe voll, gibt es einen Eierlikör. Das funktioniert auch in der jungen, digitalen Szene. 

Datenschutz, Spieleentwicklung oder neue Arbeitsformen: Das Waterkant-Festival stellt in diesem Jahr eine breite Palette an Themen in den Fokus. 1000 Gründer haben sich zu der Veranstaltung angemeldet, die mal wieder unkonventionell daherkommt.

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