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Wirtschaft Bleiben bald die Dänen weg?
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18:59 22.04.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Dänische Kunden verladen auf dem Gelände des Scandinavianparks in Handewitt bei Flensburg ihren Einkauf. Quelle: dpa
Kopenhagen

Dänemarks Regierung macht zum 1. Juli Limonaden und Bier billiger, um die Masseneinkäufe eigener Bürger im benachbarten Deutschland zu bremsen. Finanzminister Bjarne Corydon sagte am Montag im Rundfunksender DR, die von einer breiten Parlamentsmehrheit getragen Abgabensenkungen sollten dem dänischen Einzelhandel nördlich der Grenze einen „kräftigen Wachstumsschub“ bringen.

Wegen der hohen Besteuerung zuckerhaltiger Getränke sowie auch von Bier decken die Bewohner grenznaher dänischer Bezirke ihren Bedarf überwiegend südlich der Grenze in Schleswig-Holstein. Nach Schätzungen der Industrie- und Handelskammer werden pro Jahr im nördlichsten Bundesland 800 Millionen Euro bei diesem Grenzhandel umgesetzt.

Die Steuer auf Sodawasser soll bis zum 1. Juli halbiert und 2014 ganz abgeschafft werden, die Biersteuer wird zum 1. Juli um 15 Prozent gesenkt. Durch die Verminderung der Abgaben wird ab 2014 eine dänische 1,5-Liter-Flasche Cola drei Kronen (40 Cent) billiger. Bei Bier ist die Abgabenminderung deutlich geringer. Das früher massive dänisch-deutsche Preisgefälle bei Alkohol ist in den letzten Jahren schrittweise geschrumpft, während die hohe Besteuerung zuckerhaltiger Sprudel in dänischen Supermärkten massiv teurer macht als südlich der Grenze.

Sollten die Änderungen wie angekündigt umgesetzt werden und es bei den genannten Zahlen bleiben, hätte dies laut Lothar Raasch von der IHK Flensburg „erhebliche Auswirkungen“ auf den Grenzhandel. „Sodawasser und Bier, diese Bereiche sind das Kerngeschäft.“ Allerdings habe sich der Grenzhandel in der Vergangenheit sehr stark ausgeweitet hinsichtlich der Sortimente, die gekauft werden. Zudem gebe es bei den Anbietern auf deutscher Seite im Grenzgebiet eine größere Auswahl als in den kleineren Geschäften in Süddänemark. Schon seit Jahren gebe es Einkaufstouren der Dänen aus dem Süden des Landes ins deutsche Grenzgebiet. „Das ist deren Einkaufsregion.“

Erik Holm Jensen von der Interessengemeinschaft der Grenzhändler sieht die Ankündigungen gelassen. Ein Karton mit 24 Dosen Bier etwa werde in Dänemark ungefähr 25 Kronen billiger, also künftig nur noch etwa 75 Kronen kosten. Im Grenzhandel gebe es aber drei Kartons für 120 bis 150 Kronen. Auswirkungen der Steuersenkungen würden zwar zu spüren sein, seien aber keinesfalls eine Bedrohung für den Grenzhandel.

Die Mitte-Links-Regierung von Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt präsentiert die Abgabensenkungen auf Sprudel und Bier als Teil eines umfassenden „Wachstumsplans“ zur Ankurbelung der dänischen Konjunktur. Hinzu kommen unter anderem die Senkung der Gewerbesteuer, Steuerbegünstigungen für Wohnungs- und Hausrenovierungen sowie für dienstliche Hotelübernachtungen und vermehrte staatliche Infrastruktur-Investitionen. Einnahmeausfälle für die Staatskasse durch diese Maßnahmen sollen auch durch Kürzungen bei der Sozialhilfe sowie den staatlichen Leistungen für Studenten ausgeglichen werden.