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Wirtschaft Claus & Claus: Eine ungewöhnliche Hafen-Ehe
Nachrichten Wirtschaft Claus & Claus: Eine ungewöhnliche Hafen-Ehe
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12:00 13.10.2019
Von Ulrich Metschies
Sie kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Kieler Wirtschaftsförderung, seit 2015 sind sie ein Ehepaar: Kreuzfahrt-Direktorin Nicole Claus (42) und Seehafen-Geschäftsführer Dirk Claus (50). Quelle: Ulf Dahl, Frank Behling (2) | Montage: Lina Schlapkohl
Kiel

Mögen Klaus & Klaus noch so selig die Nordseeküste besingen: Claus & Claus haben ihr Glück an der Ostsee gefunden, beruflich und privat. Job und Beziehung zu vermischen, ist bekanntlich nicht immer eine gute Idee. Doch bei Dirk (50) und Nicole Claus (42) klappt die Zusammenarbeit offenkundig perfekt.

Wenn der Seehafen Kiel die Sommersaison im Kreuzfahrtgeschäft mit der Rekordmarke von 800000 Passagieren beendet, dann hat das Ehepaar daran einen maßgeblichen Anteil. Er als Geschäftsführer, sie als Kreuzfahrt-Direktorin.

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Eine ungewöhnliche Paarung – zumal in einem Unternehmen, das zwar privatrechtlich organisiert ist, jedoch zu 100 Prozent der Stadt Kiel gehört. Kritische Fragen aus dem Rathaus sind nicht zu vernehmen. Warum ein Dream-Team infrage stellen? Wer sich jedoch in der Kieler Hafenwirtschaft umhört, stößt auf eine Mischung aus Schmunzeln und Befremden.

Sie lernten sich bei der KiWi kennen

Beide hatte das Wasser zum Studium nach Kiel gelockt, sie aus München, ihn aus Bremen. Kennengelernt haben sich Dirk Claus und Nicole Claus – damals noch Heinisch – 2004 bei der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft KiWi, deren Geschäftsführer der promovierte Wirtschaftsgeograf seit 2001 war.

Der Chef und die Fachfrau für Gewerbeimmobilien und Standortmarketing konnten gut miteinander, doch 2006 wurde die Zusammenarbeit vorerst beendet: Auf Betreiben der damaligen Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz (CDU) wurde Claus 2006 Leiter des Kieler Seehafens.

2010 der Wechsel zum Seehafen, 2015 die Hochzeit

Dann folgt eine bemerkenswerte Kette von Ereignissen: 2010 wechselt auch Nicole Heinisch zum Seehafen Kiel, übernimmt dort Aufgaben im Marketing. Zwei Jahre später, nach dem Ausscheiden von Marketingchef Heinz Bachmann, werden dessen Aufgaben neu verteilt; Nicole Heinisch erhält den wohlklingenden Titel Kreuzfahrt-Direktorin.

Wann genau es gefunkt hat, lässt sich schwer sagen. Darüber möchte niemand offen reden. Tatsache ist jedoch: 2015 schließen Geschäftsführer und „Cruise Director“ in München den Bund fürs Leben – aus Nicole Heinisch wird Nicole Claus.

Niemand möchte bei Claus in Ungnade fallen

Damit ist die Liaison auch für Außenstehende ersichtlich. „Viele haben sich gewundert und sich auch gefragt, wie das wohl gelaufen ist“, sagt ein Branchen-Insider. Offene Kritik habe es jedoch nicht gegeben. Kaum erstaunlich: Bei Claus möchte niemand in Ungnade fallen – weder aus der Wirtschaft noch aus der Politik.

Die Beißhemmung hat mehrere Gründe. Einer ist Dirk Claus’ Neigung zu impulsiven Diskussionen. Zudem hat der Manager die einstmals zerstrittene Kieler Hafenwirtschaft mit einer weisen Politik des Herrschens und Teilens handzahm gemacht.

Vor allem jedoch ist es seine Erfolgsstory, die Claus gegen Kritiker weitgehend immun macht. Mit ihm als Strategen an der Spitze hat sich das Unternehmen rasant entwickelt. Aus dem soliden, aber auch behäbigen Hafenbetreiber wurde ein Dienstleistungs- und Immobilienunternehmen mit einem breiten Portfolio an Beteiligungsfirmen.

Interaktive Grafik: Entwicklung Seehafen Kiel

Umsatz des Seehafens Kiel hat sich verdoppelt

Seit Dirk Claus im Amt ist, hat sich der Umsatz des Seehafens auf fast 40 Millionen Euro verdoppelt, die Zahl der Beschäftigten auf rund 400 vervierfacht. Claus steht für Millionenprojekte, die das Gesicht des Hafens verändert haben: Erweiterung des Ostuferhafens, Bau des Ostseekais als Premium-Liegeplatz für Kreuzfahrer, Neubau des Schwedenkais mit dem markanten Hafenhochhaus als attraktive Büroimmobilie, Umbau der ehemaligen Cellpap-Halle zum Kreuzfahrtterminal mit Abfertigungskapazitäten für bis zu 4000 Passagiere.

Insgesamt investierte der Seehafen Kiel seit Claus’ Amtsantritt 200 Millionen Euro. Ein erklecklicher Teil dieser Summe diente dazu, den Kreuzfahrtreedereien dieser Welt den roten Teppich auszurollen.

Es ist gar nicht so lange her, da verirrten sich nur gelegentlich weiße Riesen nach Kiel. Heute ist die Landeshauptstadt Kiel der bedeutendste Kreuzfahrthafen der Republik. Vor allem aber erwirtschaftet der Port of Kiel stattliche Gewinne – während sich die meisten Konkurrenten mit Millionenverlusten abplagen müssen. Da stört es niemanden, dass der Hafenchef rund 207000 Euro verdient, während der OB mit 130000 Euro nach Hause geht.

Claus: Karriere hat nicht mit der Beziehung zu tun

Von seinem Büro im neunten Stock hat der Chef einen Premium-Blick auf das Hafengeschehen. Auch seine Frau ist zum Gespräch gekommen, und beide haben eine Botschaft: Die Karriere von Nicole Claus beim Seehafen Kiel habe gar nichts zu tun mit der privaten Beziehung.

Relativ schnell nach seinem Wechsel zum Hafen, so Dirk Claus, sei ihm und seinem damaligen Prokuristen Bachmann aufgegangen, dass sich das Unternehmen im Bereich Tourismus personell besser aufstellen müsse. „Wir haben lange an Hochschulen gesucht, aber ohne Erfolg“, sagt Dirk Claus. Dann sei ihm eingefallen, dass es da doch jemanden gebe bei der KiWi, jemanden, der Kiel nicht nur gut kennt, sondern der die Stadt auch im Ausland gut verkaufen könne. Und so habe seine spätere Frau mit Heinz Bachmann ein Gespräch geführt, das schließlich den Jobwechsel besiegelte.

Nicole Claus hatte im Studium einen Tourismus-Schwerpunkt

Dass mancher im maritimen Umfeld darüber rätselt, welche Qualifikation Nicole Claus für eine Kreuzfahrtdirektorin mitbringt, kann das Ehepaar nicht nachvollziehen. Sie verfüge nicht nur über Erfahrungen im Destinationsmarketing und Leidenschaft für Sprachen und Netzwerken, sagt Nicole Claus, sondern mit dem Wechsel zum Seehafen kehre sie zurück zu ihren Wurzeln. Schwerpunkt ihres Studiums: Tourismus.

Und warum die Bezeichnung „Kreuzfahrt-Direktorin“, die es sonst nur auf Schiffen gibt? Der helfe vor allem bei der Kontaktpflege im Ausland, da sei der Titel schon ein wichtiger Türöffner.

Für Befremden in der Branche sorgt auch die Tatasche, dass Nicole Claus neben ihrem Hafenjob Zeit findet, freiberuflich als Business-Coach zu arbeiten. Dafür, sagt sie, vereinbare sie wenige Termine, und die auch nur abends: „Mein Herzblut gehört dem Hafen.“

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