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Wirtschaft Eier-Skandal schockt Bauernverband
Nachrichten Wirtschaft Eier-Skandal schockt Bauernverband
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11:51 25.02.2013
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Frei laufende braune Hühner auf einer Farm am 18.10.2005. In Niedersachsen und weiteren Bundesländern sind Ermittler einem möglicherweise systematischen Betrug bei der Haltung von Legehennen auf der Spur. Es bestehe der Verdacht, dass viel mehr Hühner auf engstem Raum gehalten wurden als erlaubt - sowohl in der Freiland- als auch in der Käfighaltung. Quelle: dpa
Hannover

Im neuen Skandal um falsch deklarierte Eier und Hühner-Massenhaltung hat Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) eine zügige Aufklärung gefordert. „Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, geht es hier um Betrug im großen Stil: Betrug an den Verbrauchern, aber auch Betrug an den vielen Bio-Landwirten in Deutschland, die ehrlich arbeiten“, erklärte Aigner am Montag.

Millionen Eier aus Freiland-, Boden- und Bio-Haltung vor allem aus Niedersachsen sollen als angebliche Bio-Eier in den Handel gelangt sein. Die Legehennen sollen in überbelegten Ställen nicht so gehalten und gefüttert worden sein, wie es für Bio-Eier vorgeschrieben ist.

Aigner verwies darauf, dass Vorgaben an Bio-Betriebe sehr streng seien und strikt eingehalten werden müssten. Es nütze nichts, wenn Bund und EU immer weiter Gesetze verschärften. „Die zuständigen Kontrollbehörden der Bundesländer müssen diese Gesetze auch überwachen“, sagte sie.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen rund 150 Betriebe in Niedersachsen. Etwa 50 weitere Verfahren wurden an Ermittler in anderen Bundesländern abgegeben. Betroffen sein sollen auch Betriebe in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in den Niederlanden und Belgien. Erste Verfahren seien bereits im Herbst 2011 eingeleitet worden, schreibt das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, das den Skandal bekanntgemacht hatte.

Der niedersächsische Bauernverband hat eine rasche Aufarbeitung des neuen Skandals um falsch deklarierte Eier gefordert. „Wir sind von den Dimensionen überrascht“, sagte am Montag die Sprecherin des Landvolks, des niedersächsischen Bauernverbandes, Gabi von der Brelie. Dem Verband sei kein einziger Name von Legehennenbetrieben bekannt, die nun unter Verdacht stünden. „Wir können nur an unsere Mitglieder appellieren, sich an Recht und Gesetz zu halten. Wer sich nicht daran hält, richtet auch für alle anderen großen Schaden an und muss die Konsequenzen tragen.“

Der niedersächsische Landesverband der Geflügelwirtschaft wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen zu den Vorwürfen vorerst nicht äußern. Das sagte ein Sprecher in Oldenburg. Die dortige Staatsanwaltschaft ermittelt gegen rund 150 Betriebe in Niedersachsen, die Eier fälschlich als Bio-Eier deklariert haben sollen.

Die Sprecherin des niedersächsischen Bauernverbandes sagte, der Fall zeige, dass die Kontrollen der Betriebe funktionierten. Es handele sich aber nicht um einen Lebensmittelskandal um belastete Produkte, sondern um einen Fall von Etikettenschwindel. „Wenn ich ein Bio-Ei kaufe, will ich auch eins haben.“ Generell könnten die Verbraucher die betroffenen Eier aber guten Gewissens essen.

Die Grünen-Politikerin Renate Künast forderte eine schärfere Kontrolle von landwirtschaftlichen Betrieben. „Wichtig ist, dass vorne die Kontrollen ordentlich funktionieren. Das haben sie hier, auch die staatlichen, nicht getan“, sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion am Montag im ARD-Morgenmagazin. Kontrolleure prüften in den Betrieben zwar das Futter und die Haltung der Tiere im Allgemeinen, nicht aber die Zahl der Hühner insgesamt. „Wir müssen einen Weg finden zu zählen“, sagte die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin. Sollten die Ermittlungen tatsächlich ergeben, dass Bio- und Freiland-Betriebe Legehennen entgegen Vorschriften auf engstem Raum gehalten haben, müssten diese laut Künast auch öffentlich genannt werden.

Auch der neue niedersächsische Landwirtschaftsministers Christian Meyer (Grüne) will eindeutige Konsequenzen. „Wir prüfen dann, ob man den überführten Betrieben (…) die Betriebserlaubnis entzieht“, sagte Meyer im ARD-Morgenmagazin. Hinter der möglichen massiven Verbrauchertäuschung könne sich eine „ziemliche kriminelle Energie“ verbergen, so der Grünen-Politiker.

„Es geht hier nicht nur um Bio-Betriebe, es geht um alle Haltungsformen. Es geht um Käfig-, Boden-, Freilandhaltung, wo möglicherweise deutlich mehr Hühner gehalten worden sind als erlaubt.“ Meyer, ein engagierter Kämpfer gegen Massentierhaltung, hatte erst vor knapp einer Woche das Amt als neuer niedersächsischer Landwirtschaftsminister aufgenommen.

Für die Freilandhaltung von Hühnern sind mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche pro Huhn vorgeschrieben. Freilandeier dürfen nur dann als „Bio“ in den Handel, wenn auch bestimmte Futtermittel-Auflagen erfüllt werden.

Unklar ist noch, warum die Vorwürfe erst jetzt bekanntwurden. In Hannover werde laut „Spiegel“ das Zurückhalten der Informationen damit begründet, dass man die Ermittlung nicht gefährden wollte. Das Magazin vermutet, dass der CDU Schlagzeilen über einen Öko-Skandal höchst ungelegen gekommen wäre, denn die Massentierhaltung hatte im Landtagswahlkampf eine große Rolle gespielt.

Im Eier-Skandal wird wegen möglicher Verstöße gegen das Lebensmittel- und das Futtermittelgesetzbuch sowie das ökologische Landbaugesetz ermittelt. Verstöße könnten mit Geldstrafen und Haftstrafen von bis zu einem Jahr geahndet werden. Auch Betrugsvorwürfe müssten geprüft werden. An diesem Montag wollen die EU-Landwirtschaftsminister auf einem Treffen in Brüssel über eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel beraten. Anlass ist der Pferdefleisch-Skandal.

Weniger Hennen in Käfigen

Noch immer leben Millionen Legehennen in Deutschland in Käfigen, aber ihre Zahl sinkt. Rund 4,9 Millionen Hennen wurden Ende 2012 noch so gehalten — 4,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Hühnerhaltung nach ökologischen Richtlinien wächst nach Anhaben des Statistischen Bundesamtes stark: Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Legehennen in Öko-Betrieben um 17 Prozent. 2008 waren noch fast 19 Millionen Legehennen in Käfigen gehalten worden.

Die traditionelle Käfighaltung ist mittlerweile verboten, seit 2009 müssen die Tiere in sogenannten Kleingruppenkäfigen gehalten werden. Bis zu zehn Hennen bilden eine Gruppe. Sie haben etwas mehr Bewegungsfreiheit.

Insgesamt legten am Stichtag 1. Dezember 2012 rund 36,6 Millionen Hennen ihre Eier in deutschen Betrieben, das sind 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Sie legten im vergangenen Jahr zusammen rund 10,6 Milliarden Eier. In der Statistik erfasst werden Betriebe mit mindestens 3000 Haltungsplätzen.

Fast zwei Drittel der Hennen (26,8 Millionen) lebten in Bodenhaltung, an zweiter Stelle folgt die Freilandhaltung mit 5,4 Millionen (14,8 Prozent), an dritter Stelle die Käfighaltung mit 13,4 Prozent. Bio-Betriebe hielten 2,9 Millionen Legehennen, das entspricht 7,9 Prozent aller Tiere.

Destatis-Mitteilung: http://dpaq.de/DHmKc