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Wirtschaft Die „Business Punks“ aus dem Norden
Nachrichten Wirtschaft Die „Business Punks“ aus dem Norden
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12:00 20.05.2019
Von Anne Holbach
Finanzrocker: Ümit Mericler mit Gitarre und dem Buch "Soundtrack für Vermögenswerte". Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Tom ist 29 Jahre alt. Der Kieler Heavy-Metal-Gitarrist hat sein Studium abgebrochen, kommt finanziell gerade so über die Runden und wartet auf den großen Durchbruch. Bis er auf einem Klassentreffen realisiert, dass er sich mehr mit dem Thema Geld auseinandersetzen müsste. Das ist das Setting, das sich Daniel Korth und Ümit Mericler für ihr Buch „Soundtrack für Vermögenswerte“ ausgedacht haben. Auf knapp 300 Seiten mischen die Autoren die fiktive Geschichte über den Musiker mit Fakten zum Vermögensaufbau.

Der Musiker und sein Soundtrack für Vermögenswerte

„Wir haben festgestellt, dass die meisten Menschen eine gewisse Idee von Finanzen haben. Viele glauben aber, das sei alles zu kompliziert und man müsse lieber einen Fachmann ranlassen. Dabei schafft man vieles selbst“, sagt Mericler. Der im Eigenverlag erschienene „finanzielle Bildungsroman“ – so der Untertitel – liefert dabei kein Idealrezept, wie Leser reich werden können.

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Vielmehr stellt er verschiedene Möglichkeiten vor, Vermögen aufzubauen und sinnvoll mit den eigenen Ressourcen zu wirtschaften. So wird beispielsweise anhand eines Ratenkredits für teure Lautsprecher erklärt, wann Schulden vermeidbar sind. Es gibt genauso Kapitel zum Geldverdienen über den Verkauf von gebrauchten Dingen auf Flohmärkten wie Ausführungen über Anlagen in Aktien, Gold oder Immobilien.

Finanzanlagen verständlich in Romanform

Ein Jahr lang hat das Duo für das Buch gebraucht. Die Kapitel schrieben sie im Wechsel, je nach Themeninteresse und Expertise. Beide Autoren haben keinen Banker-Hintergrund.

Der Lübecker Daniel Korth nahm seine Geldanlagen vor einigen Jahren selbst in die Hand, nachdem er einem Anlageberater gutgläubig vertraut hatte und auf diese Weise viel Geld verlor. Der 39-Jährige bloggt seit vier Jahren über Finanzthemen und befasst sich in seinem Podcast namens Finanzrocker beispielsweise mit Wertpapierhandel oder Crowdinvesting.

Seine Erfahrungen hielt er bereits in seinem Buch „Jetzt rocke ich meine Finanzen selbst“ fest. Mericler war ein regelmäßiger Hörer des Finanzrockers und lernte Korth auf dem Kieler Barcamp kennen. Als er von dessen Idee für ein zweites Buch hörte, war der gelernte Journalist begeistert und bot seine Hilfe an. Mericler arbeitet als Programmierer, auch er hat sich sein Finanzwissen selbst angelernt.

„Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt“, sagt der 43-Jährige. Eine Botschaft des Buches sei, dass man sich ruhig an das Thema Geldanlage herantrauen soll. Vielen Bankberatern hafte der Ruf an, dass sie nur die eigenen Produkte verkaufen wollten. „Wenn sie da im Anzug und Schlips vor einem sitzen, schafft das eine gewisse Distanz“, sagt Mericler. Da trauten sich viele Menschen nicht, all das zu fragen, was sie eigentlich nicht verstehen. Korth und er wollen auf Augenhöhe über Finanzthemen informieren.

Daniel Korth und Ümit Mericler wollten kein Sachbuch

Das Duo entschied sich gegen ein reines Sachbuch, damit nicht das Gefühl entstehe, sich durch seitenweise Information durcharbeiten zu müssen. „Da fehlte uns der Pfiff“, sagt Mericler. Und so betteten die Autoren ihre harten Fakten über den Vermögensaufbau in die Story über Musiker Tom ein. Vorbild sei das Kinderbuch „Ein Hund namens Money“ gewesen, wo ein Labrador erklärt, wie der Umgang mit Geld geht. Im „Soundtrack für Vermögenswerte“ sind es Freunde, Familie und Bekannte, die Tom das Thema näher bringen.

Der Lübecker Daniel Korth betreibt den Podcast Finanzrocker und hat das Buch "Soundtrack für Vermögenswerte" geschrieben.

Korth kommt aus der Metal-Szene, Mericler bewegt sich eher im Hardrock. „Wir kennen beide solche mittellosen Musiker wie unseren Protagonisten, die auf den großen Plattendeal warten“, sagt Mericler. Ein konkretes Vorbild aus dem Bekanntenkreis gebe es aber nicht. Vielmehr seien alle Figuren holzschnittartig zusammengesetzt.

Zielgruppe sind junge Menschen Ende Zwanzig

Die Szenen spielen in einem Probenraum in der Bergstraße, im Fußballstadion beim HSV-Spiel und in Kieler Kneipen wie dem Taktlos oder dem Hafenjungen, die im Roman anders heißen. Der Wechsel zwischen Sachbuch-Passagen und fiktiver Handlung gelingt an einigen Stellen gut, manches Mal wirken die Gespräche mit Kumpels, die über Finanzen dozieren, aber etwas gewollt und konstruiert.

Zielgruppe des Buches sind laut Mericler junge Menschen, die Ende Zwanzig sind und gerade in den Beruf einsteigen. Er sieht den Roman nicht nur als Anleitung zum Vermögensaufbau, sondern es gehe auch um Eigenmotivation und Persönlichkeitsentwicklung. „Wer spart und investiert und dann sieht, wie sich das Geld vermehrt, der bekommt mehr Selbstbewusstsein“, sagt der 43-Jährige.