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Wirtschaft Commerzbank: Müssen acht Filialen schließen?
Nachrichten Wirtschaft Commerzbank: Müssen acht Filialen schließen?
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12:24 26.09.2019
Von Anne Holbach
Die Commerzbank sucht nach Rezepten gegen Zinstief und Ertragsschwäche. Quelle: Marius Becker
Quickborn/Frankfurt.

Laut Strategieprogramm droht in Deutschland die Streichung von rund 2300 Stellen. Am Donnerstag soll der Aufsichtsrat über die Eckpunkte entscheiden. Zudem soll die Online-Tochter Comdirect mit Sitz in Quickborn komplett im Mutterkonzern aufgehen. Das könnte weitere Einschnitte bedeuten. Wie viele Jobs in Schleswig-Holstein verloren gehen, ist laut Gewerkschaft Verdi noch unklar. Am Freitag will Commerzbank-Chef Martin Zielke die Ergebnisse erläutern.

Commerzbank warb mit dichtem Filialnetz

Vor ein paar Jahren hatte die Commerzbank noch damit geworben, dass sie anders als ihre Mitbewerber der Fläche treu bleibe. Werbespots zeigten Szenen von Beratungsgesprächen, während denen Umzugsfirmen die Büros leer räumten. Der Slogan: „Immer mehr Banken schließen. Aber wir bleiben an Ihrer Seite“.

Das kann sich die Commerzbank nun offensichtlich nicht mehr leisten. Das vergleichsweise große Filialnetz mit etwa 1000 Standorten in Deutschland soll ausgedünnt werden und etwa 200 Zweigstellen schließen. In Schleswig-Holstein gibt es aktuell 40 Filialen mit etwa 360 Mitarbeitern. Würde hier im gleichen Umfang abgebaut wie bundesweit geplant, hieße das, acht Filialen könnten dicht machen.

Finanzexperte: Schritt ist wirtschaftlich nachvollziehbar

„Wirtschaftlich ist es verständlich, dass sich Banken aus der Fläche zurückziehen. Immer weniger Kunden gehen noch regelmäßig in eine Filiale und dort Personal vorzuhalten, kostet Geld. Gleichzeitig ist die Ertragslage der Banken schlecht“, sagt der Kieler Finanzwissenschaftler Prof. Peter Nippel.

Das klassische Bankgeschäft, bei dem über die Zinsen für Kredite Geld eingenommen wurde, funktioniere nicht mehr. „Es wird immer schwieriger für Banken etwas zu verdienen. Daran trägt die Europäische Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik mindestens eine Mitschuld.“ Den Geldinstituten bleibe es nur, sich nach neuen Geschäftsfeldern umzusehen und zugleich Kosten zu sparen. „Das beobachten wir jetzt hautnah anhand der geplanten Filialschließungen bei der Commerzbank“, so Nippel.

2300 Jobs sollen wegfallen

Ein weiterer konzernweiter Stellenabbau sei leider unvermeidbar, hatte das Unternehmen bereits mitgeteilt. Schon in den vergangenen Jahren war die Belegschaft erheblich geschrumpft. Zuletzt beschäftigte die Commerzbank rund 40700 Vollzeitkräfte, davon sollen 4300 wegfallen. Weil gleichzeitig in strategischen Bereichen wie Vertrieb, IT und Regulatorik 2000 Arbeitsplätze geschaffen werden, bleibt unterm Strich ein Minus von 2300 Jobs.

Wie viele der 360 Mitarbeiter in Schleswig-Holstein betroffen sind, könne die Gewerkschaft derzeit noch nicht sagen, hieß es von Verdi. Die Gewerkschaft hatte aber schon klargemacht, dass sie kein Einsparpotenzial bei Arbeitsplätzen in den Filialen sieht. „Jeder weitere Personalabbau wäre eine Operation am offenen Herzen“, sagte Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann.

Verschmelzung mit der Comdirect

Veränderungen für den Bankenstandort Schleswig-Holstein dürfte auch der Plan bringen, die Quickborner-Tochter Comdirect mit der Commerzbank zu verschmelzen. Durch die fortschreitende Digitalisierung hätten sich die Geschäftsmodelle immer stärker angeglichen, begründete die Commerzbank den Schritt.

Bislang hält sie 82 Prozent an der Online-Bank. Der Konzern will den anderen Aktionären für ihre Anteile einen Preis anbieten, der 25 Prozent über dem unbeeinflussten Aktienkurs liegt. Das Geld dafür soll aus dem Verkauf der polnischen Tochter „mBank“ kommen.

Abbau von Doppelstrukturen könnte auch Vorstand treffen

„Dass die Commerzbank eine stärkere Integration der Comdirect plant, überrascht mich nicht“, sagt Finanzexperte Nippel. „Bislang gab es hier ein Nebeneinander von zwei Teilen des Konzerns, bei dem man sich selber Konkurrenz machte.“ Nun werde versucht, Doppelstrukturen abzubauen. Das könne sogar die Vorstandetage treffen.

1100 Menschen arbeiten bei Comdirect in Quickborn

Die Comdirect hat derzeit 1300 Mitarbeiter, davon sind 1100 am Hauptsitz in Quickborn beschäftigt. Wie sich eine Verschmelzung mit der Commerzbank auswirke, sei noch ungewiss, so eine Sprecherin. Man müsse abwarten, was der Aufsichtsrat diese Woche entscheide.

„Ich gehe davon aus, dass bei der Comdirect weniger Stellen wegfallen werden als beim Mutterkonzern“, so Nippel. „Die Spezialisten im Digitalbanking sitzen auf relativ sicheren Arbeitsplätzen, weil ihre Expertise für den wachsenden Onlinemarkt gebraucht wird. Allerdings wird die Commerzbank sicher versuchen, auch im Digitalbereich ihre Kompetenzen zu bündeln, so dass einige Jobs wegfallen dürften.“ Das treffe aber wohl deutlich weniger Arbeitsplätze als die Schließung von bundesweit tausenden Filialen.

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