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08:00 04.11.2019
Von Ulrich Metschies
„Aus meiner Sicht wurde nicht immer deutlich genug darauf hingewiesen, dass es Anbieter gibt, die ohne Smartphone oder Tablet mit App keine Kartenzahlung mehr im Internet zulassen“, kritisiert Michael Herte, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Quelle: Imago/philipimage/Panthermedia
Kiel

Am 14. September 2019 wurde die „PSD2“ scharf geschaltet, die überarbeitete Europäische Zahlungsrichtlinie (Payment Services Directive). Die neuen Spielregeln machen es Kriminellen schwerer, Geld auf ihr Konto umzuleiten und Kreditkarten-Daten zu kapern. Doch die Umsetzung läuft keineswegs reibungslos.

„Bei uns laufen Beschwerden von Kunden auf, die mit dem neuen Verfahren nicht zurechtkommen, und die meinen, dass sie nur noch mit einem aktuellen Smartphone Zugang zum Online-Banking bekommen“, sagt Michael Herte, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Tatsache ist: Kein Kunde, der Online-Banking nutzen will, muss sich extra dafür ein Smartphone anschaffen. Um die Vorgaben der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung zu erfüllen, können Verbraucher auch Tan-Generatoren und -Lesegeräte nutzen, die in der Regel allerdings Geld kosten. Einige Institute bieten auch noch die „mobile Tan“ per SMS an, für die jedoch auch Kosten anfallen.

Grafik: Online-Banking-Verfahren im Überblick

Höhere Hürden für das Bezahlen sorgen für Frust bei Kunden

Doch mehr noch als die neuen Regeln für das Online-Banking sorgen höhere Hürden für das Bezahlen beim Online-Shopping mit Kreditkarte für Frust bei den Kunden. Zwar duldet die Finanzaufsicht Bafin noch bis Ende 2020 die laschen Regeln beim Bezahlen mit Karte im Netz. Doch viele Online-Shops haben bereits auf die neuen Vorgaben umgestellt, so dass Kartennummer und Sicherheits-Code zur Legitimation nicht mehr ausreichen.

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„Aus meiner Sicht wurde nicht immer deutlich genug darauf hingewiesen, dass es Anbieter gibt, die ohne Smartphone oder Tablet mit App keine Kartenzahlung mehr im Internet zulassen“, kritisiert Herte. Ohne mobile Endgeräte lassen sich Kreditkarten im Netz künftig kaum noch als Zahlungsmittel einsetzen, da die Autorisierung in den meisten Fällen über Apps erfolgt, die sich die Nutzer im App-Store herunterladen müssen.

Fehlende Updates führen vereinzelt zu Problemen

Die Banken hingegen verweisen einhellig darauf, ihre Kunden rechtzeitig auf die Veränderungen vorbereitet zu haben. „Wir haben uns frühzeitig mit dem Thema PSD2 beschäftigt“, sagt Sebastian Heinz von der Kieler Volksbank. „Wir konnten alle Abläufe bereits im Vorwege anpassen, sodass es kaum Schwierigkeiten gab.“ Ursache für vereinzelte Probleme seien meist fehlende Updates der Zahlungsverkehrsprogramme.

„Technisch hat es bei der Umstellung keine Probleme gegeben“, heißt es auch bei der Förde Sparkasse. Aufgrund der Tatsache, dass die Änderungen eine große Anzahl von Kunden betreffen, habe es zum Thema Kreditkartenzahlungen im Internet jedoch „einige Rückmeldungen“ gegeben, meist aufgrund von Schwierigkeiten bei der Registrierung des „S-ID-Check“.

Bei der Umsetzung der neuen Regeln gehen die Banken zum Teil sehr unterschiedliche Wege. Während einige Institute wie etwa die Postbank für jedes Einloggen ins Online-Banking eine „starke“ Authentifizierung verlangen, reicht bei Förde Sparkasse oder Volksbank, alle 90 Tage die Legitimation per Pin und Tan.

Hintergrund: Online-Banking-Verfahren

Mit diesen „Tans“ kann Online-Banking abgesichert werden

mTan (SMS-Tan): Für jede Überweisung, die man tätigen möchte, wird eine Tan angefordert. Beim mTan-Verfahren erhält man diese als SMS, um sie für das Banking einzusetzen. Die Methode ist recht sicher, aber das Handy kann gestohlen, die Tan abgefangen werden. Das Bundesamt BSI empfiehlt, auf mTans zu verzichten.

Push-Tan: Auch hier wird für jede Überweisung die Tan angefordert. Im Unterschied zur mTan nutzt man eine spezielle App, in der die Tan generiert wird. Die Sicherheit ist hoch, wenn für App und Online-Banking verschiedene Apps oder Geräte verwendet werden.

App-Tan: Startet man eine Überweisung, reagiert die App auf dem Handy. Dort muss man sich mit einem vorher gewählten Passwort einloggen. Eine Tan wird im Hintergrund generiert, der Kunde muss sie nicht selber eingeben. Hohe Sicherheit, wenn für App und Banking verschiedene Apps oder Geräte verwendet werden.

Chip-Tan: Hier kommt ein Tan-Generator in Kombination mit dem Chip auf der Bankkarte zum Einsatz. Der Generator ermittelt durch Auslesen eines flackernden Feldes auf dem Schirm die jeweils erforderliche Tan. Hohe Sicherheit, da zwei getrennte Geräte verwendet werden und zusätzlich die Bankkarte nötig ist.

Foto-Tan: Im Prinzip wie das Chip-Tan-Verfahren, nur dass hier eine Grafik statt eines flackernden Feldes zum Einsatz kommt, die mit einer App auf dem Smartphone ausgelesen wird. Hohe Sicherheit, sofern nicht für App und Online-Banking das gleiche Smartphone verwendet wird.

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Strengere Zugangsregeln für das Onlinebanking und das Bezahlen im Netz sorgen vielfach für Ärger und Verwirrung. So fürchten manche Kunden, dass sie nur noch mit einem aktuellen Smartphone Bankgeschäfte online erledigen können.

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