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Wirtschaft Der schwierige Abschied vom Verbrennungsmotor: Wie Kettensägen grüner werden könnten
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19:13 17.09.2019
Bei Forstarbeiten nicht wegzudenken: Die Kettensäge. Quelle: picture alliance/dpa
Waiblingen

" WrummWrummWrummmmm" schallt es dieser Tage wieder häufiger durch die Wälder in Deutschland. Denn mit dem Herbst rücken auch die Waldarbeiter wieder häufiger an, fällen Bäume, zerlegen sie, machen sie bereit für den Abtransport. Doch das laute Brummen ihrer Kettensägen könnte bald verstummen - weil Diesel- und Benzinbetriebene Kettensägen womöglich keine große Zukunft haben.

Das beschäftigt auch die Hersteller, die bei der Frage nach dem Ende des Verbrennungsmotors ein Wenig wie manch ein früherer Autoboss klingen. "Vielleicht in 50 Jahren", sagt Stihl-Chef Bertram Kandziora bei der Pressekonferenz am Dienstag in Waiblingen. Es klingt mehr, als denke er laut nach. Denn gleichzeitig macht er klar: "Wir lassen bei der Entwicklung von Benzin-Geräten keinen Millimeter nach und geben gleichzeitig Gas bei Akku-Produkten."

Knapp 80 Prozent der von Stihl weltweit verkauften Geräte laufen noch mit Verbrennungsmotor. Dabei ist die Nachfrage nach Geräten mit Benzinmotor bei dem Hersteller nach Worten von Kandziora in diesem Jahr weltweit leicht zurückgegangen. Der Verkauf von elektrischen Sägen und Rasenmähern boomt hingegen mit zweistelligen Wachstumsraten. Ihr Anteil liegt inzwischen bei gut 15 Prozent - Elektrogeräte mit Kabel spielen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Europa will grüne Kettensägen

Vor allem in Deutschland und Frankreich wächst die Nachfrage nach Akkugeräten, in Märkten wie Russland oder in Lateinamerika setzt man hingegen nach wie vor auf Benzin. "Es wird Märkte geben, die noch sehr lange benzinlastig sind", sagt Kandziora. In anderen Regionen wie Westeuropa, Nordamerika oder Australien rechnet man hingegen mit einem Akku-Anteil von mehr als 50 Prozent.

Ein Engpass bei den Batteriezellen ist dabei noch kein Thema. Die Gerätehersteller benutzen andere Zellen als die Autohersteller - auch die derzeit boomenden elektrischen Leihtretroller sind keine ernsthafte Bedrohung. "Das ist, was die Zellen von Leihrollern betrifft, ein Billigsegment", sagt Kai-Christian Möller von der Fraunhofer-Allianz Batterien in München. "Bei den Rohstoffen sehen wir bislang für die nähere Zukunft noch keine akute Knappheit."

Zudem haben Hersteller wie Stihl langfristige Lieferverträge geschlossen und fahren meist mehrgleisig. Die Elektrogeräte-Sparte von Bosch beispielsweise hat neben vier Hauptlieferanten jüngst eine Zusammenarbeit mit einem weiteren Zellhersteller vereinbart.

Spezielle Akkus für Profigeräte

Stihl hat sich zusätzlich abgesichert und ist mit 20 Prozent an dem Unternehmen BMZ beteiligt, das auch für andere Kunden aus Zellen ganze Batteriesysteme baut. Nur für leistungsstarke Profigeräte, bei denen die Akkus auf dem Rücken getragen werden, hat Stihl im vergangenen Jahr eine eigene Akku-Fertigung am Stammsitz in Waiblingen aufgebaut.

Dabei feilen auch andere Hersteller an ihren kabellosen Stromantrieben. Beim Reinigungsgerätespezialisten Kärcher etwa liefen zuletzt bereits 75 Prozent der Geräte für die Verbraucher mit Akkus. Auch im professionellen Bereich steigt der Anteil der akkubetriebenen Geräte. An diesem Freitag will Kärcher seine neuen Pläne in dem Bereich Akku-Geräte vorstellen.

Lesen Sie auch: Testergebnis: Akku-Rasenmäher werden immer besser

Ähnlich ist die Entwicklung bei Boschs Elektrogerätesparte, die auch im professionellen Bereich mehr und mehr auf Akkus setzt. "In industrialisierten Märkten haben kabellose Geräte für Handwerker schon heute rund zwei Drittel Marktanteil, wir erwarten bis 2025 eine Steigerung auf 80 Prozent", sagt Henk Becker, Chef von Bosch Power Tools. "Unsere Akku-Werkzeuge für Handwerker sind mittlerweile besser als Netzgeräte."

Allerdings stoßen die Akku-Geräte im professionellen Bereich noch an Grenzen. "Batteriezellen lassen sich in jede Richtung optimieren", erklärt Fraunhofer-Experte Möller. "Man könnte die Leistung der Zellen heute schon steigern, allerdings ginge das auf Kosten der Energiedichte oder Lebensdauer."

Ohne Verbrenner geht es (noch) nicht

Dort, wo kein Kabel hinreicht, setzen sowohl Stihl als auch Kärcher deshalb nach wie vor auf den Verbrennungsmotor. Das gilt für Hochdruckreiniger ebenso wie für Trennschleifer auf dem Bau oder leistungsstarke Motorsägen der Forstarbeiter, die derzeit wieder unterwegs sind.

Doch die Leistungsfähigkeit der Zellen steigt - laut Möller derzeit jährlich noch um drei bis fünf Prozent. Bei Stihl will man sich deshalb noch keine Grenzen setzen. Ein Sprecher betont: "Sehr langfristig gesehen, können keine Möglichkeiten grundsätzlich ausgeschlossen werden."

RND/dpa

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