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Wirtschaft GTL im Tank soll für saubere Luft sorgen
Nachrichten Wirtschaft GTL im Tank soll für saubere Luft sorgen
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12:50 19.09.2019
Keine Rußwolke: Hamburgs Feuerlöschboot, die "Branddirektor Westphal", fährt bereits mit GTL. Quelle: Frank Behling
Kiel

In der Schifffahrt werden 200 Millionen Tonnen Schwer- und Dieselöl pro Jahr benötigt, denn die 50.000 großen Frachter und Tanker der Welthandelsflotte brauchen flüssige Treibstoffe in ihren Dieselmotoren. Neben den klassischen Treibstoffen aus der Erdölförderung etablieren sich aber immer öfter auch saubere Varianten. Dazu zählt das verflüssigte Erdgas (LNG), sogenanntes Bio-LNG (verflüssigtes Biomethan) und auch GTL – ein glasklarer Treibstoff, der einen Energiewerft von Diesel hat. GTL steht für Gas-to-Liquid.

„Wir sind inzwischen bei der Herstellung von sauberen Treibstoffen im Marinebereich bereits sehr weit und können unsere Kunden überall beliefern“, sagt Mathias Kaufmann vom Energiekonzern Shell. Im Kieler Innovations- und Technologiezentrum diskutierten gestern Experten von Reedereien, der Energiewirtschaft und Ingenieuren bei einem Workshop über GTL und die Möglichkeiten in der Schifffahrt.

Shell hat neben klassischem Diesel in den Niederlanden inzwischen auch eigene Fahrzeug- und Schiffsflotten zur Lieferung von LNG und GTL in Fahrt. Während sich LNG in erster Linie als sauberer Kraftstoff ohne Schadstoffe für die globalen Handelsflotten etabliert, wird bei den kleineren Schiffen in den Häfen GTL eingesetzt. Hergestellt wird „Gas-to-Liquid“ von großen Raffinerien in Katar, Nigeria und Südafrika.

Sauberer als Diesel: Für Städte soll das die Erlösung sein

„Das ist ein Treibstoff, der deutlich sauberer als Diesel ist und Städten wie Kiel bei der Reinhaltung der Luft helfen kann“, sagt Constantin Kinias, Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft. Grundlage ist fossiles Erdgas aus der Ölförderung. „Um Ziele beim Klimaschutz zu erreichen, muss man aber auch bereit sein, Übergangstechnologien zu akzeptieren“, so Kinias. Ähnlich wie beim LNG kann auch GTL ein deutlich sauberer Kraftstoff für die Zeit sein, bis weitere Alternativen wie Bio-LNG oder mittels Windenergie die Power-to-Gas-Lösungen ausgereift und auf breiter Front verfügbar sind. „Der große Vorteil ist aber die fehlende Rußwolke“, so Kinias

Ab 2020 soll mit der neuen Fördefähre „Gaarden“ das erste Schiff mit GTL als Treibstoff über die Förde fahren. „Für Kiel ist der Einsatz der ersten Fähre mit GTL ein weiterer Schritt auf dem Weg weg von Diesel als Treibstoff und hin zu sauberer Luft“, sagt Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.

Die Verfügbarkeit bleibt derzeit noch ein Problem

Einziges Problem war bislang, ähnlich wie beim LNG, die Verfügbarkeit von GTL für deutsche Kunden. Während der saubere Kraftstoff in den Niederlanden und in Dänemark bereits weit verbreitet ist, kommt es in Deutschland aufgrund der Genehmigungsverfahren für Tankstellen noch zu Problemen. Jachtbesitzer in Schleswig-Holstein müssen beispielsweise nach Dänemark fahren, um ihre Schiffe zu versorgen. „Wir stellen schon fest, dass es eine Nachfrage bei den Jachtbesitzern gibt“, sagt auch Philipp Mühlenhardt von der Kieler Sporthafen GmbH. Die Betankung erfolgt derzeit noch mit Lastwagen, die aus Hamburg oder den Niederlanden kommen. 

Vorreiter in Deutschland ist die Hansestadt Hamburg. „Seit Juli sind alle 50 Schiffe der Flotte Hamburg mit GTL unterwegs“, berichtet Karsten Schönewald, Geschäftsführer der Flotte Hamburg, dem Verbund aller Behördenschiffe in der Hansestadt. Flaggschiff der 53 Einheiten der GTL-Flotte ist das neue Hamburger Löschboot „Branddirektor Westphal“.

Der Markt wächst kontinuierlich

 „Wir haben festgestellt, dass eigentlich jeder Dieselmotor mit GTL betrieben werden kann“, so Schönewald. Nur bei den neuen Hamburger Polizeibooten habe es Probleme gegeben, da deren Motoren beim Betrieb mit GTL stoppten. Nach einer Erhöhung der Leerlaufdrehzahl der Motoren wurde das Problem aber behoben. 

Der Markt für saubere Treibstoffe wächst inzwischen kontinuierlich. „Wir haben in Hamburg, Magdeburg, Arnheim, Frankfurt, Straßburg und München Lagerstätten für GTL“, sagt Shell-Mann Kaufmann. Und wie ist die Klimabilanz? „Mit GTL retten wir die Luft in Hamburg. Die Welt retten wir damit nicht. Die CO2-Bilanz ist angesichts des hohen Energieaufwands bei der Erzeugung etwa vergleichbar mit Diesel“, sagt Schönewald. In Hafenstädten kann GTL als Treibstoff für Hafenfähren, Schlepper, Busse und Lokomotiven den Ausstoß von Stickoxiden drastisch senken und Feinstaub vermeiden. 

Langfristig wird das Ziel jedoch die Reduktion auch beim CO2 sein. „Hier ist HVO ein Weg, mit dem sich diese Ziele erreichen lassen“, sagt Kinias. HVO steht für hydrierte Pflanzenöle („Hydrogenated Vegetable Oils“). Dabei wird Pflanzenöl mittels einer katalytischen Reaktion unter Zugabe von Wasserstoff in Kohlenwasserstoffe umgewandelt. Damit lässt sich der Ausstoß an klimaschädlichen CO2 um bis zu 90 Prozent reduzieren.

Von Behling Frank

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