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Wirtschaft Kaum Ladepunkte in Tiefgaragen
Nachrichten Wirtschaft Kaum Ladepunkte in Tiefgaragen
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13:23 23.07.2019
Von Anne Holbach
96 Prozent der Mehrfamilienhäuser in Deutschland haben keinen Stromanschluss für E-Autos auf Stellplätzen. Quelle: Jan Woitas
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Kiel/München

In den Tiefgaragen mit Stromanschluss sind meist nur normale Steckdosen verfügbar, lediglich die Hälfte der Objekte hat wenigstens eine Ladesäule oder eine Wallbox. Vier von fünf Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft haben in keinem einzigen Gebäude einen Ladeplatz für E-Autos. Befragt wurden im Frühjahr insgesamt 1410 einschlägige Unternehmen in elf Großstädten.

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Schleswig-Holstein: Nachfrage noch gering

In Schleswig-Holstein ist die Situation nicht anders: Von der Wohnungs-Genossenschaft Kiel (WOGE) heißt es, bei Neubauten werde zwar versucht, Ladestellen einzuplanen. Derzeit gebe es aber keine in den Bestandsobjekten.

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„Bisher bieten wir in Kiel keine Lademöglichkeiten für Elektroautos an, weil die Nachfrage gering war“, lautet auch die Antwort von Vonovia. 79 Prozent der Firmen nannten das dem ADAC als Grund für die fehlenden Stromanschlüsse.

Elektroauto: Vonovia plant drei Ladepunkte in Kiel

Vonovia plant aber in den Stadtteilen Kiel-Mettenhof einen Ladepunkt, in Kiel-Gaarden zwei Anschlüsse. „Bundesweit installieren wir in diesem Jahr 70 Ladepunkte“, so eine Sprecherin. Vonovia wolle seine Quartiere ökologisch gestalten.

Die Baugenossenschaft Mittelholstein (BGM) beabsichtigt, die Infrastruktur in ihrem Bestand aufzubauen. „Wir gehen davon aus, dass es sich aus Gründen der nachhaltigen Vermietbarkeit der Wohnungen grundsätzlich lohnen wird, wenn eine entsprechende Nachfrage der Mieter besteht“, sagt Vorstand Stefan Binder. Kürzlich sei ein Garagenhof in Kiel mit zwei Steckdosen zum Aufladen von Elektrofahrzeugen aufgerüstet und in einer Tiefgarage im Anscharpark eine Wallbox angebracht worden.

BGM plant bei Neubauten grundsätzlich Ladepunkte ein

Beim Ausbau spielten sowohl Standortfragen als auch die Investitionskosten eine Rolle. „Das weitaus größere Problem stellt zurzeit allerdings die Klärung eines Abrechnungssystems dar“, so Binder. Hierbei gebe es steuerliche Aspekte zu bedenken, wenn die Genossenschaft als Stromlieferant auftrete. Bei Neubauten werde die Installation von Ladesäulen grundsätzlich eingeplant, ebenso wie Steckdosen für E-Bikes und Scooter.

Ein Problem ist das Wohneigentumsgesetz

Laut ADAC-Umfrage erwägt ein Viertel der Wohnungsunternehmen in den nächsten drei Jahren, Ladepunkte zu errichten. Pläne für das kommende Jahr verfolgen nur 13 Prozent. In vielen Tiefgaragen gebe es keine Leerrohre, durch die problemlos Stromkabel verlegt werden könnten. Das macht den Einbau teuer.

Zudem begründen Firmen die fehlenden Ladepunkte mit regulatorischen Unsicherheiten. Eine ist das Wohneigentumsgesetz. Demnach müssen bei Umbauten alle Miteigentümer im Mehrfamilienhaus zustimmen. Ist nur ein Wohnungsbesitzer dagegen, kann keine Wallbox eingebaut werden. Mieter haben keinen Anspruch auf eine Lademöglichkeit, auch wenn sie dafür selbst zahlen wollen.

ADAC fordert Reform des Miet- und Wohneigentumsrechts

„Unter diesen Umständen wird es kaum gelingen, die Elektromobilität für alle Interessierten nutzbar zu machen“, kritisiert Gerhard Hillebrand, ADAC-Vizepräsident und Vorsitzender des Verkehrsclubs Schleswig-Holstein. Für Verbraucher sei es essenziell, dass sie ihr Fahrzeug unkompliziert zu Hause laden können. Der ADAC fordert, noch dieses Jahr das Miet- und Wohneigentumsrecht anzupassen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) betonte erst Ende Juni: „Ich will, dass Laden immer für alle und überall möglich ist.“ Er arbeitet an einem Gesetz zur Beschleunigung des Hochlaufs der Elektromobilität, das auch Hindernisse bei der privaten Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen abbauen soll. Das Vorhaben ist noch in der Ressortabstimmung.

Für gewerbliche Immobilien und Nichtwohngebäude gibt es bereits eine EU-Richtlinie, die bis spätestens März 2020 umgesetzt werden muss. Sie sieht vor, dass bei Neubauten und umfassenden Renovierungen mindestens eine Ladestation installiert werden muss.

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