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Wirtschaft EZB will Leitzins bis 2020 bei Null halten
Nachrichten Wirtschaft EZB will Leitzins bis 2020 bei Null halten
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16:41 07.03.2019
Die Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Quelle: Roessler/dpa
Frankfurt

„Aufschub der Zinswende auf unbestimmte Zeit“ oder „Panik in Frankfurt?“ – so lauteten am Donnerstag die ersten Reaktionen auf die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken Geld leihen können, bleibt bei null Prozent. Doch EZB-Präsident Mario Draghi verschiebt zugleich den Zeitpunkt für die frühestens möglichen Erhöhungen nach hinten. Vor Jahresanfang 2020 soll sich nun nichts mehr tun.

Die bisherige Diktion lautete, dass man nach dem Sommer ein Abrücken von den Nullzinsen für möglich halte. Für Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW steht indes fest: „De facto handelt es sich jedoch eher um einen Aufschub auf unbestimmte Zeit.“ Dahinter steckt die Einschätzung, dass die Zentralbank mehr oder weniger gezwungen ist, die Zinsen niedrig zu halten, um schwerere ökonomische Verwerfungen in der Eurozone zu verhindern.

Als Ursache dafür hat er die Politik in vielen Hauptstädten ausgemacht. Damit dürfte vor allem die italienische Regierung gemeint sein, die trotz eines immens hohen Schuldenbergs in diesem Jahr neue Kredite aufnimmt, um unter anderem einen früheren Renteneintritt und eine Grundsicherung zu finanzieren.

Neues Programm für Banken

Von Panik sprechen gar die Experten der niederländischen ING-Bank und der Targobank. Das bezieht sich vor allem auf die zweite wichtige Entscheidung: Die EZB legt ein neues Sonderprogramm namens TLTRO 3 auf, mit dem sie den Geschäftsbanken hundert Millionen Euro zu günstigen Konditionen und mit zwei Jahren Laufzeit offeriert. Start ist im September.

Die Intention der Notenbanker ist klar: Sie wollen verhindern, dass Geldhäuser wieder reihenweise in schwere Schieflage geraten. Das gilt insbesondere für Institute in Südeuropa und dort vor allem in Italien und Spanien. Dort haben Banken noch immer große Mengen fauler Kredite in ihren Büchern. Gleichzeitig halten sich Unternehmen mit der Aufnahme neuer Darlehen stark zurück, da sie ohnehin schon hoch verschuldet sind.

Das neue TLTRO-Programm soll nun Banken einerseits zu neuen Aktivitäten ermutigen. Zugleich soll es als Stabilisator wirken, da im Juni 2020 und im März 2021 zwei frühere TLTRO-Programme auslaufen. Ohne das frische Geld aus Frankfurt, würde sich dann die Liquidität in der Euro-Zone spürbar verringern - mit schwer kalkulierbaren Konsequenzen für die Euro-Länder.

Angst vor Konjunktureinbruch

Denn die Hintergrundmusik für die EZB-Entscheidungen sind Ängste vor einer massiven Eintrübung der Konjunktur. So hat der Industrieländer-Club OECD gerade die Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent auf 0,7 Prozent in diesem Jahr reduziert. Für Italien wird sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung erwartet. Vor allem der nahende Brexit und die Handelskonflikte, die US-Präsident Donald Trump anzettelt, schlagen auf die Stimmung.

All das bedeutet, dass es auf absehbare Zeit bei den Mini-Zinsen für Sparer bleibt. Kredite werden weiterhin extrem billig sein, wovon Unternehmen, die investieren wollen, profitieren. Ebenso Privatleute, die Immobilien erwerben: Laut Berechnungen der FMH-Finanzberatung liegt der Zinssatz für Baugeld derzeit hierzulande noch im Schnitt bei rund 1,2 Prozent. Im März 2008 waren es noch gut 4,7 Prozent.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel

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