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Wirtschaft Abgasfilter für die Fähren
Nachrichten Wirtschaft Abgasfilter für die Fähren
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00:21 05.08.2014
Von Frank Behling
Die "Victoria Seaways" ist die erste Fähre mit einem Abgaswäscher in einem deutschen Ostseehafen. Quelle: Frank Behling
Kiel

Seehafen-Chef Dirk Claus zeigte sich zufrieden: „Wir begrüßen die Investitionen der Reedereien in Abgasreinigungsanlagen.“ Kiel ist der erste deutsche Hafen, der eine Fähre mit einem sogenannten Scrubber abfertigt. Dabei handelt es sich um Anlagen zur sogenannten Abgasnachbehandlung: In riesigen Zylindern wird durch Einspritzung von Seewasser der Anteil der Schwefeldioxide gesenkt.

 Diese Reinigungstechnik erlaubt es, die Fähren auf See auch weiterhin mit Schweröl zu betreiben. Für die Reeder ist das ein erheblicher Kostenvorteil, da Schweröl im Gegensatz zu dem sauberen Dieselöl fast 30 Prozent billiger ist. Dieselkraftstoff für Schiffe hat einen Schwefelanteil von 0,1 Prozent, Schweröl liegt bei ein bis drei Prozent.

 Ab 2015 dürfen Schiffe in Nord- und Ostsee kein Schweröl mehr ohne Reinigungstechnik verbrennen. Viele ältere Fähren, deren Umrüstung sich nicht mehr rechnet, sind deshalb schon jetzt in Richtung Mittelmeer abgezogen worden. Für die 2009 gebaute „Victoria Seaways“ lohnt sich die Umrüstung. Ihr wurde in Danzig ein Scrubber der Marke Alfa Laval Aalborg eingesetzt. Er wäscht die Abgase und filtert so Stick- und Schwefeldioxide heraus. Mit dieser Technik soll es möglich sein, bis zu 90 Prozent der Emissionen zu senken. Die Filter werden in den Schornstein eingebaut und sind äußerlich durch zusätzliche Abgasrohre zu erkennen. Details wolle man nach der Sommerpause vorstellen, hieß es bei DFDS auf Nachfrage. Neben der „Victoria Seaways“ hat auch die „Optima Seaways“ diese Technik erhalten.

 Umweltschützer begrüßen die Scrubber-Technik nur verhalten. „Es wäre besser, wenn überhaupt kein Schweröl mehr eingesetzt wird. Schweröl ist hochgiftig“, sagt Sönke Diesener, Verkehrsreferent des Naturschutzbunds Deutschland. „Scrubber sind keine Lösung. Sie reinigen nur die Abgase vom Schwefel, nicht aber von den anderen Schadstoffen.“ Rußpartikel, Kohlendioxid und Stickoxide würden nur geringfügig reduziert. „Es ist aber ein Schritt in die richtige Richtung.“ Der Nabu fordert die Umstellung entweder komplett auf Dieselkraftstoff oder den Einsatz von Flüssiggas als Treibstoff.

 Dem Beispiel der Reederei DFDS folgt in Kiel auch die Color Line. Sowohl die beiden Kiel-Oslo-Schiffe als auch die beiden im Skagerrak eingesetzten „Superspeed“-Fähren sollen mit Scrubbern ausgerüstet werden. Die Investition wird die Color Line 30 Millionen Euro kosten.