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08:10 07.03.2020
Von Ulrich Metschies
Der Pharmahersteller Ferring hat noch keine Probleme. Das könnte sich schnell ändern, wenn Schutzkleidung fehlt - dann läge die Produktion still. Quelle: Sebastian Weimar/Ferring / infogram
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Kiel

Die Wirtschaft Schleswig-Holsteins ist eng eingebunden in die globale Arbeitsteilung. Beispiel: der Pumpenhersteller Edur aus Kiel: „Wir beziehen Rohgussteile aus China, hier klappt die Belieferung auch noch“, sagt Geschäftsführer Jürgen Holdhof.

Holprig läuft es auf der Absatzseite. Edur baut Pumpen, die auch in chinesischen Chemiebetrieben oder auf Erdölfeldern zum Einsatz kommen. Da die entweder noch nicht oder nur eingeschränkt arbeiten, gibt es einen Stau in den Auslieferungslagern.

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Edur fürchtet vor allem überzogene Reaktionen

Gravierender als Einschnitte in den Zuliefer- oder Absatzketten bewertet Holdhof die Folgen von „übertriebenen Maßnahmen“ gegen die Ausbreitung des Virus. Gerade hat der Geschäftsführer eine Reise nach Venedig abgesagt - aus Sorge vor einer Quarantäne-Kette, an deren Ende die Schließung des gesamten Unternehmens stehen könnte.

„Es würde ja reichen, dass ich im gleichen Flieger sitze wie jemand, der sich später als infiziert herausstellt. Bevor ich das erfahre, hätte ich schon Kontakt mit zahlreichen Mitarbeitern gehabt, die dann auch zu Hause bleiben müssten.“ Dieses Szenario, so Holdhof, mache ihm wirklich Angst.

Coronavirus-Umfrage

Dräger, KVP, Aco: Alle arbeiten mit Vorprodukten aus China

Auch der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Dräger ist auf Vorprodukte aus China angewiesen. „Wir nehmen wahr, dass unsere Partner alles versuchen, den Lieferrückstand aufzuholen“, sagt Unternehmenssprecher Peter Müller. Dennoch sieht sich Dräger mit Verzögerungen konfrontiert: „Schwerwiegendere Versorgungsprobleme sind aktuell nicht auszuschließen.“

Ähnlich ist die Lage beim Kieler Tierpharma-Hersteller KVP. Das vor allem für seine Floh-Halsbänder bekannte Unternehmen bezieht Lieferungen aus China und exportiert auch dorthin: „Wir spüren Verzögerungen in beiden Richtungen“, sagt Qualitätschef Thomas Kuehnemund. Noch könnten Verknappungen überbrückt werden.

Hobby hofft, dass es bald Caravan-Messen gibt

Die Aco Gruppe in Büdelsdorf, Weltmarktführer für Entwässerungstechnik, nennt China und Indien als „relativ bedeutsame“ Zuliefermärkte. „Bis auf Weiteres“, so das Unternehmen, könne der Bedarf zwischen beiden Ländern „hin und her disponiert werden“.

In China seien diverse Werke wieder angelaufen, die Verschiffungen schienen „zeitnah sichergestellt“. Relativ zuversichtlich zeigt sich der Caravan-Hersteller Hobby aus Fockbek. Wie viele andere Unternehmen hofft man dort, dass die Serie von Messe-Ausfällen endlich abreißt.

Aktuelle Zahl: Coronavirus-Fälle in Schleswig-Holstein

Hat Ferring keine Schutzanzüge mehr, kann es nicht produzieren

Anders als viele andere Unternehmen der Branche ist der Kieler Pharmahersteller Ferring aktuell nicht von Einschränkungen betroffen. Doch das Unternehmen bereitet sich darauf vor, dass sich die Lage zuspitzt. In der Arzneimittelherstellung könnten Engpässe bei Materialien drastische Folgen haben, so eine Sprecherin: „Wenn die Verfügbarkeit etwa von Masken, Schutzanzügen oder Desinfektionsmitteln nicht mehr gegeben ist, kann nicht mehr produziert werden.“

Doch nicht überall sind Lieferengpässe für die Kunden so gravierend wie bei Pharmaprodukten. „Unser Lager ist momentan gut gefüllt“, sagt Susanne Gahr, Sprecherin des Erotik-Versenders Orion aus Flensburg. Auswirkungen von Corona werde man aber sicherlich in einigen Monaten zu spüren bekommen: „Vor allem, was unsere Topseller betrifft.“

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