Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Büchersendungen werden deutlich teurer
Nachrichten Wirtschaft Büchersendungen werden deutlich teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 29.07.2019
Von Anne Holbach
Büchersendungen werden deutlich teurer. Das verärgert die Buchhändler und Inhaber von Antiquariaten aus Schleswig-Holstein. Quelle: Uwe Zucchi
Kiel

Bei einem Kilo Gewicht kostet der Bücherversand nun 2,20 Euro statt zuvor 1,70 Euro. Das trifft Antiquariate und Buchhandlungen in Schleswig-Holstein schmerzlich. Auch kleinere Verlage blicken mit Sorge auf die Entwicklung.

„Die Portoerhöhung ist enorm, zudem ist es die zweite in kurzer Folge“, sagt Thomas Koch, Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Bereits 2018 hatte die Post die Gebühren für Büchersendung um 20 Cent angehoben. „Gerade kleine Buchhandlungen benötigen eine bezahlbare Möglichkeit Bücher zu versenden. Sonst können sie sich gegenüber dem reinen Online-Handel nicht behaupten.“

Kostenfreier Versand war ein Privileg

Gerd Kieckbusch von der Buchhandlung am Gänsemarkt in Eckernförde spricht von einer „erheblichen Belastung“, die auf ihn zukomme – auch wenn bei ihm das Ladengeschäft überwiegt. „Das trifft uns als kleine Buchhandlung sehr“, sagt er.

„Es ist immer ein Privileg gewesen, dass wir einen kostenfreien Versand ermöglichen konnten.“ Das werde nun schwieriger. Die Büchersendung wurde vor Jahrzehnten als preiswerte Versandalternative eingeführt, um das Buch als Kulturgut zu fördern.

Buchversand: Bei Nordbrief keine Portoerhöhung

Die Kieler Buchhandlung Erichsen und Nierenheim arbeitet nach eigenen Angaben mit Nordbrief zusammen, der Anbieter hat bislang nicht sein Porto für Büchersendungen an das Niveau der Post angeglichen. Sollte das relevant werden, müsse er aber darüber nachdenken, die Kosten den Kunden in Rechnung zu stellen, sagt Wolfgang Erichsen.

Bücherwurm in Kiel legt Portoerhöhung auf Kunden um

Dafür hat sich Christoph Bünger vom Kieler Antiquariat Bücherwurm schon entschieden: „Ich habe mir genau durchgerechnet, ob ich die Portoerhöhung an die Kunden weitergeben muss oder nicht“, sagt er. Letztendlich habe er die Versandkosten ab Juli für seine Kunden von drei Euro auf 4,50 Euro erhöht. Ohnehin zahle er beim Verschicken häufig drauf.

„Bücher sind eben schwer und sobald eine Bestellung über ein Kilo wiegt, wird es kritisch.“ Dann müsse er auf ein Paket umsteigen, das deutlich mehr koste. In seinem Antiquariat läuft etwa 60 Prozent des Geschäfts über das Internet, weil viele Bestellungen aus anderen Städten kommen. Bislang habe seine Erhöhung der Versandkosten nicht dazu geführt, dass weniger Leute etwas geordert hätten.

Börsenverein legte Beschwerde beim Bundeskartellamt ein

Der Börsenverein hat im Juni 2019 beim Bundeskartellamt bereits Beschwerde gegen die Post eingelegt, weil der Konzern aus Sicht des Verbands seine marktbeherrschende Stellung missbraucht. Noch hat der Börsenverein darauf keine Reaktion bekommen.

Nach den Klagen aus der Branche hat die Post die Einführung der neuen Preiskategorien aber immerhin vom 1. Juli auf den 1. Januar 2020 verschoben. „Die geänderten Preise und neuen Maximalmaße bringen für einige Kunden besondere Herausforderungen mit sich, die dazu führten, dass die Umstellung nicht rechtzeitig zum Stichtag erfolgen konnte“, sagt eine Sprecherin. Deswegen habe die Post den Kunden eine Übergangsfrist bis zum Jahresende eingeräumt.

Der Konzern begründet das höhere Porto mit steigenden Kosten für Löhne und Logistik, mit denen sich das Unternehmen konfrontiert sieht, und die über angemessene Preise refinanziert werden müssten. Deswegen habe der Konzern auch sein Portfolio für Waren- und Büchersendungen von sechs auf zwei Angebote reduziert. Damit gelten nun neue Maximalmaße: Die Buchsendungen dürfen nur noch 35,5 Zentimeter breit, 25 Zentimeter lang und fünf Zentimeter dick sein. „Nach unserer Einschätzung wird es in sehr vielen Fällen möglich sein, die grundsätzlich kompakten und dabei schweren Bücher zum Beispiel zu einem vergleichsweise geringem Aufpreis mit dem Großbrief zu versenden, der zudem eine bessere Laufzeit als die Büchersendung bietet“, sagt eine Sprecherin.

Höherer Portopreis erhöht den Konkurrenzdruck zu Amazon

Auch das sieht der Verband der Buchhändler anders: „Durch die Veränderung der zulässigen Maße werden etwa ein Drittel der bisher versendeten Bücher nicht mehr als Büchersendung gelten können“, sagt Koch. „Buchhändler und Verlage werden gezwungen sein, zukünftig auf die um ein Vielfaches teureren Produkte aus der Paketsparte umzusteigen.“

Das erhöhe den ohnehin großen Konkurrenzdruck zu Amazon, weil der Handelsriese deutlich bessere Konditionen erhalte als kleine Buchhändler. Wie diese aussehen, dazu will sich die Deutsche Post nicht äußern.

Die Post gefährde nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittelgroßen Buchhandlungen, sondern auch die Vielfalt des Buchmarktes, kritisiert der Börsenverein. Für kleine und mittlere Verlage sei der Postweg elementar, um einzelne Bücher zu versenden, die in der Breite nicht vorkommen.

„Der Sonderstatus des Kulturgutes Buch geht damit verloren“, glaubt Alix Paulsen von der Verlagsgruppe Husum. Gerade bei dünnen Bänden sei wohl kaum jemand bereit, soviel für das Porto zu zahlen, wie das ganze Leseheft wert sei. „Bücher, die sich nicht im Gesamtprogramm der Großhändler befinden, werden kaum noch den Weg zum Kunden finden“, befürchtet sie. Das hohe Porto mache den Direktbezug unattraktiv.

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein lesen Sie hier.

Für ihre Steuererklärung haben die Bundesbürger in diesem Jahr erstmals mehr Zeit. Doch dafür lassen die Finanzämter eine neue Strenge walten – wer trotz Pflicht dazu am 31. Juli nicht abgegeben hat, muss mit saftigen Strafen rechnen.

29.07.2019

Intelligente Stromzähler sollen den Energieverbrauch reduzieren – und so auch den Klimaschutz voranbringen. Viele aktuell verfügbare Geräte bringen aber „kaum einen Mehrwert“, urteilt mittlerweile der Energieversorger EON.

29.07.2019

Die Eröffnung des BER-Flughafens verzögert sich immer und immer wieder. Brandmelder, Dübel und Kabel gehören lange zur Mängelliste. Jetzt steht ein wichtiger Test an der Dauerbaustelle an.

29.07.2019