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Wirtschaft Ungewollt zum Google-Treffer
Nachrichten Wirtschaft Ungewollt zum Google-Treffer
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09:03 13.08.2018
Von Christin Jahns
Der Suchmaschinen-Riese Google arbeitet mit künstlicher Intelligenz, um Daten aus dem Netz zu verarbeiten. Werden Informationen wie Kontaktdaten aus verschiedenen Kontexten falsch verknüpft, kann es zu den verkehrten Angaben in der Branchensuche kommen. Quelle: Jeff Chiu
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Kiel

„Hallo, ich brauche einen Elektroinstallateur. Können Sie mir weiterhelfen?“ Bei den ersten Anrufern dachte Achim Bretzlaff noch, sie hätten sich ganz einfach verwählt. „Einige wollten wissen, wo sie ihre Bewerbungsunterlagen abgeben können. Da bin ich stutzig geworden und habe nachgefragt, wie sie darauf kommen, dass ich Elektroinstallateur bin und woher sie meine Nummer haben“, erzählt der gelernte Radio- und Fernsehtechnikermeister, der mit Elektroinstallationen nichts am Hut hat.

Eintrag führt auf die Kaimaninseln

Als die Anrufer ihm erzählten, dass sie ihn über die Branchensuche von Google Maps gefunden hätten, stellte Achim Bretzlaff Nachforschungen an und fand unter dem Suchbegriff „Elektroinstallateur Schülp“ tatsächlich ein Profil mit seinen Kontaktdaten, das er selbst nie angelegt hat.

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„Ich habe versucht, den Eintrag zurückzuverfolgen und bin dabei auf Seiten von den Kaimaninseln und Jersey gelandet und habe es schließlich aufgegeben“, sagt Bretzlaff. Bemühungen, den falschen Eintrag zu korrigieren, hat er aus Sorge vor weiteren unerwünschten Einträgen im Internet bislang nicht angestellt.

Die Kontaktaufnahme mit Google: Äußerst mühsam

Anders sieht es bei Sven Oke Jannichsen und seiner Frau Britta-Nicole aus Osdorf aus. „Wir wurden morgens, mittags und spät abends von Leuten angerufen, die meine Frau für eine Steuerberaterin hielten“, erzählt Sven Oke Jannichsen. Irgendwann hat er es nicht mehr ausgehalten und versucht, sich mit Google in Verbindung zu setzen. „Das war äußerst mühsam“, erinnert er sich. „Ich arbeite selbst in der IT-Branche und kenne mich ein bisschen aus. Als ich mit rechtlichen Schritten gedroht habe, kam endlich Bewegung in die Sache und der Eintrag wurde gelöscht.“ Von Google war dazu auf Anfrage am Freitag kein Statement erhältlich.

Vermutlich werden Daten falsch verknüpft

Nach welchem Muster die Fake-Einträge entstehen, können sich die Betroffenen oft nicht erklären. „Manchmal handelt es sich um Informationen, die absichtlich von jemandem falsch zur Verfügung gestellt wurden, zum Beispiel um eine Person zu ärgern oder zu belästigen“, sagt die Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, Marit Hansen. „Solche Fälle kommen vor, sind aber nicht so häufig, besonders nicht dort, wo zurückverfolgbare Datenspuren hinterlassen werden.“

Die Datenschützerin vermutet eher, dass bei den Zusammenhängen, die Anbieter mit künstlicher Intelligenz aus den Daten im Internet ableiten, ein gewisser Anteil an Fehlern passiert. So könnten die Programme annehmen, dass Daten, die auf derselben Webseite stehen, zusammengehören, obwohl sie in unterschiedlichen Kontexten auftauchen. Oder völlig verschiedene Informationen des gleichen Urhebers werden vom Algorithmus verlinkt und als zusammengehörig interpretiert.