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Wirtschaft Alarmruf: Bühnentechnik wird Ladenhüter
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09:00 12.03.2020
Von Ulrich Metschies
Alle Räder stehen still, denn die Nachfrage nach Bühnen- und Veranstaltungstechnik ist komplett abgerissen. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel.

 Selbst Firmen, die sich über steigende Umsätze freuen können – wie etwa Schulz Industriereiniger aus Kiel – blicken verunsichert in die Zukunft: Wenn die Menschen nicht mehr essen gehen oder irgendwann Schulmensen schließen, dann müssen auch Großküchen weniger geputzt werden. Quer durch die Bank geht die Hoffnung, dass der Spuk im Sommer vorbei ist. Falls nicht, könnte das für manchen Betrieb das Ende bedeuten.

Eine Absage jagt die nächste

André Zettner zählt nicht nur sein Unternehmen zu den großen Corona-Verlierern, sondern sämtliche Firmen, die sich auf Veranstaltungs- und Bühnentechnik spezialisiert haben. Zettner ist Gründer von Contzept mit Sitz in Melsdorf. Mit gut 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stattet das Unternehmen bundesweit Publikumsevents mit allem aus, was technisch nötig ist – vom Bühnenbau über die Beschallung bis hin zu Beleuchtung und Video. Contzept ist Tourbegleiter von Pur, Tim Bendzko, Johannes Oerding und Fanta 4.

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Was, wenn es bis Herbst so weitergeht?

Bei fast allen Veranstaltungen in der Kieler Sparkassen Arena sind die Melsdorfer dabei und bei der Kieler Woche sowieso. Nun das: Eine Absage jagt die Nächste. So gut wie keine neuen Aufträge kommen rein, und niemand weiß, wie lange das noch so weitergeht. Um „90 bis 100 Prozent“, sagt Zettner, sei sein Umsatz eingebrochen. Noch kann das Unternehmen das wegstecken, noch gibt es keine Kündigungen. Um die Folgen abzufedern, prüft Contzept jedoch Kurzarbeit. Richtig brutal allerdings wird es, wenn das Verbot von Großveranstaltung nach Ostern nicht endet. Wenn die Kieler Woche ins Wackeln kommt und all die vielen Festivals im Sommer auf der Kippe stehen.

Brandbrief an den Ministerpräsidenten

Von einem „nie dagewesenen Cut“ sprich Andreas Waschkowski von Opus Showtechnik aus Kiel. „Bis vor 14 Tagen haben wir noch guter Dinge Mitarbeitergespräche geführt und investiert – in der Hoffnung auf ein gutes Jahr.“ Was sich nun abspiele, sei „absolut dramatisch“. Um diese Dramatik auch der Politik gegenüber zum Ausdruck zu bringen, haben sich 17 Unternehmen der Branche zusammengetan und einen offenen Brief an Ministerpräsident Daniel Günther verfasst. Die wichtigsten Forderungen: Stundung von Steuern und Abgaben, Liquiditätsbeihilfen, Unterstützung bei der Sicherung von Ausbildungsplätzen. Die Lage, so heißt es in dem Schreiben, sei jetzt so dramatisch, dass in Einzelfällen bereits vorsorglich Kündigungen ausgesprochen worden seien: „Sollte sich an dieser Situation nichts ändern, besteht die Gefahr von einer Vielzahl von Insolvenzen.“

Die Renaissance der Konservendose

Hersteller von Desinfektionsmitteln und Hygieneartikeln, der Lebensmittelhandel, Mineralbrunnen: Natürlich gibt es Branchen, die Corona gute Geschäfte verdanken. Doch niemand möchte als Profiteur dastehen. So geht es auch einem Hersteller von Fertiggerichten aus Schleswig-Holstein, der seinen Namen lieber nicht im Netz lesen möchte. „Wir erleben eine Renaissance der Konservendose“, berichtet ein Sprecher. Die Nachfrage sei sehr stark, noch jedoch könne man so viel produzieren, wie der Handel auch ordert. Doch dieser Boom habe einen faden Beigeschmack: Angesichts der ernsten Entwicklung gebe es zur Freude keinen Anlass.

Auch Messebauer geraten in Not

Ausnahmezustand auch bei den Messebauern im Land: „Es hagelt Absagen, die Verunsicherung bei Kunden und Veranstaltern ist riesig“, sagt Jan Bustorff, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienunternehmens mit Sitz in Trittau. Nach dem großen Hammer, der Absage der Tourismusmesse ITB in Berlin („Da waren wir schon voll am Wirbeln“), ging es Schlag auf Schlag: Verschiebung der „Light and Building“ in Frankfurt , Verschiebung der „Intertraffic“ in Amsterdam und dazu die zahllosen Mails von Kunden, die von sich aus die Entscheidung treffen, eine Messepräsenz abzusagen. Natürlich führe man viele Gespräche zu den finanziellen Konsequenzen solcher Entscheidungen, davon gehen aus Sicht von Bustorff die meisten in eine gute Richtung. Doch Planungssicherheit? Fehlanzeige. Sollte die Absagewelle bis in den messe-intensiven Herbst hineinreichen, dann könnten auch in dieser Branche die Reserven knapp werden.

Taxi-Gewerbe spürt Nachfragerückgang

Wenn Großveranstaltungen reihenweise ausfallen und Spiele von THW und Holstein Kiel bald vor leeren Rängen ausgetragen werden, dann trifft das natürlich auch das Taxi-Gewerbe: „Die Branche spürt ganz deutlich einen Rückgang der Fahrgastzahlen“, sagt Thomas Krotz vom Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe: „Wir sind sozusagen der Appendix jeder Großveranstaltung.“ Auch Krotz blickt mit Sorge in die Zukunft: „Was ist mit den Kreuzfahrern? Was ist mit der Kieler Woche?“

Gastro-Gewerbe prüft Kurzarbeit

Einbußen, aber noch keine Einbrüche beklagt das Hotel- und Gaststättengewerbe im Land. Doch gibt es beim Branchenverband Dehoga die ersten Anfragen zu Kurzarbeit.

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