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07:00 27.01.2017
Von Jan von Schmidt-Phiseldeck
Gut ausgebautes Netz in Schleswig-Holstein: Monteure arbeiten in Brunsbüttel an Freileitungen, die ab 2019 Windstrom in den Süden transportieren sollen. Quelle: Carsten Rehder
Kiel

Grund dafür sind die bundesweit unterschiedlichen Netzentgelte, die jeder Kunde an den Stromnetzbetreiber zahlen muss. Weil diese trotz eines im Herbst angekündigten Versprechens der Bundesregierung nicht vereinheitlicht wurden, droht Privat- und Gewerbekunden im Norden in diesem Jahr eine zusätzliche Belastung von 178 Millionen Euro – dies entspricht etwa 64 Euro pro Einwohner.

 Jetzt haben 87 Verbände und Unternehmen aus Nord- und Ostdeutschland sich in einem Schreiben an die Bundeskanzlerin gewandt, um zu bundesweit einheitlichen Netzentgelten zu kommen. Unter ihnen sind bekannte Firmen wie die Jungheinrich AG und Arcelor Mittal oder Verbände wie der Schleswig-Holsteinische Landkreistag und der Gemeindetag und der Industrieverband Hamburg, um nur einige zu nennen.

 Während bei einem durchschnittlichen Strompreis von etwa 28 Cent pro Kilowattstunde bundesweit rund 22 Prozent auf Netzentgelte entfallen, sind es im Norden fast 30 Prozent. Preistreiber sind unter anderem die Integrationskosten der Erneuerbaren Energien, also der Ausbau der Netze wegen der steigenden Zahl an Windparks, die unterschiedliche Auslastung der Netze sowie sogenannte vermiedene Netzentgelte – also Strom, der nicht durchgeleitet werden kann.

 „Die Leidtragenden sind ausgerechnet jene Bundesländer, die den größten Beitrag zur Energiewende leisten, weil sie die Netze am besten ausgebaut haben. Dazu zählt auch Schleswig-Holstein“, kritisiert VSHEW-Geschäftsführer Roman Kaak. Nach Ansicht des Verbandes würden bei einer bundeseinheitlichen Regelung die Netzentgelte im Norden um zehn Prozent sinken. Die höchsten Entgelte werden im ländlichen Raum, in den neuen Bundesländern sowie in Schleswig-Holstein und Baden Württemberg gezahlt. Nordrhein-Westfalen und der Südwesten profitieren bisher von günstigeren Umlagen.

 Das stößt auch Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sauer auf. Der Bundesrat habe zurecht gefordert, dass die Netzausbaukosten der Energiewende national umgelegt werden sollten. Der Ausbau der Erneuerbaren stelle auch eine Belastung dar. „Wir setzen die Energiewende auch aus Solidarität für Deutschland um – genauso erwarten wir aber nun auch Solidarität bei den Kosten. Kleinstaaterei tötet die Energiewende, die aber ein nationales Projekt ist“, sagt Habeck.

 Diese Position unterstützt Matthias Boxberger, Vorstandsvorsitzender des Quickborner Energiedienstleisters Hansewerk AG: „Die Bundesregierung wird nicht müde zu betonen, dass es sich bei der Energiewende um ein großes Gemeinschaftsprojekt handelt. Es ist deshalb nicht in Ordnung, wenn der Norden auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt.“ Der Bund müsse endlich dafür sorgen, dass alle Energiewendekosten, besonders die für den Netzausbau, solidarisch verteilt werden. „Sonst zahlen die Stromkunden hier weiter die Zeche für die Energiewende“, sagte Boxberger.

 Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums seien die Gespräche mit den Ländern zu einheitlichen Netzentgelten noch nicht beendet. Als eine Option gelte nach Angaben eines Sprechers „eine schrittweise Angleichung“ über mehrere Jahre. Zuletzt wollte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die ursprünglich vorgesehene bundesweite Angleichung der Umlagen für den überregionalen Stromnetzbetrieb verzichten. Dagegen hatten vor allem ostdeutsche Ministerpräsidenten protestiert.

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