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Wirtschaft Makler kritisieren Barleys Pläne
Nachrichten Wirtschaft Makler kritisieren Barleys Pläne
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09:00 26.02.2019
Von Anne Holbach
Das Bestellerprinzip, das bereits bei Mietwohnungen gilt, soll verhindern, dass die Courtage allein den Käufer einer Immobilie belastet. Quelle: Bernd Settnik
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Berlin/Kiel

„Oft müssen Käufer enorme Maklerkosten tragen, obwohl der Verkäufer den Makler beauftragt hat“, sagte Barley der „Süddeutschen Zeitung“. Insbesondere in Regionen mit großer Wohnungsnot sei es üblich, dass die Provision allein vom Käufer gezahlt werde. Ein eigenes Zuhause werde dadurch „gerade für junge Menschen und Familien immer schwerer zu finanzieren“.

In Schleswig-Holstein wird Provision in der Regel aufgeteilt

Das treffe vielleicht auf Metropolen wie Hamburg, München oder Berlin zu, sagt Björn Petersen, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD. „Größtenteils ist die Realität aber eine andere“, sagt der Spiering-Geschäftsführer. In Schleswig-Holstein sei es marktüblich, die Maklercourtage aufzuteilen. Im Schnitt trage zwei Prozent der Provision der Verkäufer und drei Prozent der Käufer.

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Makler rechnen mit "erheblichen Einschnitten im Geschäft"

Diese Praxis hält auch Mark Meyer von Gerd Meyer Immobilien aus Plön für die sinnvollere Lösung als den Vorstoß aus Berlin. „Ich rechne mit erheblichen Einschnitten im Geschäft und weniger Aufträgen, sollte das Bestellerprinzip kommen“, so Meyer. Viele Hausbesitzer dürften sich dann dafür entscheiden, sich selbst um den Verkauf ihrer Immobilie zu kümmern, statt einen Profi einzuschalten.

Immobilienverband: Regelung entlastet Käufer nur scheinbar

Das Bundesjustizministerium hat ausgerechnet, dass die Makler mit jährlichen Umsatzeinbrüchen zwischen 660 und 750 Millionen Euro rechnen müssen. Zugleich sollen die Käufer bis zu drei Milliarden Euro sparen. „Das ist doch Augenwischerei“, sagt Petersen. Die Regelung entlaste die Käufer nur scheinbar: Selbst wenn der Verkäufer die Provision überweise, heiße das ja nicht, dass er sie auch wirklich zahle. Im Zweifel werde sie auf den Kaufpreis draufgeschlagen.

Otto Stöben fährt das Prinzip schon lange

Carsten Stöben vom Kieler Maklerunternehmen Otto Stöben blickt der Neuregelung gelassen entgegen: „Wir machen es schon seit über 30 Jahren so, dass nur der Auftraggeber zahlt.“ Das habe sich als praktikabel erwiesen.

Die Grünen hatten bereits im vergangenen Sommer im Bundestag einen Antrag eingereicht, das Bestellerprinzip auf den Immobilienkauf auszuweiten. In der Großen Koalition ist das allerdings umstritten. Das Bauministerium von Horst Seehofer (CSU) lehnt den Plan Barleys als „ungeeignet“ ab. Marco Wanderwitz, parlamentarischer Staatssekretär für Bauen, sagt: „Es gibt eine Vielzahl denkbarer Instrumente zur Senkung der Erwerbskosten, die wirksamer wären.“ Als Beispiel nennt er eine Senkung der Grunderwerbsteuer.