Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Wirtschaft Carsharing: Branchenführer kommen nicht nach Schleswig-Holstein
Nachrichten Wirtschaft Carsharing: Branchenführer kommen nicht nach Schleswig-Holstein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:55 11.10.2019
Von Clemens Behr
Carsharing wird immer populärer. Das Angebot in Schleswig-Holstein könnte jedoch größer sein, meint das Verkehrsministerium. Quelle: Robert Morel
Kiel

Es ist viel Bewegung auf dem Carsharing-Markt. Die deutschen Branchenführer Drive Now (BMW) und Car2Go (Daimler) fusionieren gerade zu „Share Now“. Gleichzeitig treten neue Anbieter auf den Markt – obwohl es ökologische Zweifel an dem Modell gibt. In Schleswig-Holstein – auch in der Landeshauptstadt – tut sich bislang allerdings wenig.

Statt Auto wird angenommen – doch nicht überall in Kiel

Mit Statt Auto und Flinkster sind nur zwei Anbieter in Kiel vertreten. Flinkster, der Carsharing-Dienst der Deutschen Bahn, hat in Kiel allerdings nur einen kleinen Fuhrpark. Am Hauptbahnhof und am Kai-City-Center steht eine Handvoll Autos abfahrbereit.

Deutlich stärker ist das Unternehmen Statt Auto präsent. Der „Local Player“ bietet auch in Preetz, Kronshagen oder Lübeck seinen Service an – 110 Fahrzeuge parken allein in der Kieler Bucht. Die Flotte ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Für Steffen Thiemann von Statt Auto ein Zeichen, dass das Thema Carsharing in Kiel grundsätzlich angenommen wird. Zumal die Ertragslage in Kiel insgesamt besser ist als in Lübeck. Er schränkt jedoch ein: „Natürlich haben wir gut ausgelastete und weniger stark frequentierte Stationen.“ Außerhalb der Innenstadt würden die Autos deutlich weniger nachgefragt und auch am Ostufer gestalte sich das Geschäft schwierig.

Auf dem Land: Das Dörpsmobil

Dass Carsharing nicht nur in der Stadt funktionieren kann, zeigt das „Dörpsmobil“. Unter dem Motto „Wir bewegen das Dorf!“ ist das Mobil seit 2016 in ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins unterwegs. Entwickelt wurde das Konzept in Klixbüll im Kreis Nordfriesland. Doch auch an der Ostseeküste rollen die ersten Dörpsmobile, die von Gemeinden, Trägervereinen, Unternehmen oder Privatpersonen verwaltet werden. Das Gemeinschaftsauto ist eine Ergänzung zum Öffentlichen Nahverkehr auf dem Land und soll zudem eine lebendigere Ortsgemeinschaft schaffen. Darüber hinaus weist das Dörpsmobil eine vorbildliche Umweltbilanz auf: Angetrieben mit möglichst regional produziertem Öko-Strom, soll es auch den ein oder anderen Zweitwagen ersetzen.

Beim klassischen Carsharing-Modell werden Autos an festen Stationen im Stadtgebiet ausgeliehen und an gleicher Stelle wieder abgestellt. Statt Auto verfolgt dieses Modell seit der Gründung 1991 und fährt damit gut. Das Unternehmen ist als Genossenschaft organisiert, Gewinne werden in die Flotte reinvestiert. „Wir kommen mit unserem Geld durchaus zurecht“, sagt Thiemann. Rund 1,5 Millionen Umsatz macht Statt Auto im Jahr.

Marktführer Share Now will nicht nach Kiel

Anders funktioniert das Freefloating: Hier können Leihautos innerhalb bestimmter Zonen abgeholt und geparkt werden. Auch Share Now verkehrt so. In Kiel ist der Branchenriese nicht vertreten, konzentriert sich stattdessen auf Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München. Funktioniert die Ökonomie des Teilens nur in Großstädten? „Derzeit planen wir nicht, unseren Service in Kiel anzubieten, möchten das für die Zukunft aber auch nicht ausschließen“, teilt Share Now auf Anfrage mit. Letztlich müsse eine gewisse Auslastung gewährleistet sein, damit das Geschäftsmodell profitabel sei.

Das bestätigt auch Thiemann. Denn seit drei Jahren hat auch Statt Auto mit „Car.Los“ ein Freefloating-Angebot. „Die Profitabilität ist grenzwertig. Die Nutzung könnte größer sein.“ Doch „Car.Los“ ist aktuell noch in der Testphase – die geht noch ein weiteres Jahr. Zwölf Fahrzeuge können im zentralen Kieler Stadtgebiet gefahren werden. „Aktuell handelt es sich um ein Zusatzangebot, das unser stationäres Modell abrundet.“ Ob das in Kiel Zukunft hat, wird sich zeigen.

Ministerium will „keine Steine in den Weg legen“

In der Landesregierung würde man eine Ausweitung des Carsharing-Angebots im Land getreu dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ begrüßen. „Vermutlich könnte durch ein größeres Angebot und damit stärkere Präsenz von Carsharing-Fahrzeugen im öffentlichen Raum auch mehr Nachfrage oder Interesse generiert werden“, teilt eine Sprecherin des Verkehrsministeriums mit. Steine lege man bestehenden und neuen Anbietern nicht in den Weg. „Mehr als ideell unterstützen können wir aber schon aus Sicht der Gleichbehandlung nicht.“

Flugtaxis statt Sportwagen - der Autobauer Porsche will offenbar ein neues Geschäftsfeld erschließen. Nun gaben die Zuffenhausener bekannt, mit Boeing an elektrisch betriebenen Luftfahrzeugen zu arbeiten.

11.10.2019

Seit 2014 lenkte Bill McDermott die Geschicke des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns an der Vorstandsspitze - nun tritt er überraschend zurück. Auf den alleinigen Chef folgt nun ein Führungsduo.

11.10.2019

Das staatliche saudische Ölunternehmen Saudi Aramco will an die Börse - und plant vollmundig den größten Gang an den Aktienmarkt aller Zeiten. Analysten sehen den möglichen Einfluss der Herrscherfamilie kritisch. Und: Es droht das Ende des Ölzeitalters.

10.10.2019