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Wirtschaft Bund muss Tempo bei Energiewende machen
Nachrichten Wirtschaft Bund muss Tempo bei Energiewende machen
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08:00 21.06.2018
Von Anne Holbach
So funktioniert die Energiewende: Die Minister Robert Habeck (li. unten) und Bernd Buchholz (Mitte) schauen sich mit Werner Beba (li.) und Michael Otto (3. v. re.) das Modell von NEW 4.0 an. Über Touchpads können dabei einzelne Abschnitte wie Windräder angesteuert werden. So wird spielerisch klar, vor welchen Herausforderungen die Energieversorgung steht. Quelle: Manuel Weber
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Kiel

Schleswig-Holstein erzeugt jede Menge Strom aus erneuerbaren Energien. Doch weder reichen die Netze aus, um ihn abzutransportieren, noch geht die Entwicklung von Speichermöglichkeiten so schnell voran, wie gewünscht. „Unternehmen und Forschung merken, dass eigentlich viel mehr gehen könnte“, sagte Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) auf dem Konsortialtreffen des Verbundprojekts NEW 4.0 von Hamburg und Schleswig-Holstein. Doch das enge Regelkorsett vom Bund drossele das Tempo.

Habeck: "In Berlin wird nicht energisch vorangegangen“

„In Berlin wird geklagt, gebremst und gezögert, aber nicht energisch vorangegangen“, kritisierte Habeck. Es brauche mehr Wagemut, wenn Deutschland nicht nur Erfolge im Klimaschutz wolle, sondern auch die Entwicklung neuer Technologien weder Asien noch anderen Ländern überlassen wolle. Doch je drängender die Klimaschutzfragen würden, desto mehr gehe dem Staat der Mut verloren, sagte Michael Otto, Umweltschützer und Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group: „Wenn ich aber die Zukunft nicht heute gestalte, dann ist es zu spät.“

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Gerade was das Thema Sektorenkopplung angehe, bei der Ökostrom nicht nur in Haushalte fließt, sondern auch Autos antreibt, müsse Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zügig für bessere Rahmenbedingungen sorgen, so Habeck. Auch das Abgabe- und Umlagesystem sei dringend reformbedürftig.

Buchholz: „Wir haben eine Chance, Vorreiter zu sein"

Anfang der Woche hatte das Land vermeldet, dass wegen Netzengpässen im vergangenen Jahr erneut 3000 Gigawatt Ökostrom abgeregelt werden mussten. Es sei Irrsinn, dass jährlich Millionen dafür gezahlt werden müssten, dass Anlagen zeitweise abgeschaltet sind, so Landeswirtschaftsminister Bernd Buchholz. „Der Netzausbau wird noch viel länger brauchen als gedacht.“

Am Dienstag sei der Chef der Bundesnetzagentur zu Gast gewesen, so der FDP-Politiker. „2025 wird nicht zu halten sein.“ Bis dahin sollten die Stromtrassen Südlink und Südostlink eigentlich fertig sein. Umso mehr müsse an Alternativen wie Wasserstoff gearbeitet werden, um Stromüberschüsse zu speichern. „Der Bund und einige Bundesländer scheinen nicht zu verstehen, wie viel Potenzial hier schlummert“, sagte Buchholz. „Wir haben eine Chance, Vorreiter zu sein, und dürfen die Innovationskraft nicht an uns vorbeigehen lassen.“