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Wirtschaft Norden wächst so stark wie Bayern
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21:43 24.09.2019
Von Anne Holbach
Sorgenkind ist das verarbeitenden Gewerbe mit einem Rückgang von 4,1 Prozent. Quelle: Uwe Anspach
Kiel

Deutschland kam beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt auf ein Plus von 0,4 Prozent. „Damit zahlt sich ein weiteres Mal aus, dass sich Schleswig-Holstein auf einen breit aufgestellten Mittelstand stützen kann, während die anderen Länder die konjunkturelle Schwächephase deutlich schärfer zu spüren bekommen“, sagte Landeswirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Spitzenreiter ist Berlin

Zwar fiel der BIP-Anstieg in Schleswig-Holstein geringer aus als noch in den ersten sechs Monaten in 2018, damals lag er bei 1,3 Prozent. Allerdings konnten dieses Jahr nur Berlin (1,9 Prozent), Hamburg (1,6) und Mecklenburg-Vorpommern (1,5) den Wert aller erzeugter Güter und Dienstleistungen noch stärker erhöhen als Schleswig-Holstein. Der Norden lag beim Wachstum gleichauf mit den sonst so starken Bayern.

Auf- und Abschwung kommen in Schleswig-Holstein langsamer an

„Die Branchen, die schnell auf konjunkturelle Entwicklungen reagieren, sind weniger in Schleswig-Holstein und mehr in Süddeutschland ansässig“, sagt Martin Kruse, Konjunkturexperte der Industrie- und Handelskammer zu Kiel. „Dieser Trend gilt jedoch für den Abschwung gleichermaßen wie für den Aufschwung. Klar ist, dass auch der vergleichsweise krisenfeste Mittelstand in Schleswig-Holstein leidet, sobald sich die Konjunktur abkühlt.“

Rückgänge im verarbeitenden Gewerbe

Nicht zufriedenstellend sei der Rückgang von 4,1 Prozent im verarbeitenden Gewerbe, sagte Buchholz. Dort seien Sondereinflüsse im Maschinenbau, in der Papierherstellung, der Chemie und bei Windanlagen ausschlaggebend gewesen. Darin dürfte sich auch die Pleite vom Windanlagenbauer Senvion niederschlagen. Insolvenzen einzelner Unternehmen können statistisch verstärkend wirken, wenn sie groß genug seien, hieß es dazu von der IHK.

Die Industrie sei eine Branche mit hoher Produktivität und ein Innovationstreiber, an der viele Arbeitsplätze hängen, so Kruse. Zudem sei sie international stärker verflochten als andere Bereiche. „Es überrascht daher nicht, dass sie sich an der Spitze des Konjunkturzuges befindet und die Abkühlung recht früh zu spüren bekommt.“

IHK wünscht sich bessere Rahmenbedingungen

Die Entwicklung stelle daher nicht die Schwäche einer Branche dar, um die man sich besonders sorgen müsste. Im Vergleich zum ersten Quartal 2019 habe sich die Risikowahrnehmung in der Industrie auch bei vielen Faktoren bereits leicht abgemildert, wie der IHK-Konjunkturklimaindex zeige.

Gerade in Zeiten konjunktureller Schwäche müsse die Politik die Rahmenbedingungen so setzen, dass sich die Unternehmen schnellstmöglich erholen können, so Kruse. „Das Land arbeitet mit seinen Partnern intensiv daran, die Rahmenbedingungen für die Industrie im Land zu verbessern – etwa durch die Fachkräfte-Initiative“, sagte Buchholz.

Stimmung in deutscher Wirtschaft verbessert sich leicht

Bundesweit hat sich laut dem Münchner Forschungsinstitut Ifo die Stimmung in der Wirtschaft im September wieder etwas verbessert. Das Geschäftsklima stieg um 0,3 auf 94,6 Punkte, nachdem es im August noch den tiefsten Stand seit November 2012 erreicht hatte.

„Der Abschwung macht eine Pause“, berichtete Ifo-Präsident Clemens Fuest. In der Industrie versprächen die aktuelle Entwicklung der Nachfrage und die Produktionspläne aber keine Besserung in den kommenden Monaten. Eine positive Entwicklung zeigte sich hingegen im Bereich Dienstleistungen.

Baugewerbe entwickelt sich weiter gut

In Schleswig-Holstein lag der Zuwachs in den Dienstleistungsbereichen leicht unter dem Bundesschnitt. Besonders erfreulich sei dagegen die Entwicklung im Baugewerbe mit einem Plus von 8,9 Prozent, so Buchholz. „Hier zeigt sich, dass der Sanierungsstau der Vergangenheit endlich konsequent beseitigt wird.“

Laut IHK berichten zwei Drittel der Unternehmen aus der Baubranche von guten Geschäften, auch der Auftragsbestand befindet sich demnach auf hohem Niveau. Kruse prognostiziert, dass das Baugewerbe weiterhin positive Impulse erhalte, solange die Europäische Zentralbank weiter für niedrige Zinsen sorge.

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